Bachgauschule in Frankfurt

Zwischen Banken und Rotlicht

+
Kirsten Muster, Alina Jäger und Michelle Müller (v.l.n.r.) haben sich mit den Menschen befasst, die das Bahnhofsviertel besuchen.

Babenhausen - „Eroscenter“, „Crazy sexy Frankfurt“ oder „Magic Casino“ heißen die Vergnügungsstätten rund um den Frankfurter Hauptbahnhof. Dazwischen: Dönerbuden, billige Hostels und Asia-Märkte. Von Corinna Hiss

„Dunkle Gestalten laufen einem dort schon ab und zu über den Weg“, gibt Marcel Wachtel zu. Trotz – oder vielleicht gerade – wegen seines schlechten Rufs hat er sich mit 19 weiteren Schülern der Bachgauschule ins Frankfurter Bahnhofsviertel aufgemacht, um mit selbst geschossenen Fotos die Architektur des Viertels abzulichten und zu erforschen. „Bild macht Stadt“ heißt das Projekt, das mehrere Schulen, darunter auch die Bachgauschule, mit dem Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt verbindet. Eine knappe Woche gingen die Schüler gemeinsam mit den Studenten wissenschaftlichen Fragen nach und wandten dafür anerkannte Methoden an. Das Ergebnis der Feldstudie ist nun vier Wochen lang in der Aula der Bachgauschule zu sehen. „Interessante, tolle, bemerkenswerte Ergebnisse sind herausgekommen“, begeistert sich die neue Rektorin, Christina Martini-Appel, die als einer ihrer ersten Amtshandlungen die Ausstellung eröffnete. Besonders hebt sie die gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Universität hervor.

Auch Prof. Antje Schlottmann vom Institut für Humangeographie sieht die Notwendigkeit weiterer Schul-Hochschulkooperationen. „Schüler lernen forschungsnah und Studierende lernen praxisnah“, bringt sie es auf den Punkt. Was die 20 Babenhäuser Schüler auf die Beine gestellt haben, kann sich in der Tat sehen lassen. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist geprägt von Kontrasten, die die Schüler eindrucksvoll auf Plakaten dargestellt haben. Gerade die Fotos zeigen: Alte, abgerissene Fassaden stehen neben neuen, verglasten Hochhäusern. Bankangestellte mit Krawatte und Anzug genehmigen sich ein Mittagessen im Schnell-Imbiss um die Ecke, an dem sonst nur einfach gekleidete Menschen zu sehen sind. Das Bankenviertel jenseits der Taunusanlage wirkt leer und steril, die Straßen im Bahnhofsviertel dagegen lebendig und bunt. Dort hängt eine Neon-Leuchtreklame neben der anderen.

Marlene Mehrlein hat in ihrer Gruppe die Türen fotografiert, die im Frankfurter Bahnhofsviertel zu finden sind.

Marlene Mehrlein hat sich mit ihrer Gruppe dem Kontrast anhand unterschiedlicher Türen gewidmet. Auf ihrem Plakat sieht man „Gitter-Türen“ von kleinen, verschlossenen Läden. Daneben gruppieren sich „Wohlstands-Türen“ aus alten Zeiten, die verschnörkelt und vergoldet sind. Ein weiterer Aspekt sind die „Vergnügungs-Türen“ der Sex-Shops und Nachtclubs, die das Stadtbild des Viertels prägen. „Das Projekt war total interessant“, schwärmt Marcel Wachtel. „Ich bin zwar schon mal durch das Bahnhofsviertel in Frankfurt gelaufen, aber jetzt habe ich Ansichten festgehalten, die ich nie vorher so gesehen habe.“ Besonders hat ihm auch gefallen, ein wenig Uniluft zu schnuppern.

Tausende bei der Bahnhofsviertelnacht

Tausende bei der Bahnhofsviertelnacht

Hautnah haben die Schüler den Forschungsprozess miterleben können. So tut es den Arbeiten auch keinen Abbruch, dass es am eigentlichen Feldtag in Strömen geschüttet hat. Kirsten Muster, Alina Jäger und Michelle Müller haben sich in einem Buch der Frage gewidmet, welche Menschen das Bahnhofsviertel besuchen und auf Fotos dokumentiert, dass dort der Anzugträger am Obdachlosen vorbei läuft. Andere haben erkundet, welche Nationalitäten im Viertel wohnen oder wie die Gegend von Besuchern wahrgenommen wird. Einig sind sich aber alle: Der Mut zu dem etwas unkonventionellen Projekt hat sich gelohnt und einen guten Einblick in das Viertel einer Stadt gegeben, das in sich unterschiedlicher nicht sein könnte.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare