Täter-Trio gesteht Sparkassenüberfall unter Einfluss von illegalen Drogen

Ziel: Bares für Kokain und Partys

Babenhausen - Schulden, Drogen und falsche Loyalität – das sind für drei Männer wohl genügend Gründe gewesen, die Sparkasse in Babenhausen zu überfallen. Seit gestern läuft der Prozess vor dem Landgericht Darmstadt. Von Yvonne Fitzenberger 

„Das war dumm und naiv“, sagt der Hauptangeklagte über seine Tat. Die Erkenntnis kam zu spät: Ende Oktober beschlossen der 34-Jährige und seine Freunde, der 34-jährige Babenhäuser und der 29-jährige Offenbacher, eine Bank zu überfallen. Auslöser für den Mühltaler seien seine hohen Schulden. „Ich schäme mich zu sehr dafür“, sagt er. Angefangen habe es drei Tage vor der eigentlichen Tat. Der Babenhäuser Komplize stand bereits zu dem Zeitpunkt vor Gericht wegen Kreditbetrugs. „Ich hatte Angst vor den Konsequenzen“, gesteht der 34-Jährige. Er hatte versucht, sein Leben durch Unterstützung seiner Familie in geregelte Bahnen zu lenken, scheiterte aber. Auch sein erfolgreicher Bruder blieb davon nicht unberührt, denn er bediente sich an dessen Einnahmen aus einer Bar. Dabei ging das Geld für Kokain, Alkohol und seine Spielsucht drauf, was zum Familienstreit führte.

Auf mehr als 15.000 Euro schätzt er die Schulden des Haupttäters. „Es fielen immer wieder Zahlen“, erinnert sich der Babenhäuser an den nächsten Abend, aber er habe nie eine konkrete Summe genannt. Stattdessen redeten sie in einer Bar unter Kokain- und Alkohol-Einfluss über Lösungsmöglichkeiten. „Eine Bank zu überfallen ist dabei hängen geblieben“, sagt der Hauptangeklagte.

Auch für den 34-jährigen Babenhäuser schien die Idee vielversprechend. Im Glauben, dass in Banken viele Tausend Euro gelagert werden, hoffte er auf einen entsprechend hohen Anteil an der Beute. Erst sollten die Schulden des Hauptangeklagten beglichen, der Rest unter ihnen aufgeteilt werden. Von seiner Beute wollte der Mittäter seinen Drogenkonsum bezahlen: „Ich hätte mir einen Koks-Vorrat angelegt und den Rest für Partys ausgegeben.“

Was ihnen fehlte, war noch ein Fahrer und eine Waffe. Die Schreckschusspistole besorgte der Babenhäuser bei einem Bekannten. Auch um den Fahrer kümmerte er sich. Dabei kam der dritte Täter ins Spiel, der den Babenhäuser „wie einen Bruder“ sieht. Der 29-Jährige hielt den Plan der beiden zunächst für einen Witz. „Ich habe gedacht, die ziehen das nicht durch“, behauptet der Offenbacher. Er habe nicht als „Schlappschwanz“ dastehen wollen und machte mit. „Er hat mir immer wieder versichert, dass keine Waffe im Spiel sei“, verteidigt er sich.

Tatsächlich ging der Haupttäter mit der Schreckschusspistole in die Sparkasse. Keiner der Zeugen konnte erkennen, dass es sich um keine echte Schusswaffe handelte. „Ich habe vor Schreck meine Tasche mit dem Geld fallen gelassen“, erzählt Reinhardt K. Der 64-Jährige hatte seine Geschäftseinnahmen zur Bank gebracht, wollte gerade gehen, als der Maskierte in die Bank stürmte und ihn aus dem Weg stieß.

Der Bankangestellte Ralf M. übergab unter vorgehaltener Waffe etwa 18.600 Euro, die in der Bank vorrätig waren. „Der Räuber hat die Scheine hektisch in seine Tasche gesteckt“, erinnert sich M. Dabei verlor der Angeklagte einige Scheine und fuchtelte mit der Waffe herum, bevor er aus der Bank rannte. Ms Kollege Heribert S. verfolgte den Fliehenden noch ein paar Meter, aber ohne Ergebnis. Erfolgreicher war da Renate H. Die 62-jährige Hilfspolizeibeamtin sah den Hauptangeklagten zufällig aus der Bank flüchten und verfolgte ihn. Dabei sah sie, wie er in das Auto des Offenbachers stieg. Bis zur B26 Richtung Rodgau blieb sie den Tätern auf den Fersen und rief die Polizei.

Das Trio fuhr zur Wohnung des Offenbachers: „Ich wusste nicht wohin, also bin ich automatisch nach Hause“, sagte er. Einen Fluchtplan hatten sie nie besprochen.

Kurze Zeit später hörten sie einen Hubschrauber. In Panik teilte der Babenhäuser das Geld auf, packte die Waffe ein und alle verließen den Keller des Hauses. Beim Herausfahren vom Parkplatz nahmen Polizisten die Täter schließlich fest.

Alle drei gestanden die Tat und zeigten späte Reue. Sie entschuldigten sich bei den Zeugen, soweit sie es zuließen. Anschließend machten die Polizisten ihre Aussage, damit am Mittwoch, 21. Juni, das Urteil gefällt werden kann.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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