Bachgauschule debattiert

24 Minuten Zeit zum Überzeugen

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Argumente sind ihre Waffe, Expertenwissen ihr Schutzschild: Bei Jugend debattiert in der Bachgauschule diskutieren die Schüler über aktuelle politische Fragen. Ein leeres Blatt Papier, einen Stift und einen wachen Geist – mehr brauchen Oktay Tezerdi (l.) und Lars Vogel bei der Debatte nicht.

Babenhausen - „Wenn wir Holz- und Kohleöfen verbieten, sind wir den Gaspreisen wehrlos ausgesetzt, und das ist gerade jetzt im Bezug auf die Krim-Krise nicht gut“, sagte Oktay Tezerdi. Von Corinna Hiss 

„Die Frage ist doch: Entscheiden wir uns hier für Ökologie oder Ökonomie?“, entgegnete Aaron Scheib prompt. Nein, dieser Dialog fand nicht in einer Bundestagsdebatte statt, sondern unter Gymnasiasten. Beim Regionalentscheid von Jugend debattiert setzten sich viele Jugendliche in der Bachgauschule mit aktuellen politischen Themen auseinander, um sich auf die nächsthöhere Stufe, den Landesentscheid, zu debattieren.

Acht Räume, 32 Debattanten, 24 Juroren – beim Regionalentscheid, der erstmals in Babenhausen stattfand, war alles bis ins letzte Detail durchgeplant. Schulleiterin Christina Martini-Appel, selbst Jugend-debattiert-Fan, mischte sich unter die Schüler und hörte den Debatten selbst mit Spannung zu. „Es ist das erste Mal, dass dieser Wettbewerb an einer Schule ausgerichtet wird, an der es noch kein Jugend debattiert gibt“, sagte Landesbeauftragter Dieter Martin. Das soll sich aber möglichst bald ändern. „Ich habe bis jetzt an jede Schule, an der ich gearbeitet habe, Jugend debattiert eingeführt und werde es auch in der Bachgauschule schaffen“, gab sich Martini-Appel optimistisch. Die engagierte Schulleiterin hofft, dass es vielleicht schon ab nächstem Schuljahr möglich ist.

Interesse sehr groß

Für den Moment konnten die Babenhäuser Schüler bei dem Event nur Zuschauer sein, das Interesse daran war aber groß. Jeder Teilnehmer musste in gleich zwei Debatten Rede und Antwort stehen, die erste politisch, die zweite gesellschaftskritisch ausgelegt. „Unsere Vision ist Berlin“, ermunterte Martini-Appel die Debattanten, die aus Südhessen und dem Rhein-Main-Gebiet angereist kamen, zu Beginn. Dort findet nämlich der Bundesentscheid statt, die höchste Stufe des Wettbewerbs.

Lars Vogel von der Alfred-Delp-Schule in Dieburg hoffte ebenfalls auf die nächste Runde – immerhin kommen in seiner Altersstufe nur zwei Jugendliche weiter. Der 18-jährige Schüler debattierte über die schwierige Frage, ob in Hessen der Gebrauch von Holz- und Kohleöfen zur Reduzierung der Feinstaubbelastung in Städten verboten werden soll. Das Thema bekam er bereits zehn Tage zuvor gesagt, aber erst am Wettbewerbstag erfuhr er, ob er Pro- oder Kontra-Argumente vorbringen muss. Die Debatten laufen immer in Zweierteams, seinen Partner, Oktay Tezerdi aus Wiesbaden, lernte er auch erst kurz vor dem Schlagabtausch kennen.

Exakt 24 Minuten dauerte die sachliche Diskussion, bei der mit Fakten nur so um sich geworfen wurde. Beim Debattieren kämpften die Jugendlichen gleich an mehreren Fronten: genaues Einhalten der Zeit, gut zuhören, was der Gegenspieler sagt und Experte auf seinem Gebiet sein. Die eigene Meinung ist dabei irrelevant, was zählt sind logische Argumente, Durchsetzungsvermögen und sicheres Auftreten.

„Es geht dabei nicht darum, das Problem zu lösen, sondern Argumente für beide Seiten zu finden“, erläuterte Martini-Appel das Prinzip von Jugend debattiert. Deshalb erfahren die Teilnehmer erst am Wettbewerbstag, welche Seite sie einnehmen sollen. „Man bereitet sowohl Pro als auch Kontra vor, um auch die Argumente der Gegenseite zu kennen“, erzählte der Dieburger nach der Debatte. Er selbst war glücklich damit, gegen eine Abschaffung der Öfen sprechen zu dürfen. „Diese Meinung teile ich auch persönlich, aber das spielt hier ja keine Rolle“, schmunzelte er. Sein Talent wurde belohnt – zusammen mit Fabian Strobel aus Königstein darf er beim Landesentscheid antreten.

Quelle: op-online.de

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