Villa statt Knusperhäuschen

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Nicht mit einem Haus aus Lebkuchen, sondern mit Spielen wurden Hänsel (Paulina Behrendt) und Gretel (Celine Travaci) von der Hexe angelockt.

Babenhausen - Die böse Stiefmutter, die die beiden Kinder loswerden möchte, eine fiese Hexe, die Hänsel in ihrem Ofen braten will, und das Geschwisterpaar, das zusammenhält und am Ende allen Widrigkeiten zum Trotz ein „Happy End“ erlebt. So weit, so bekannt. Von Petra Grimm

Aber was die acht Kinder zwischen acht und zwölf Jahren unter der Leitung der Schauspielerin Franziska Bareins aus dem Märchenklassiker der Brüder Grimm gemacht haben, war doch erstaunlich. Für ihre moderne, auch humorvolle Version der Hänsel und Gretel Geschichte gab´s viel Applaus von den Eltern und Großeltern, die das Jugendcafé in der Stadthalle am Sonntagnachmittag füllten.

Die Zuschauer im Jugendcafé fühlten sich bestens unterhalten von dem modernen Theaterstück.

Im Rahmen der Theater AG der städtischen Kinder- und Jugendförderung hatten die Kinder das Stück seit Mitte Februar erarbeitet und einstudiert. Gerade mal zwölf Treffen hat es gegeben. „Die Vorbereitungszeit war sehr kurz, zumal wir bei den ersten drei Treffen das Stück gemeinsam entwickelt und ein Drehbuch geschrieben haben. Dabei sind auch Originaltexte der Kinder eingeflossen. Erst danach haben die eigentlichen Proben begonnen. Die Idee, dass es ein Märchen werden soll, kam von den jungen Schauspielern selbst“, erzählte Franziska Bareins, die bei diesem Projekt von der Bühnenmalerin Kristin Bauer unterstützt wurde. „Wir haben zu Beginn überlegt, welche Themen die Kinder heute beschäftigen. Da wurden Mobbing, Schulstress oder Ausgrenzung genannt“, sagte die Profi-Schauspielerin. Diese Motive seien nach Meinung der Kinder im Märchen von Hänsel und Gretel zu finden. „Also haben wir diese Geschichte auf die heutige Zeit übertragen und auch Kulissen und Kostüme selbst hergestellt“, sagte Bareins.

Knusperhäuschen weicht einer Kindervilla

Da tummelten sich dann auf der Bühne neben den bekannten Protagonisten Hänsel und Gretel (gespielt von Paulina Behrendt und Celine Travaci) und der Stiefmutter (Maria Kharena) außerdem ein Feuer speiender Drache (Nika Schanz), eine Meerjungfrau (Elisa Bauer) und ein sprechender Baum (Alina Keimig), die den beiden einsamen Kindern halfen. Als Erzähler Erich Eichhorn (Noa Burkholder) führte der einzige Junge im Ensemble durch die Geschichte, zu der ja auch der Vater (ebenfalls gespielt von Alina Keimig) der Geschwister gehört. In der Version der Kinder hat er als stressgeplagter, überarbeiteter Mann kein Ohr für ihre Probleme. Das Knusperhäuschen, das die Hexe (Merle Munzel) im Original bewohnt, ist einer Kindervilla gewichen, in die die Kleinen zum Spielen eingeladen werden.

Die Zuschauer wurden von dieser kreativen Märchenversion hervorragend unterhalten. Und den engagierten Darstellern war der Spaß an der Sache anzusehen. Gegen das Lampenfieber wisperten sie sich neben der Bühne gegenseitig „Toi, toi, toi“ zu – so wie es die großen Schauspieler auch machen.

Quelle: op-online.de

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