Paintball ist Mannschaftssport extrem

Völkerball mit blauen Flecken

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Die Kästen, Bretter und Luftkissen sind voller Farbe. Die Kugeln aus den Markierern bestehen aus bunt gefärbter Maisstärke. Bei Wettkämpfen werden ausschließlich gelbe Kugeln benutzt.

Babenhausen - In „The Big Bang Theory“ ist das die einzige Sportart, der die Wissenschaftler um Sheldon Cooper nachgehen: Paintball. Der Trendsport aus den USA ist auch schon in Deutschland angekommen. Eine der beliebtesten Hallen steht Mitten in Babenhausen. Von Yvonne Fitzenberger 

„Gibt es blaue Flecken?“ Eine junge Dame, blond, mit zierlichem Körperbau steht vor Kevin „Pio“ Piotrowicz. „Mit Sicherheit“, antwortet er ihr. Die junge Frau schluckt und schaut sich verunsichert zu ihren Kollegen um. Die Frankfurter Geschäftsleute sind extra nach Babenhausen gekommen, um den Ausstand eines Kollegen zu feiern. Mit einem Hagel aus Farbkugeln.

Das Paintball Paradise in Babenhausen zählt zu den beliebtesten Hallen in der Region. Auf drei Feldern und mehr als 3000 Quadratmetern Fläche können sich Gruppen austoben. Dabei zieht der „einzige Mannschafts-Extremsport“, wie Piotrowicz Paintball bezeichnet, gemischte Besuchergruppen an. „Es kommen alle Alters- und Berufsgruppen“, berichtet er. Dabei erinnert er sich vor allem an eine Gruppe japanischer Geschäftsmänner, die in teuren Anzügen spielen wollten. Oder an einen Stammkunden: ein 60-jähriger Doktor.

Die heutige Gruppe ist passender angezogen: langärmlige Shirts und Pullover sowie alte Hosen und Sportschuhe. Pio verteilt die Ausrüstung: Masken, Halsschoner und Brustpanzer für die Frauen sowie die Markierer und Farbkugeln. „Auch wenn manche wie echte Waffen aussehen, nennen wir die nicht so“, erklärt der Instruktor. „Das hier ist kein Kriegsspiel.“ Es sei eher wie Völkerball, nur dass die Kugeln mit 250 Kilometer pro Stunde aus dem Markierer geschossen werden. Vor allem die Szenario-Varianten werden streng überwacht. „Benimmt sich da einer daneben, muss er gehen.“

Pio spielt selbst seit zwölf Jahren Paintball. Und das sogar auf Turnierniveau. Die Paradise Crew verpasste in der vergangenen Saison nur knapp den Aufstieg in die Regionalliga. Auch in internationalen Ligen ist Deutschland vertreten. „Die deutsche Frauenmannschaft spielt sehr gut“, berichtet er. Die Nase vorne haben aber die Amerikaner. Kein Wunder, stammt der Sport doch aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Helmpflicht für alle

Die Gruppe aus Frankfurt geht auf das erste Spielfeld. Es ist mit einem Netz umgeben. „Ab hier müssen alle Helme tragen“, weist der Profi-Spieler auf die Pflicht hin und hebt das Netz hoch. „Auch wenn ihr Farbe auf die Brille bekommt“, Helm absetzen ist erst außerhalb des Spielfeldes erlaubt. Der Extremsport entwickelte sich in den 1980er Jahren im Süden der USA: Ursprünglich wurden mit den Kugeln aus Maisstärke Kühe markiert. Aus einem Scherz heraus markierte einer der Kuhbesitzer einen Kollegen mit den Farbkugeln.

Inzwischen ist Paintball auf den dritten Platz der beliebtesten Sportarten Amerikas. Und steht damit vor Basketball. Auch in Deutschland steigt seit 1995 die Beliebtheit langsam. Inzwischen gibt es weit über 400.000 Hobby-Spieler und die Zahl steigt. „85 Prozent der Leute, die hierher kommen, sind Neulinge“, bilanziert Pio. So auch die Frankfurter Gruppe.

Der Boden ist rutschig durch die Farbe, die in das weiche Material eingesogen ist. Überall liegen und kleben Reste der Farbkugeln. Egal, wo man hinfasst, sofort bleibt gelbe Farbe hängen.

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Die Spieler gehen in Stellung. Die eine Hälfte auf der einen, die andere auf der anderen Seite. Sie warten angespannt auf das Signal. Jeder umklammert mit beide Hände den Markierer. Die Augen sind starr auf den Gegenspieler gerichtet. Ein lauter Piepston und alle stürmen los. Sie suchen Deckung hinter den Luftkissen und Brettern. Ein vorsichtiges Hervorlugen und schon schießt eine gelbe Kugel wie ein Blitz vorbei. Knapp verfehlt. Zeit für den Gegenangriff!

Zeit zum Zielen ist nicht viel. Ein Schuss nach dem anderen und die ersten Spieler müssen das Feld verlassen. Große, gelbe Flecken leuchten auf Hosen und Pullovern. Trotz der Niederlage lächeln auch die Verlierer. „Das macht richtig Spaß“, sagt die verunsicherte Frau von vorher. Sie grinst breit. Der Treffer an ihrem Arm? Der tut ihr nicht weh. Zumindest jetzt noch nicht. Am nächsten Tag sieht das anders aus.

Quelle: op-online.de

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