Rettung aus der Nachbarschaft

Second-Hand-Laden „Anziehpunkt“ in Altstadt von Babenhausen ist gerettet

Stoßen auf den Neustart an: Norbert Krapp (von links), Pastor Burkhard Heupel, Elfi Kunz und Gerlinde Krapp. Foto: Körtge
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Stoßen auf den Neustart an: Norbert Krapp (von links), Pastor Burkhard Heupel, Elfi Kunz und Gerlinde Krapp. 

Der DRK-Kreisverband wollte nicht mehr, da sprang die Emmaus-Gemeinde ein: Der Anziehpunkt in der Altstadt von Babenhausen wird weitergeführt. 

Babenhausen – Manchmal ist die Rettung ganz nah. Im Fall des Anziehpunkts kam sie aus der direkten Nachbarschaft. Als die Altstadtbewohner Gerlinde und Norbert Krapp im vergangenen Herbst erfuhren, dass der Anziehpunkt zum Jahresende geschlossen werden soll, war für die engagierten Mitglieder der freikirchlichen Emmaus-Gemeinde sofort klar, dass gehandelt werden müsse. Und sie rannten in ihrer an der Bürgermeister-Willand-Straße beheimateten Gemeinde offene Türen ein. „Nicht nur reden und predigen, sondern auch immer wieder konkret in die Stadt hineinwirken“, fasst Pastor Burkard Heupel prägnant zusammen, was letztendlich bei ihm und den Gemeindemitgliedern auch zu einem einstimmigen Votum führte, den Secondhand-Laden vom Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes zu übernehmen – und damit auch einen unschönen Leerstand in der Bummelgass’ zu vermeiden.

„Kleider suchen Leute“ lautet der neue Slogan des Anziehpunkts in der Altstadt, der nun von der Emmaus-Gemeinde betrieben wird. 

Wie berichtet, hatte der DRK-Kreisverband im Oktober auf Nachfrage unserer Zeitung mitgeteilt, dass er den 2010 eröffneten Anziehpunkt 2020 nicht weiter betreiben werde. Der Grund: Der Laden, in dem jeder Bürger, auch ohne Bedürftigkeitsnachweis, preiswerte, gespendete Kleidung einkaufen kann, trägt sich zwar, aber er erwirtschaftet keinen Überschuss.

Das muss der Anziehpunkt nun auch in Zukunft nicht, wie Pastor Heupel gestern Morgen bei der Wiederöffnung unter neuer Regie bekräftigte. Lediglich die Auslagen für Miete, Nebenkosten und das vier Personen umfassende hauptamtliche Personal soll erwirtschaftet werden. Und wenn etwas übrig bleibt, dann soll es in soziale Projekte Vorort investiert werden, berichtet Heupel. Auch ein Spendenkonto ist eingerichtet worden.

Kleider im Anziehpunkt

Dass der Secondhand-Laden eine gefragte Adresse in der Altstadt ist – einige meinen gar, er gehöre zu den am meisten frequentierten – beweist, dass bereits um kurz nach 9 Uhr die ersten Kunden ins Geschäft kamen und für den ersten Umsatz sorgten. Heller sei es geworden, heißt es unisono, was damit zu tun habe, dass in neue Lampen investiert worden ist. „Wir wollen ja kein dunkles Loch“, so Heupel.

Zwar gebe es einige Ideen, aber am Anziehpunkt-Konzept ändert sich erst einmal nichts. Neben der hauptamtlichen Kraft wird zu den Öffnungszeiten auch immer eine Ehrenamtlerin vor Ort sein. Und es wird Wert darauf gelegt, dass der Laden nicht nur für Bedürftige offen steht. Vielmehr gehe es auch um das Thema Nachhaltigkeit – secondhand eben. Letztendlich lebt der Anziehpunkt von den Kleiderspenden – auch denen von jüngeren Leuten.

Von Norman Körtge

Quelle: op-online.de

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