Joachim-Schumann-Schule in Babenhausen:

Schüler in Neubau gezogen 

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Locker, luftig, lichtdurchflutet: das Atrium am Haupteingang. 

Babenhausen - Die Farbe riecht frisch, hier und da sind noch Handwerker zugange, doch der Umzug ist geschultert. Seit dieser Woche werden die 1150 Babenhäuser Schüler in der neuen Joachim-Schumann-Schule (JSS) unterrichtet. Von Stefan Scharkopf

Nach den Herbstferien wurden extra Scouts ausgebildet, die ihre Mitschüler am Montag in die richtigen Unterrichtsräume lotsten.

Schulleiter Rainer Becker zeigt sich beim Rundgang begeistert von der gelungenen Mischung aus Funktionalität und architektonischem Anspruch. „Das ist für alle ein Motivationsschub“, meinte er, „für die Schüler und die 99 Lehrer.“ Becker kennt eine ganze Reihe von Lernstätten, vor allem im Kreis Offenbach, und weiß die Investition des Landkreises Darmstadt-Dieburg zu schätzen.

Der Kreis als Schulträger hatte ein Bauprogramm aufgelegt, das rund 300 Millionen Euro für Sanierungen und Neubauten in der Schullandschaft vorsieht. Die teuerste Baustelle steht dabei in Babenhausen. Rund 25,7 Millionen Euro betragen die Bruttokosten des Neubaus – inklusive Planung, Abbruch des Altbaus und Herstellung der Außenanlagen. 10,3 Millionen flossen aus dem Kommunalen Investitionsprogramm mit ein. Gegenüber einer Schätzung von 2010 beläuft sich die Kostensteigerung auf 4,5 Prozent (24,65 Millionen Euro) – unter anderem wegen der Kampfmittelsondierung im Boden, die letztlich nichts zu Tage förderte. Viel Geld, doch Berechnungen des Schulträgers hatten ergeben, dass eine Sanierung der alten, maroden Schule fast ebenso viel gekostet hätte wie der Neubau. Ohne Mensa beträgt die Bruttogrundfläche der neuen JSS 12 000 Quadratmeter, die alte 15 500. Die neue Heimstatt fällt also 22,5 Prozent kleiner aus.

Ausgeklügelte Lichtanlage

Beim Eintreten durch den Haupteingang fällt das großzügige, lichtdurchflutete Atrium auf, das auch als Pausenraum dient. Verwaltung, Schülervertretung, Schulseelsorge, Hausmeisterraum und die Bibliothek, der sich ein Lesegarten anschließt, sind rundum zu finden. Die Wände bestehen aus Sichtbeton, der abgeschliffen und mit mit einer Säure behandelt wurde. Dadurch entstand ein beiger Ton. Schöner Nebeneffekt: Die Wände gelten als leicht zu reinigen. Die einzelnen Schultrakte sind mit einem hellgrünen Fußbodenbelag versehen, einem Naturkautschuk.

Alle Klassenräume sehen gleich aus und sind mit Einzeltischen ausgestattet, so dass die Sitzordnung den Erfordernissen angepasst werden kann. Die Fachräume von Biologie, Chemie und Physik sind mit modernsten Geräten und mit einer ausgeklügelten Lichtanlage ausgestattet. Einen guten Eindruck machen auch die fugenfreien Toiletten. Urin setzt sich üblicherweise in den Fugen fest und sorgt für Gestank. Das soll nun vermieden werden.

Joachim-Schumann-Schüler beziehen Neubau

Wie Becker sagt, sind die Klassensäle mit ausklappbaren Smartboards versehen, die aber auch mit der Hand beschrieben werden können. Als Pilotprojekt gilt ein Versuch, zunächst zwei Räume mit Monitoren, Tastaturen und PC-Mäusen zu bestücken, aber ohne Computer. Das System läuft über einen leistungsstarken Server. Hier arbeitet die Schule mit der TU Darmstadt zusammen. Die Frage sei, so Becker, wie sich dies in den kommenden fünf bis acht Jahren entwickelt. Ziel ist hier, Energie einzusparen, gleichzeitig aber die Sicherheit zu erhöhen.

Was fehlt? 2014 soll die neue Heizungsanlage im ohnehin in Passivstandard errichteten Gebäude fertig sein. Dann soll komplett auf Biomasse umgestellt werden. Die jährlich Einsparung an Energiekosten wird auf 183 000 Euro taxiert.

Altes Gebäude wird vermutlich abgerissen

Wichtig aus Sicht der Leitung ist freilich, dass das pädagogische Konzept der offenen Schulform baulich umgesetzt wurde. Die Haupt- und Realschüler sowie die Gymnasiasten belegen jeweils einen Gebäudetrakt, teilen sich aber auch einiges. Jede Jahrgangsstufe hat einen eigenen Raumbereich und einen Teamraum. Letzterer ist Voraussetzung für eine Ganztagsschule.

Die JSS gilt seit 1987 offiziell als „Ganztagsschule mit besonderer pädagogischer Prägung“. Ihre Praxis entwickelte sich aus den ursprünglichen Zielsetzungen der integrierten Gesamtschule. Die JSS wurde 2004/05 in eine kooperative Gesamtschule umgewandelt. G8 und Turboabitur schlossen sich an. Die JSS hat mittlerweile zweimal einen Antrag hin zu einer Kooperativen Gesamtschule mit G8-Zweig und einem integrierten Schulzweig gestellt – beide Male wurde das Ansinnen abgelehnt. „Wir haben am 4. Februar unseren pädagogischen Tag“, sagt Becker, „vielleicht sind wir dann weiter. Innerhalb der Schule gibt es eine breite Mehrheit für eine IGS.“ Die baulichen Voraussetzungen dafür sind jedenfalls geschaffen.

Und was passiert mit dem alten Gebäude? Das wird vermutlich ab Mitte Februar abgerissen. Die Mensa bleibt zunächst bestehen. Ins zweite Obergeschoss zieht eine Praxisklasse ein, zu der auch Kinder aus der benachbarten Eduard-Flanagan-Schule gehören. 2014 entsteht dann auf einem Teil der freigewordenen Fläche eine neue Mensa, die nicht nur rein für schulische Zwecke herhalten soll. Auch Bürger und Vereine sollen sie nutzen können.

Wunsch des Schulträgers ist es außerdem, auf dem Gelände der JSS auch die Bachgauschule zu integrieren, angedacht ist das für 2016/17. „Campus Babenhausen“ lautete bei der Grundsteinlegung für die neue JSS 2010 das Schlagwort. Die Leitung des Oberstufengymnasiums sah das bislang aber skeptisch.

Quelle: op-online.de

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