Vor 75 Jahren

Flakgeschütz auf dem letzten Wagen: Im 2. Weltkrieg waren Bahnhöfe Ziel von Luftangriffen

Lange Jahre rangierte die Kleinlok von Babenhausen im Langstädter Bahnhof die Waggons mit Düngemittel oder Kohle zur Güterhalle. Am 22. Mai 1977 wurde die letzte Fahrt der Zugmaschine mit einer kleinen Feier begangen. 
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Lange Jahre rangierte die Kleinlok von Babenhausen im Langstädter Bahnhof die Waggons mit Düngemittel oder Kohle zur Güterhalle. Am 22. Mai 1977 wurde die letzte Fahrt der Zugmaschine mit einer kleinen Feier begangen.

In den letzten Wochen des 2. Weltkriegs waren auch die Eisenbahnen in ländlichen Gebieten nicht vor feindlichen Angriffen gefeit.

Babenhausen – Aus Langstadt und Babenhausen sind darüber einige Berichte überliefert, und Teile daraus wurden auch in der Ausgabe „Babenhäuser Mosaik II“ (Jahrbuch des Babenhäuser Heimat- und Geschichtsvereins 2017) veröffentlicht.

Zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen wurden die Bahnbediensteten aufgerufen. An den Einfahrsignalen des Bahnhofs Langstadt durften die Züge bei Fliegeralarm nicht in den Bahnhof einfahren, was in den letzten Kriegsmonaten fast täglich der Fall war.

Bahnstrecken, auf denen Reise- und Güterzüge verkehrten, waren für feindliche Tiefflieger ein bevorzugtes Angriffsziel. Der letzte Wagen solcher Züge war ein sogenannter Flak-Wagen.

Auf diesen Waggons war ein Betonbunker aufgebaut und daneben eine Zwillings-Flak (20 Millimeter) installiert. Im Buch „750 Jahre Langstadt“ ist dazu folgendes überliefert: „An einem Nachmittag mit guter Sicht konnte man beobachten, wie ein britischer Jagdflieger einen solchen haltenden Zug angriff. Dabei wurden Bomben abgeworfen und Bordwaffen (18 mm) abgefeuert. Die Ausstattung solcher Tiefflieger bestand aus zwei leichten Bomben, die unter den Tragflächen montiert waren. Der Zug wurde jedoch verfehlt und die Besatzung des Flak-Wagens konnte das Flugzeug abschießen. Der britische Pilot rettete sich per Fallschirm. Als Gefangener wurde er in der Kommandostelle im Rathaus in Gewahrsam genommen und verhört“.

Auch der Bahnhof in Babenhausen wurde durch die nahe gelegene Kaserne und den Flugplatz Ziel einiger Luftangriffe und von Bomben getroffen. Deshalb beauftragte die vorgesetzte Stelle in Darmstadt das Babenhäuser Bahnhofspersonal mit der Aufgabe, für alle Stationen der Odenwaldbahn zwischen Klein-Auheim und Erbach im Odenwald Informationen über den Zustand der Gleise auf der gesamten Strecke zu sammeln.

Da die Verständigung zwischen den Stellwerken der Bahnhöfe wegen zerstörter Fernmeldeanlagen telefonisch nicht möglich war, verteilte der damalige Bahnhofsvorsteher, Friedrich Jansohn, im April 1945 eine Weisung, nach der folgende Informationen durch Boten zwischen den Bahnhöfen weitergegeben werden sollten: Ist die Bahnstrecke befahrbar oder unterbrochen? Art der Beschädigungen? Sind Fahrzeuge auf den Gleisen abgestellt? „Die ersten Arbeiten bestehen darin, aufzuräumen, Schäden auszubessern und den Eisenbahnbetrieb wieder aufzunehmen.“

Rund 75 Jahre vor diesen Ereignissen fuhr der erste Zug von Babenhausen nach Groß-Umstadt, und Langstadt wurde somit am 27. Juni 1870, dem Tag der Eröffnung, an das stetig wachsende Bahnnetz im Bereich des Großherzogtums Darmstadt angebunden.

Zu diesem 150-jährigen Jubiläum laufen Planungen für eine Veranstaltung am 30. Juni im Gruberhof in Groß-Umstadt.  

zwk

Quelle: op-online.de

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