Familien sollen heimisch werden

81 Häuser und eine Kita: Neues Wohngebiet mit innovativem Konzept

Auf dem dem ehemaligen Iroplast-Gelände an der Frankfurter Straße soll ein neues Wohngebiet entstehen.
+
Auf dem dem ehemaligen Iroplast-Gelände an der Frankfurter Straße in Babenhausen soll ein neues Wohngebiet entstehen.

Ein neues Wohngebiet in Babenhausen soll bald Heimat für junge Familien werden. Die Pläne sind ambitioniert.

Babenhausen - Dort, wo derzeit noch das Billard-Café „Elephant“ und eine Paintball-Area ihre Heimat haben sowie ein paar heruntergekommene Gewerbehallen stehen, sollen in wenigen Jahren junge Familien ein neues Zuhause finden und eine Kindertagesstätte entstehen. Die Rede ist vom ehemaligen Iroplast-Gelände an der Frankfurter Straße in Babenhausen.

Neues Wohngebiet in Babenhausen mit Blockheizkraftwerk und eigener App

81 Reihenhäuser und Doppelhaushälften möchte dort das zur Dornieden-Gruppe gehörende Unternehmen Vista errichten. Der entsprechende Bebauungsplan dazu – der Aufstellungsbeschluss für das 2,95 Hektar große Areal fiel im Juni 2019 – soll nun in die Offenlage gehen und war daher jüngst in der gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Bauausschusses Thema.

Das im Kern bekannte Vorhaben umriss Argyris Mylonas, Niederlassungsleiter der Dornieden-Gruppe in Neu-Isenburg. Demnach werden zwei Haustypen gebaut, die 110 beziehungsweise 129 Quadratmeter Gesamtwohnfläche haben. Das Haus mit der größeren Fläche werde vorrangig errichtet, so Mylonas. der davon ausgeht, dass der Kaufpreis dafür inklusive Grundstück deutlich unter 400 000 Euro liegen werde. Das gesamte Quartier werde über ein Blockheizkraftwerk mit Wärme versorgt. Angedacht sind außerdem Mobilitätskonzepte wie ein Carsharing-Modell und eine E-Bike-Station. Ebenso eine Paketstation, die über eine eigens entwickelte Quartier-App gesteuert wird. Generell soll das neue Wohngebiet so geplant werden, dass eine Erweiterung nach Westen und Norden möglich ist.

Investor beteiligt sich an Kita-Neubau in Babenhausen

Dass ein neues Wohngebiet in dieser Größenordnung auch Folgekosten für die Stadt nach sich trägt, gerade was Kita-Plätze angeht, war den Stadtverordneten bereits beim Aufstellungsbeschluss bewusst. Im nun vom Magistrat vorgelegten Beschlussvorschlag wird dem Rechnung getragen. So überträgt der Investor der Stadt ein 4 032 Quadratemeter großes Grundstück im Süden des Wohnquartiers für den Bau einer Kita. Der Grundstückwert wird mit knapp 484 000 Euro angegeben. Darüber hinaus soll vertraglich fixiert werden, dass der Investor sich mit einem Betrag von bis zu 500 000 Euro an dem Bau der für vier bis fünf Gruppen ausgelegten Kita beteiligt. Abgezogen werden sollen davon allerdings die Mehrkosten für die Erschließung der angedachten Erweiterungsflächen im Westen und im Norden. Darüber hinaus heißt es, dass wenn die Vergabe für den Kita-Bau nicht innerhalb einer Frist von fünf Jahren, nachdem der Bebauungsplan Rechtskraft erlangt hat, geschehen ist, der Investor pauschal 500 000 Euro zahlen wird. Die Verfahrens-, Projekt- und Erschließungskosten trägt das Bauunternehmen.

Um den Stadtverordneten die finanziellen Auswirkungen des neuen Wohngebietes vor Augen zu führen, stellte Kai Steffens von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO eine umfangreiche Folgekostenanalyse vor, in der unter anderem die Kosten, aber auch zusätzliche Steuereinnahmen vorgestellt wurden. Demnach belaufen sich die einmaligen Kosten auf etwa 532 000 Euro für den Kita-Bau und schließlich die Folgekosten durch den Kita-Betrieb. Die vollständigen Unterlagen dazu wurden allerdings nur den Stadtverordneten zur Verfügung gestellt.

Verkehr durch neues Wohngebiet in Babenhausen könnte für Lärm sorgen

FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil hinterfragte die Lärmbelastung durch den zusätzlichen Verkehr auf der Frankfurter Straße, und warum nun ein Investor sich an den Kosten für eine Kita beteiligen dürfe, dies zuvor dem Investor einer Einzelhandelsansiedlung (siehe Infokasten) aber wegen eines rechtswidrigen „Koppelgeschäfts“ untersagt worden sei. Dies seien „zwei grundsätzlich verschiedene“ Vorhaben erwiderte Bau-Fachbereichsleiter Christian Heinemann. Sinngemäß sagte er, dass ein neues Wohngebiet Kinder hervorbringe, ein Tegut-Markt aber eben nicht.

CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sawallich vermisste beim Thema Lärm ein Gutachten zum etwa 600 Meter entfernten neuen Kiesabbaugebiet Akazienhof und ein aktuelles Altlastengutachten.

Da eine Ergänzung zum Antrag nicht allen Ausschussmitgliedern vorlag, wurde in den Ausschüssen nicht abgestimmt. Die nächste Stadtverordnetenversammlung ist am Montag, 30. November, 19.30 Uhr, in der Stadthalle. (Norman Körtge)

Boßwenhain: Das war mal geplant

Das Baugebiet Boßwenhain hatte 2018/19 die Gemüter in der Lokalpolitik erhitzt. Im Ursprung sah die Planung nicht nur das Vista-Reihenhausprojekt auf der Gewerbebrache vor (siehe Artikel), sondern gleich noch ein weiteres Wohngebiet im Westen (Ackerfläche links auf der Luftaufnahme oben) und im Norden einen Tegut-Markt mit weiteren kleinen Ladengeschäften vor. Letzteres wollte der in Aschaffenburg ansässige Projektentwickler CMB errichten. Zusätzlich hatte das Unternehmen zunächst angeboten, dort einen Neubau für die Sozialstation Babenhausen-Schaafheim zu verwirklichen beziehungsweise im Verhandlungsverlauf alternativ dazu eine Kita. Eine Mehrheit im Stadtparlament lehnte dies aber mit Verweis auf Verträge mit der Kasernenkonversion-Gesellschaft ab. Demnach soll erst der Einzelhandel dort entwickelt werden, bevor andernorts etwas realisiert wird. (nkö)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare