Ehrenamt klagt über Schwund

Schwund im Ehrenamt: Rotkreuzler brauchen Hilfe

Das Rote Kreuz am Vereinsheim an der Seligenstädter Straße verblasst. In direkter Nachbarschaft liegt der Feuerwehrstützpunkt (rechts). Die Brandschützer dort haben in den vergangenen Jahren erfolgreich Nachwuchs akquiriert.
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Das Rote Kreuz am Vereinsheim an der Seligenstädter Straße verblasst. In direkter Nachbarschaft liegt der Feuerwehrstützpunkt (rechts). Die Brandschützer dort haben in den vergangenen Jahren erfolgreich Nachwuchs akquiriert.

Gerade einmal eine Handvoll aktive Mitglieder zählt noch der Babenhäuser DRK-Ortsverein. Der Vorsitzende sucht Unterstützung.

Babenhausen – Etwa 190 Mitglieder zählt der DRK-Ortsverein Babenhausen. Eigentlich eine auskömmliche Zahl. Aber wenn es darum geht, zum Beispiel die vier jährlichen Blutspendetermine in der Stadthalle zu stemmen, kann Vorsitzender Helmut Fendt gerade einmal auf eine Handvoll Helfer bauen. „Unsere Mitglieder sind einfach sehr alt“, erzählt Fendt. Im Prinzip seien es nur vier Rotkreuzler, die den 1909 gegründeten Ortsverein noch am Leben halten. Fendt gehört mit seinen bald 64 Jahren noch zu den Jüngeren. Es fehlt an Unterstützern und an Nachwuchs.

In seiner Not hat Fendt nun noch einmal einen Aufruf gestartet. „Mitstreiter zur Neugründung einer aktiven Bereitschaft gesucht“ ist dieser überschrieben, der alle Babenhäuser, vor allem auch die vielen Neubürger, ansprechen soll. Er wirbt für das Ehrenamt in der Hilfsorganisation und für die möglichen Aus- und Weiterbildungen in der Ersten Hilfe oder im Sanitätsdienst. Etwas neidisch blickt er zu den Freiwilligen Feuerwehren, denen es in den vergangenen Jahren gelungen ist – auch mit der Gründung von Kinderfeuerwehren – den dort ebenfalls wichtigen Nachwuchs zu ziehen. „Die haben halt Fahrzeuge, da können die Kinder mit dem Schlauch spritzen“, kann er die Begeisterung bei den Nachwuchsbrandschützern verstehen.

Bei der 100-Jahr-Feier des Ortsvereins 2009 sei versucht worden, das 1973 gegründete Jugendrotkreuz wieder aufleben zu lassen, doch die Bemühungen trugen keine Früchte. Mit dem Weggang der seit 1998 aufgebauten Rettungshundestaffel vor gut zwei Jahren sei ein weiterer Aktivenstamm weggebrochen, berichtet Fendt. Etwas bang blickt er auf die noch nicht terminierte Jahreshauptversammlung des Ortsvereins, bei der auch Neuwahlen anstehen. „Es wäre für den Anfang ja schon gut, wenn sich zwei oder drei Neue finden, die mitarbeiten wollen“, hat Fendt seine Erwartungshaltung nach unten geschraubt. Neben den Blutspendeterminen bieten die Babenhäuser Rotkreuzler jeden zweiten Freitag eine kostenlose Blutdruckmessung im DRK-Heim an der Feuerwache an. Darüber hinaus organisiert der Ortsverein den traditionellen Nikolausmarkt am ersten Adventswochenende in der Altstadt.

Auch die DRK-Ortsvereine in den Stadtteilen haben Nachwuchssorgen.

Langstadt

„Es kommt keiner von alleine“, weiß Günther Schmidt aus Erfahrung zu berichten: „Vielleicht müssen wir auf die Walz gehen und gezielt Leute ansprechen“, meint der Vorsitzende des Langstädter DRK-Ortsvereins. Der 72-Jährige steht seit 47 Jahren dem Langstädter DRK vor und ihm ist daher der hohe Altersdurchschnitt bewusst. Dies sei auch immer wieder Thema auf Kreisverbandsebene. Sieben Aktive zählt er, von denen aber auch noch einige wesentlich jünger seien als er. Ein kleiner Lichtblick. Stolz ist er jedenfalls darauf, dass der DRK-Ortsverein die bei der Freiwilligen Feuerwehr Langstadt angesiedelte 14 Mitglieder starke Voraushelfer-Truppe mitaufgebaut und finanziell unterstützt hat.

Hergershausen

Auf zirka ein Dutzend aktive Mitstreiter kann der Hergershäuser DRK-Vorsitzende Jürgen Seibel bauen. Etwa 90 Mitglieder zählt der Ortsverein, der ebenfalls eine hohe Altersstruktur aufweise. „Wir haben uns auf die Blutspendetermine spezialisiert“, fasst er die Haupttätigkeit der Ehrenamtlichen zusammen. Die Vorbereitungen für diese lebensrettenden Aktionen seien jeweils mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden.

Harpertshausen

Das Rote Kreuz im kleinsten Babenhäuser Stadtteil Harpertshausen hat sich schon vor Jahren aus den klassischen Aufgabengebieten zurückgezogen. „Bei den Blutspendeterminen liefen Langstadt und Hergershausen den Harpertshäusern irgendwann den Rang ab“, berichtet Anja Kratz, Kassiererin im 90 Mitglieder starken Ortsverein. Für das gesellschaftliche Leben ist das DRK allerdings unverzichtbar. Das DRK-Heim ist eine Art Bürgerhaus, in der zahlreiche Veranstaltungen stattfinden. Zuletzt die Fastnachtsangebote im Stadtteil und seit Kurzem dient es auch als Ausweichquartier für den Waldkindergarten.

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Kontakt

Helmut Fendt, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Babenhausen, ist erreichbar unter z 06073 5460, 0170 5767816, oder E-Mail an info@drk-babenhausen.de. Infos im Internet gibt es unter drk-babenhausen.de.

VON NORMAN KÖRTGE

Quelle: op-online.de

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