Wo Firmen um Azubis werben

220 Schüler der Offenen Schule besuchen 22. Job-Info-Börse

Zweiradmeister Swen Heil vom Team des Zweiradshops Niederhofer informierte die Jugendlichen über den Beruf des Zweiradmechatronikers, Fachrichtung Fahrradtechnik. Fotos: Petra Grimm
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Zweiradmeister Swen Heil vom Team des Zweiradshops Niederhofer informierte die Jugendlichen über den Beruf des Zweiradmechatronikers, Fachrichtung Fahrradtechnik. Fotos: Petra Grimm

„Inzwischen ist es eher so, dass Firmen sich um Auszubildende bewerben“, sagte André Ziegler von der Dieburger Firma Solidtec und brachte damit auf den Punkt, was seit einigen Jahre bereits Tenor der meisten Standbetreiber bei der Job-Info-Börse in der Joachim-Schumann-Schule ist.

Babenhausen – Es gibt bei vielen Betrieben freie Ausbildungsplätze, für die händeringend geeignete Kandidaten gesucht werden. Aber entweder ist das Bewerberfeld zu klein, weil an bestimmten Berufen, vor allem aus dem handwerklichen Bereich, zu wenig Interesse besteht, oder die Schulabgänger bringen nicht die nötigen Qualifikationen mit – oder beides.

Ein Dilemma für viele Firmen, die deshalb – wie Solidtec – inzwischen häufiger an solchen Ausbildungsmessen teilnehmen. In Babenhausen ist der mittelständische Betrieb zum dritten Mal dabei. „Wir suchen jedes Jahr sechs bis zehn Auszubildende, beispielsweise als Zerspanungs-, Werkzeug- und Verfahrensmechaniker für Kunststofftechnik, das ist unser Kerngeschäft. Realschulabschluss sollte sein, aber wir geben auch Hauptschülern und Jugendlichen ohne Abschluss eine Chance. Wir schauen uns die Leute an, denn der persönliche Eindruck ist uns wichtiger als Zeugnisse“, sagte Ziegler, der mit seinem Kollegen Marius Hiemenz in einem Raum der Offenen Schule eine CNC-Fräsmaschine aufgebaut hatte und den Schülern, die in Kleingruppen bei den verschiedenen Firmen „reinschnupperten“, Rede und Antwort stand.

Zum 22. Mal in Folge hatte die städtische Kinder- und Jugendförderung, an der Spitze Michael Spiehl, in Kooperation mit der Offenen Schule die Job-Info-Börse auf die Beine gestellt. Rund 220 Schüler, darunter alle neunten Klassen, einige Zehntklässler, die noch nicht versorgt sind, und die Abschlussklassen der Edward-Flanagan-Schule, erhielten wieder die Chance, sich umfassend über verschiedene Berufe, weiterführende Schulen und Institutionen zu informieren und auch Kontakte zu knüpfen.

„Sie bekommen ein Tor in die Welt der Berufserfahrung aufgestoßen“, sagte Schulleiter Rainer Becker, der die Traditionsveranstaltung gemeinsam mit Bürgermeister Joachim Knoke am Freitagvormittag eröffnete. „Trotz einiger Widrigkeiten, darunter das Wetter und anderes, freue ich mich, so viele Teilnehmer zu begrüßen“, sagte Becker.

Ein Dankeschön mit Nudeln ging an das Organisationsteam von Stadt und Schule(von links): Michael Spiehl, Chef der städtischen Kinder- und Jugendförderung, Stufenleiter Robert Kirchner und Florian Assmann, Schulkoordinator für berufliche Orientierung.

Und es war klar, auf was er anspielte. Das Corona Virus oder die Angst davor haben die Verantwortlichen der Schule und Stadtverwaltung nicht davon abgehalten, die Jobbörse durchzuführen. Es habe keine zwingenden Anzeichen gegeben für eine Absage, sagte Becker und die große Mehrheit der insgesamt 42 Betriebe und Institutionen, die sich angemeldet hatten, sah das ebenso. „Wir hatten allerdings auch sieben Absagen, aber nicht nur wegen des Corona Virus, Absagen gibt es jedes Jahr“, sagte Spiehl, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern im Organisationsteam Florian Assman, Koordinator für berufliche Orientierung an der Offenen Schule, und Stufenleiter Robert Kirchner, von Becker ein kleines Dankeschön in Form einer Präsent-Tüte erhielt. Dass diese auch ein Päckchen Nudeln enthielt, war sicher Zufall.

Eine Schülergruppe des neunten Jahrgangs war ebenfalls in die Vorbereitung eingebunden. Der Gewerbeverein, an der Spitze Silke Kasamas, hatte wieder die Erstellung der Job-Info-Mappen mit wichtigen Informationen rund um das Thema Bewerbungen übernommen. Die Eltern hatten für ein Buffet gesorgt.

Was die zukünftigen Schulabgänger betrifft, so war bei Gesprächen mit ihnen auf den Schulfluren doch überwiegend Ratlosigkeit über ihre Berufswahl festzustellen. Auch das könnte ein Grund dafür sein, dass so viele Schüler nach ihrem Realschulabschluss eine weiterführende Schule besuchen wollen, anstatt direkt in eine Ausbildung zu starten. „Im vergangenen Jahr war es nicht mal ein Drittel der Schüler, die nach der zehnten Klasse eine Berufsausbildung angestrebt hat“, bestätigte Stufenleiter Kirchner den seit einigen Jahren anhaltenden Trend. „Es gibt leider ein großes Unwissen darüber, dass man auch innerhalb eines Betriebes weiterkommen oder auch ein duales Studium – also eine Berufsausbildung plus Studium – absolvieren kann. Auch um solches Wissen zu vermitteln und um Vorurteile gegenüber handwerklichen Berufen abzubauen, ist die Job-Info-Börse wichtig“.

VON PETRA GRIMM

Quelle: op-online.de

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