Bei Gang durch Apothekergarten

Geologe entdeckt pyramidale Besonderheit: Schöne-Eiche-Ableger grünt in Moskau

+
Martin Fleckenstein vor der Pyramideneiche, Ableger der Schöne Eiche aus Babenhausen. 

Da staunte der Professor für Geologie nicht schlecht, als er auf einem Spaziergang durch den Apothekergarten, einem der botanischen Gärten Moskaus, unvermutet einen Abkömmling der sogenannten Schönen Eiche von Babenhausen entdeckte.

Babenhausen – Aufmerksam wurde der für ein deutsches Unternehmen mehrere Jahre in Moskau beruflich tätige Martin Fleckenstein durch ein Hinweisschild vor dem imposanten Baum. Darauf ist in russischer Sprache vermerkt: „Die pyramidale Form der Eiche stammt, wie man annimmt, von einem seltsamen Baum, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts in einem Wald in der Nähe von Babenhausen in Deutschland entdeckt wurde“.

„Ich bin in Hösbach bei Aschaffenburg geboren, und als ich auf dem Schild von Babenhausen las, war ich natürlich gleich neugierig, was es mit diesem stolzen Baum wohl auf sich hat“, sagt Fleckenstein, der heute als Honorarprofessor für angewandte Erdölgeologie im Fachbereich Geowissenschaften an der Universität Bremen arbeitet. Bei seiner Entdeckung war er auf Urlaub mit seiner Gattin Margit, der er einige seiner Arbeitsstätten zeigen wollte, an denen er wirkte. 35 Jahre lehrte Fleckenstein an Universitäten in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Russland.

„Auf dem Hinweisschild wird ferner ausgeführt, dass die Eiche von dem Göttinger Mediziner und Botaniker Georg Franz Hoffmann im Jahr 1805 in den Apothekergarten gepflanzt wurde“, erklärt der Pflanzenentdecker. Der Apothekergarten wurde 1706 auf Geheiss von Peter dem Großen für die Anzucht von Heilpflanzen gegründet. Nach der Übernahme des botanischen Schmuckstücks durch die Moskauer Universität im Jahr 1805 wurde Georg Franz Hoffmann zum Direktor ernannt und legte die Anlage neu an. Dazu brachte er eine Sammlung von Pflanzen aus Deutschland mit, darunter wohl auch einen Abkömmling der Babenhausener Pyramideneiche.

Die Pyramideneiche von Harreshausen bei Babenhausen, als „Schöne Eiche“ weithin bekannt, deren Alter auf über 500 Jahre geschätzt wird, dürfte damit zu den ältesten Bäumen Hessens gehören. Eine Mutation hat wohl zu dem säulenförmigen Wachstum geführt, das die Aufmerksamkeit zahlreicher Forstleute und Botaniker hervorrief.

Seit dem Jahr 1795 ist dokumentiert, dass regelmäßig Reiser zur vegetativen Vermehrung entnommen wurden. Der älteste bekannte Abkömmling der Eiche steht heute noch im Bergpark Wilhelmshöhe bei Kassel. Es wird vermutet, dass alle vorhandenen Pyramideneichen in Zentral- und Nordeuropa von der „Schönen Eiche“ in Babenhausen abstammen. Mit ihren über 200 Jahren dürfte die Moskauer Pyramideneiche fast das Alter des Kasseler Exemplares erreichen. Wenn sie schon nicht der älteste Abkömmling ist, so hat sie wohl doch den weitesten Weg zum Ursprungsort zurückgelegt.  

tm

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare