Von Babenhausen bis Weiterstadt

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Kunststoffstraße im Landkreis soll auf Bedeutung dieses Produktionszweigs hinweisen. Auch Babenhausen ist dabei.

Babenhausen/Darmstadt-Dieburg (wg) - Mit einer Kunststoffstraße will der Kreis Darmstadt-Dieburg die kulturgeschichtliche Entwicklung und Bedeutung der Kunststoff verarbeitung im Kreisgebiet vom 19. bis zum 21. Jahrhundert aufzeigen.

Die Idee zu einer derartigen Route, die Neuland in Deutschland darstellt, stammt von Landrat Klaus-Peter Schellhaas und dem Ober-Ramstädter Museumsfachmann Otto Weber. Während des 150-jährigen Firmenjubiläums der Firma G. F. Heim Söhne in Ober-Ramstadt, auch ein Kunststoff verarbeitender Betrieb, wurde die Idee erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Einbeziehung von Produktionsstätten und Museen

„Innerhalb der geplanten Kunststoffstraße werden alle zur Anwendung kommenden Rohstoffe vorgestellt. Am Anfang stehen Bein, Horn und Schildpatt, später die Kunststoffe Bakelit, Galalith, Celluloid sowie die Polymer-Kunststoffe“, umschreibt der Industrie-Historiker Dr. Peter Schirmbeck – er hat 30 Jahre das Industriemuseum in Rüsselsheim geleitet – die Rohstoffe. Schirmbeck war mit der Ausarbeitung einer Konzeption beauftragt worden und hat diese mit seiner Frau, Dr. Roswitha Mattausch-Schirmbeck, ausgearbeitet. Daneben, sagt Schirmbeck, werde ein großes Augenmerk auf die Arbeitstechniken und Produktionsverfahren gelegt. Dabei reiche der Spannungsbogen von einfachen hölzernen Arbeitsgeräten bis hin zu modernen Spritzgussmaschinen. Ein dritter Bereich innerhalb der Präsentation werden die Vielfalt der Produkte sein: Kämme, Schreibgeräte und Puppen sowie Haushaltsartikel und Produkte im Bereich der Kunstfaserverarbeitung.

Schirmbeck schwebt in seinem Konzept die Einbeziehung von Produktionsstätten und Museen im Kreisgebiet vor, um so Einblicke in die aktuelle Produktions- und Arbeitswelt zu ermöglichen. Daneben regt er ein Kunststoffzentrum mit pädagogischen und Freizeit-Angeboten zur Nutzung von Schulen und für die Erwachsenenbildung an sowie eine Infothek mit einem Shop. Den Verlauf der ausgeschilderten Kunststoffstraße könnten zudem Kunstwerke aus Kunststoff zieren.

„Faszinierende Gesamtübersicht der Kunststoffproduktion“

Zu den Stätten, die in einen Kunststoffstraße einbezogen werden müssen, gehören im Ostkreis neben Groß-Umstadt, Groß-Bieberau und Schloss Lichtenberg auch Münster und Babenhausen. Dabei regt Schirmbeck an: „Da Babenhausen sowohl am Anfang wie auch als Endpunkt der Kunststoffstraße betrachtet werden kann, wäre zu prüfen, ob im Bereich des dem Babenhäuser Schlosses liegenden großräumigen Parkplatzes eine Gesamtübersicht zur Kunststoffstraße realisiert werden könnte.“ Der Historiker geht aber auch auf die einst in Babenhausen produzierten Cellba-Puppen ein und weist darauf hin, dass das neue Territorialmuseum an der Amtsgasse im Rahmen der Dauerausstellung die Celluloidpuppenproduktion zeigen wird. Auch die Kunststoffverarbeitung der VDO werde dort integriert. In Münster selbst zeigt das Museum an der Gersprenz Arbeitsabläufe und Produkte der 1995 geschlossenen Firma Elima, die auf Schalttafeln und Messgeräte spezialisiert war.

In Groß-Umstadt ist die Firma Resopal zu erwähnen und in Groß-Bieberau die auf Schreibgeräte spezialisierte Firma Senator. Das Museum Schloss Lichtenberg zeigt eine „gut strukturierte Sammlung“ von Schreibgeräten. „In Ober-Ramstadt wird im Museum auf engsten Raum eine faszinierende Gesamtübersicht der Kunststoffproduktion gegeben“, sagt Historiker Schirmbeck. Das städtische Museum in Pfung-stadt, die ehemalige Ultramarin-Fabrik von Wilhelm Büchner in Pfungstadt, das Museum Seeheim-Jugenheim sowie die Weiterstädter Firma „Odin-Acryl-Design“ sind im Westkreis weitere Stationen der geplanten Kunststoffstraße.

Quelle: op-online.de

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