Dokumentation von Grenzsteinen

Kleindenkmäler im Wald zwischen Babenhausen und Schaafheim

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Helmut Schroth säubert einen historischen Grenzstein im Wald zwischen Babenhausen und Schaafheim: Die drei eingemeißelten Buchstaben „BKW“ geben ihm Rätsel auf. Darunter steht die Jahreszahl 1766. Das „M“ auf dem Grenzstein (rundes Foto) steht für Mark – Babenhäuser Mark.

Babenhausen/Schaafheim - Überall in Feld und Flur stehen sie noch, große alte behauene Steine, teilweise mit Wappen verziert, manche schon stark verwittert, einige bereits schief sitzend oder im Gebüsch versteckt liegend: historische Grenzsteine. Von Norman Körtge 

Seit mehr als 25 Jahren kümmert sich Helmut Schroth in offiziellem Auftrag um die Kleindenkmäler. Und bekommt nun Unterstützung von Michael Sauerwein. Helmut Schroth kennt sein Revier. Schnellen Schrittes verlässt er den Waldweg zwischen Babenhausen und Schaafheim und schreitet querfeldein durch die Natur. „Wenn die Leute wüssten, was sich abseits der Wege so alles befindet“, sagt er fast geheimnisvoll. Aber der Babenhäuser ist nicht in geheimer Mission unterwegs. Der nächste Woche seinen 75. Geburtstag feiernde Schroth ist Obmann für die Erhaltung historischer Grenzsteine des Hessischen Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation.

Der Schaafheimer Michael Sauerwein (Mitte) ist jüngst zum Obmann für historische Grenzsteine ernannt worden und unterstützt den Babenhäuser Helmut Schroth (Zweiter von links) bei seiner Arbeit.

Nach etwa 200 Metern ist er zu sehen. Ein großer, abgerundeter Stein mit eingemeißeltem „M“. „Das steht für Mark Babenhausen“, sagt Schroth. Mit diesen Grenzsteinen wurden früher die Herrschaftsbereiche gekennzeichnet. Alle 80 bis 100 Meter, so schätzt Schroth, sind diese Steine jeweils gesetzt worden. Während Steine mit besagtem „M“ oder „BHM“ (Babenhäuser Mark), „DG“ (Domänengut) oder „BW“ (Babenhäuser Wald) klar zuzuordnen sind, stellt „BKW“ Schroth vor ein Rätsel. Diese drei Buchstaben zieren einen nur wenige Meter vom besichtigten „M“-Stein gesetzten Grenzstein. Darunter die Jahreszahl 1766. „Ich gehe davon aus, dass es sich um ein Privateigentum handelt“, meint Schroth. Die drei Buchstaben seien dann vermutlich Initialen des Eigentümers.

Grenzsteine dokumentieren die Vielfalt der alten Herrschaftsbereiche der Grafschaften, Fürstentümer und Länder. Sie kennzeichnen teilweise immer noch aktuelle Eigentumsgrenzen, sind aber auch wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Bedeutung Kulturdenkmäler im Sinne des Denkmalschutzgesetzes, heißt es in einer Mitteilung des Amtes für Bodenmanagement Heppenheim.

Ein Grenzstein im Wald zwischen Babenhausen und Schaafheim.

Und weiter: Die Grenzsteine stellen somit unverzichtbare Werte im Heimat- und Geschichtsverständnis der Menschen dar. Das ist es auch, was Michael Sauerwein bewogen hat, Helmuth Schroth in seiner Arbeit zu unterstützen. Der Schaafheimer ist vor wenigen Tagen ebenfalls zum Obmann ernannt worden. Der 33-Jährige ist wegen seiner Tätigkeit für das Wasserwerk Hergershausen sowieso oft in der Natur unterwegs und dank seines Vaters sehr an der Heimatgeschichte interessiert. Das in Schaafheim und darüber hinaus bestens bekannten Heimatforscher-Ehepaars Elsbeth und Werner Kreh bezeichnet er in dieser Hinsicht als seine Zieheltern.

Wie Sauerwein berichtet, habe er sich zunächst mit Ahnenforschung befasst und sich auch um den Ehrenhain in Schaafheim gekümmert. Auf dem Gedenkfriedhof für die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnert auch ein Stein an einen Großonkel. Zu Grenzsteinen kam er bei einem Treffen der Krehs mit Schroth. Der Babenhäuser hatte bei seinen Rundgängen einen Vermessungspunkt aus dem Jahr 1830 entdeckt.

Eine echte Seltenheit. Seitdem läuft er immer wieder auf historischen Karten eingezeichnete Grenzverläufe ab. 200 Grenzsteine habe er schon entdeckt und die Koordinaten mit seinem GPS-Gerät festgehalten. „Das ist die Zukunft“, meint dazu anerkennend Schroth. Seit seiner offiziellen Ernennung 1992 – inoffiziell bereits seit 1982 – dokumentiert er Grenzsteine handschriftlich auf Arbeitsblättern und mit eingeklebten Fotos.

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Quelle: op-online.de

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