Familientag des Forstamtes Dieburg

Seifenblasen-Wunder im Wald

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Der Wald mit Aha-Effekt: Für die jüngsten Besucher war es ein Spaß, Seifenblasen aus dem Holz entstehen zu lassen.

Babenhausen - Unter dem Motto „Wasser, Wunder, Wald“ hat am Wochenende das Forstamt Dieburg zum Familientag eingeladen. Im Babenhäuser Stadtwald waren auf einem Rundkurs von etwas mehr als einem Kilometer sechs Stationen mit Informationen und Experimenten aufgebaut. Von Michael Just

Fast wie eine Trophäe tragen der sechsjährige Finn und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Ben die kleinen Holzscheiben nach Hause. Neben den Jahresringen hat sie vor allem das Experiment begeistert, das Förster Lothar Seipp mit ihrer Hilfe zeigte. Auf der einen Seite der Scheibe trug der Mitarbeiter von Hessen Forst Spülmittel auf, von der anderen durften die Kinder dann die Lippen ansetzen und kräftig ins Holz blasen. Und siehe da, fast wie von Geisterhand bildeten sich Seifenblasen, die wie ein Schwamm an Größe zulegten, sich manchmal auch zum Flug lösten. „Mit Magie hat das aber nichts zu tun“, machte Seipp deutlich. Vielmehr sei das Holz für Luft, Wasser und damit die Nährstoffe durchlässig. Das geschehe im weichen „Kambium“, das zwischen Rinde und dem Splintholz im Außenbereich liegt.

Das Motto „Wasser, Wunder, Wald“ wird man dieser Tage in Hessen noch öfters hören: So sind alle Forstämter im Bundesland von der Zentrale in Kassel im Herbst aufgefordert, einen Informations- und Aktionstag zum Thema anzubieten. Dabei geht es darum, die Funktion des Waldbodens als Wasserfilter hervorzuheben. Gerne dürfen dabei auch noch andere ,,Geheimnisse“ des Waldes gelüftet werden. „Wir haben die Veranstaltung mit unserem jährlichen Familientag kombiniert. Der fand 2016 in Dieburg statt, nun entschieden wir uns für Babenhausen, genauer gesagt für das Gebiet um die Schaafheimer Senke“, erläutert Forstwirtin Tanja Wöber. An ihrem Stand hatte sie eine 30-Zentimeter große, aufgeschnittene Plastikflasche mit Kies, Waldboden und Moos gefüllt. Darauf kippte sie nun eine Schlammbrühe. Der natürliche Filter verfehlte seine Wirkung nicht: Unten tröpfelte relativ klares Wasser heraus. „Denn Waldboden muss man sich wie rund 100 übereinander gestapelter Flaschen vorstellen“, erklärte sie den Besuchern.

Der Wald als Wasserspeicher: Das Gruppenwasserwerk hatte auch eine Kostprobe des eigenen Produkts parat.

Den Wald als sauberen Wasserspeicher macht sich vor allem das Gruppenwasserwerk in Hergershausen zunutze, das die Region mit Leitungs- beziehungsweise Trinkwasser versorgt. Das Werk übernahm am Wochenende mit Laborleiter Ralf Picolin eine der sechs Stationen. „Hier in der Schaafheimer Senke besitzen wir sechs Brunnen. 21 sind es im gesamten Stadtwald, aus denen wir 6,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr fördern“, erzählte er. Der Stand von Picolin war direkt an einem Brunnen postiert, der von einer Art Bunker überzogen ist. Der kleine Raum war aufgeschlossen und gab den unspektakulären Blick auf ein dickes, verzweigtes Rohr mit Zähler wieder. „Der Brunnen ist 40 Meter tief. Die Pumpe hängt in 30 Meter und ist so stark, dass sie alleine das Wasser über die rund sechs Kilometer nach Hergershausen schickt“, weiß Picolin. Der Laborleiter hatte auch ein Schlückchen zum Probieren dabei und berichtete mit Stolz, dass das eigene Produkt zu den besten in Deutschland zählt. Aufgrund des hohen Mineralgehalts sei es mit den hoch gelobten stillen Wässern aus Frankreich vergleichbar. Für den vollen Trinkgenuss von Leitungswasser riet er, nicht gleich nach dem Öffnen des Hahns das Glas darunterzuhalten. So umgehe man den Teil, der in der Leitung stand. Dazu sei das nachfließende Wasser kühler.

Rund ein halbes Dutzend Mitarbeiter von Hessen Forst betreuten die verschiedenen Stationen. Sie erhielten von den Besuchern ein großes Kompliment. „Alles ist sehr kindgerecht und anschaulich erklärt“, lobte Katrin Sachs, die Mutter von Finn und Ben. ,,Es war sehr lehrreich. Und das an allen Ständen“, konstatierte Otto Hahn mit seinen beiden Enkeln. Insgesamt hätte die Resonanz etwas größer ausfallen dürfen: Nach dem Start um 14 Uhr war am meisten los, danach kamen bis 17 Uhr nur noch vereinzelt Besucher.

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Neben Martin Starke, der an einem Teich das Leben der Amphibien erklärte, ließ sich bei Thomas Zinth ein Waldbüchlein anfertigen. Für das wurden die Blätter von Rotbuche, Birke, Eiche und Ahorn mit Wachsmalkreide auf Papier durchgepaust und die feinen Äderchen optimal zum Vorschein gebracht. Nebenbei ließ sich lernen, welche Blätter zu welcher Baum-art gehören. Dass dabei auch die Großen hinhörten, kam nicht von ungefähr. „Viele Erwachsene wissen nicht oder nicht mehr, wie die Blätter und Früchte unserer heimischen Bäume aussehen. Bei den Kindern haben wir dann Glück, wenn sie das gerade in der Schule gehabt haben“, sagte Zinth. So birgt der Familientag für ihn der Vorteil, dass alle Generationen etwas an Wissen mitnehmen können.

Quelle: op-online.de

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