Youtube, Facebook und Co.

Virtuelle Wegweiser für Kinder

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Die Internetnutzung beginnt immer früher. Auch an Grundschulen sind Youtube, Facebook und Co. Begriffe. Jörg Kabierske klärt Zehnjährige über die Risiken auf, die im Netz lauern. Jörg Kabierske (rechts) im Dialog mit Babenhäuser Grundschülern. Der Medienexperte spricht über Sicherheit im Internet.

Babenhausen - Die Internetnutzung beginnt immer früher. Auch an Grundschulen sind Youtube, Facebook und Co. Begriffe. Jörg Kabierske klärt Zehnjährige über die Risiken auf, die im Netz lauern. Von Corinna Hiss

Eine Gruppe fies aussehender Typen mit Springerstiefeln steht vor der Haustür. „Wo ist Klaus?“, fragen sie barsch. Frau Vogel, die Mutter des kleinen Klaus, stört sich weder an den grimmigen Mienen noch am hechelnden Pit-Bull-Terrier, der zwar angeleint ist, aber äußerst kampfwillig aussieht. „Klaus ist oben in seinem Zimmer“, gibt sie bereitwillig Auskunft. Szenen wie diese sind momentan in einem Werbespot von Klicksafe zu sehen, der über Sicherheit im Internet aufklären soll. „So reagiert natürlich im wahren Leben keine Mutter. Eine Mutter schützt ihr Kind“, sagt Jörg Kabierske, der den Spot rund 100 Grundschülern in der Aula der Schule am Kirchgarten vorstellt.

Sicher im Internet surfen, ohne an die falschen Personen zu geraten oder zu viel von sich preiszugeben – das ist eine Kompetenz, die heutzutage schon für Grundschüler relevant ist. Daher organisierte und finanzierte der Präventionsrat Babenhausen den rund 90-minütigen Vortrag des Medienexperten. Eingeladen waren nicht nur die Kinder der Schule im Kirchgarten, sondern auch der Markwald- und der Bachwiesenschule. Gleich zu Beginn der etwas anderen Schulstunde zeigt sich, dass in der Aula wahre Internetexperten sitzen. Rund ein Drittel der zehnjährigen Schüler besitzt bereits ein Smartphone, die Hälfte hat einen eigenen Laptop und nahezu jeder kann im eigenen Zimmer fernsehen oder sich auf einer Spielekonsole austoben. Zwei Jungs besitzen sogar einen eigenen YouTube-Account, der eigentlich erst für Personen ab 18 Jahren erlaubt ist.

Auch bei den Geschichten, die die Schüler bereits im Umgang mit dem Netz erlebt haben, stehen sie Erwachsenen in nichts nach. Drohende Kettenbriefe per WhatsApp, Nacktfotos in Facebook, Freundschaftsanfragen von Fremden oder brutale Videos auf YouTube sind auch für die Babenhäuser Kinder nichts Neues. Das Thema Internet interessiert sie brennend und mit großen Augen und geöffneten Mündern hören sie gebannt zu, was ihnen Jörg Kabierske über Privatsphäre, Jugendschutz und Persönlichkeitsrechte erzählt.

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„Immer früher fangen Kinder mit der Bildschirmnutzung an“, erläutert der 46-jährige Experte auf Nachfrage. „Deshalb ist es wichtig, bereits an die Grundschulen zu gehen.“ Mit seiner Initiative „Klicksalat“ tourt er durch gut 100 Schulen. Sein Training gilt aber nicht nur für die Schüler, auch Lehrer und Eltern sind dabei gefragt und müssen miteinander kooperieren. „Heutzutage wird oft die primäre Erziehungsarbeit der Eltern an die Lehrer weitergegeben. Aber wir alle tragen Verantwortung“, mahnt Kabierske. Mit seinem Medientraining möchte er bereits die jüngsten Internetnutzer sensibilisieren für das, was sie online stellen. „Ein Foto, das ich per WhatsApp oder Facebook versende, ist wie ein Vögelchen: Es lässt sich nicht mehr einfangen“, macht er den Schülern deutlich. Sein Appell: „Versendet keine Kontaktdaten oder unvorteilhafte Bilder, ihr wisst nicht, wer sie in die Hände bekommt.“

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Quelle: op-online.de

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