„Die Wartelisten sind voll“

Beratung im Sozialausschuss: Babenhausen ringt um Betreuungsplätze

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Interimskita II: Im Westen des US-Boardinghouses will die Stadt kurzfristig drei weitere Kindergartengruppen eröffnen; links das Boardinghouse, rechts die Turnhalle.

Ein trüber Februarmorgen. Vereinzelte Regentropfen, nasskalt. Vom DRK-Heim in Harpertshausen führt der Weg an drei neugierigen Ponys vorbei.

Babenhausen – Nach weniger Minuten zu Fuß ist das Ziel erreicht – und gar nicht trüb: „Die bunte Vielfalt“ lautet der Name der Waldkita, die hier im November 2019 eröffnet wurde. Und das Mosaik der Kinderbetreuung in Babenhausen um ein besonderes Steinchen ergänzt: Natur- und Umweltpädagogik.

Im Waldreich der 13 Kinder ist der Bauwagen Nebensache. Bei jedem Wetter erkunden sie ihr Reich, nur Sturmtief Sabine hat sie in den Unterschlupf im DRK-Heim gezwungen, wo auch regulär das Mittagessen eingenommen wird. Noch immer werden monatlich neue Kleine in die Gruppe integriert, im Frühsommer ist die Einrichtung voll.

Unweit der ersten Waldkita Babenhausens wäre ein zweites Areal im Nu für eine weitere Betreuungseinrichtung dieser Art hergerichtet. Die umgestürzten Bäume müssten weg, erklärt Asha Scherbach, Geschäftsführerin der „SenseAbilityAcademy“ und Betreiberin der Waldkita, „aber das schafft das Forstamt in einem Tag“. Eine zweite Kita mit ebenfalls 20 Plätzen bekäme man ebenfalls schnell voll, so die erfahrene Waldpädagogin, die bereits vier Kinder auf der Warteliste hat. Wenig Aufwand, eine geringe Anschubssumme (der Bauwagen kostet 6 000 Euro), das klingt vielversprechend. Denn Eile tut Not. 116 Betreuungsplätze, so die jüngsten Zahlen aus der Verwaltung, werden zum Juni diesen Jahres fehlen. 69 im Ü3-Bereich und 47 Plätze bei den unter Dreijährigen (U3).

Regina Lange, Fachbereichsleiterin Soziales und Familien, berichtete im jüngsten Sozialausschuss vom grundsätzlichen Dilemma: „Seit 2013 zwingt man die Kommunen per Gesetz, mit den Betreuungsplätzen nachzukommen. Kinder haben dem vollendeten ersten Lebensjahr haben einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Die Kommunen kommen kaum hinterher, viel fahren daher sogar die Qualität herunter.“ Babenhausen verzeichnet steigende Kinderzahlen – und etliche Neubaugebiete, die den Bedarf für die Zukunft noch weiter steigen lassen. Nicht in allen Bestandskitas läuft es rund. Die ASB-Einrichtung in Sickenhofen habe eine „schwierige Personalsituation“, so Regina Lange, „dauerhaften Personalmangel“. In der Kita Wichtelwald müsste saniert werden, der Mietvertrag der Kindertagesstätte Harpertshausen läuft zum Jahresende aus und muss neu verhandelt werden, die Kita in Hergershausen ist veraltet. Dass man hier einen Neubau plant und auch im Stadtquartier Kaisergärten im ehemaligen Grundschulgebäude eine bis zu zwölfgruppige Einrichtung geplant ist, löst kurzfristig kein Versorgungsproblem.

Wohl aber zwei Optionen an anderer Stelle. Asha Scherbach ist bereit, einen weiteren Waldkindergarten mit 20 Betreuungsplätzen für die Stadt zu betreiben, bei Harpertshausen oder in einem anderen Stadtteil. Das ehemalige Boardingshouse der Amerikaner am Rand des Kasernengelände dient bereits im Südflügel als Betreuungseinrichtung. Im Herbst wurde dieser Bereich von den Kaserneninvestoren für die Kinderbetreuung ertüchtigt. Eine GgmbH gründete sich, um den Betrieb einer dreigruppigen Einrichtung zu schultern. Dieses Erfolgsprojekt, die Interimskita Kaisergärten, will man nun auch im Westflügel des Objekts verwirklichen. Die Kaserneninvestoren signalisierten bereits, den Umbau zu finanzieren und durchzuführen, der im südlichen Bereich rund 300 000 Euro kostete. Auch hier wäre die GgmbH Betreiber, diesmal für zwei U3-Gruppen mit je zwölf und einer Ü3-Gruppe für bis zu 25 Kinder.

Nach kurzer Sorge (Manfred Willand, FDP: „Wir finanzieren wir das?“) ging der Sozialausschuss den Vorschlag des Magistrats geschlossen mit. Regina Lange verwies auf die Verpflichtung der Stadt, dem Bedarf an Betreuungsplätzen nachzukommen: „Die Wartelisten sind voll.“

Nach ersten Kostenschätzungen müssten für die Waldkita 6 000 Euro Investitionskosten (Bauwagen) und 32 000 Euro Betriebskosten für 2019 bei Start am 1. September fließen. In der Interimskita II müsste eine Erst-inventarisierung mit 75 000 Euro und 87 000 Euro Betriebskosten für 2019 sowie 32 000 Euro Mietkosten gezahlt werden. Mit 260 000 Euro jährlich ist der Betrieb der Einrichtung veranschlagt, die Waldkita mit rund 105 000 Euro.

Von den Sorgen der „Großen“ wissen die 13 Waldkinder bei Harpertshausen nichts. Sie bekommen derzeit monatlich, ein zwei weitere Spielkameraden, denn die Einrichtung ist voll gebucht und wird bis zum Sommer auch voll belegt sein. Am Freitag, 28. Februar, 15 Uhr wird hier gefeiert, dann wird die „Die bunte Vielfalt“ offiziell eröffnet.

zah

Quelle: op-online.de

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