Bachgauschule als Teil der OSB?

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Nach über 40 Jahren könnte die Bachgauschule ihre Eigenständigkeit verlieren.

Babenhausen ‐ Verliert die Bachgauschule (BGS) ihre Eigenständigkeit als Oberstufengymnasium? Im Entwurf des Schulentwicklungsplans für den Landkreis Darmstadt-Dieburg ist vorgesehen, dass die BGS mit der Joachim-Schumann-Schule (OSB) vereinigt werden soll. Von Stefan Scharkopf

Die BGS, seit über 40 Jahren eine eigenständige Einheit, wäre dann organisatorisch ein Teil der OSB. Für deren Neubau wird weniger Fläche verbraucht als angenommen. Die BGS könnte also dort neu gebaut werden und würde ihren alten Standort in der Martin-Luther-Straße aufgeben.

Zur Begründung ist aus dem Kreishaus unter anderem zu hören, dass die OSB die einzige Zubringerschule für die BGS sei für Schüler, die Abitur machen wollten. Einige Babenhäuser wanderten wegen des dortigen Schulprofils Richtung Dieburg an die Alfred-Delp-Schule ab. Eine Begründung, die die Schulleiterin der BGS, Marion Pritz, zurückweist. Mit derzeit rund 350 Schülern habe die Schule ein ständiges Wachstum zu verzeichnen. Eine faktische Auflösung der BGS, wie sie in den vergangenen zehn Jahren angesichts weit geringerer Jahrgangsbreiten nahe gelegen haben mag, sei angesichts dieser Entwicklung nicht mehr sinnvoll. „Wir sind Anlaufstelle für Realschüler aus der Umgebung und für Schüler aus Bayern, die in Hessen Abi machen wollen“, sagt Pritz. Nachdem zuletzt wegen des Doppeljahrgangs mit G8/G9 sogar Schüler hätten abgewiesen werden müssen, könnten jetzt wieder mehr aufgenommen werden.

Stärke liegt in der Überschaubarkeit

Die Schulleitung der BGS und mehrheitlich das Kollegium lehnt die Pläne der Zusammenlegung ab. „Eine von oben herab getroffene Entscheidung empfinden wir als Missachtung unserer bisherigen erfolgreichen Arbeit“, argumentiert Pritz, „wir sind eine relativ kleine Einheit und gerade deshalb identifizieren sich viele Schüler, auch viele Ehemalige, mit unserer Schule.“ Die organisatorische Anbindung an die OSB empfinde man an der Bachgauschule als „nur bei oberflächlicher Betrachtung naheliegende, Kosten sparende und letztlich unbedeutende verwaltungstechnische Erneuerung des Bestehenden“. Tatsächlich würde sie zwei seit Jahrzehnten bestehende Einheiten zerstören. „Die Stärke unserer Schule liegt doch gerade in der Überschaubarkeit. Dadurch ist möglich, dass eine besondere Atmosphäre aufgebaut wird, die pädagogische Zuwendung erleichtert und Hemmschwellen abbaut. Zu uns kommen Schüler und erleben einen Neuanfang. Bei uns sind sie unbelastet“, sagt Pritz im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass hier jeder jeden kenne, sei noch jedem Abiturjahrgang als die positivste Erfahrung seiner Schulzeit in Erinnerung.

Auch hinsichtlich ihrer Zusatzangebote, etwa im Bereich des Kulturlebens und außerschulischer Erfahrungsmöglichkeiten, habe sich an der BGS ein sehr gutes Profil entwickelt. Dazu komme ein engagierter Förderverein, der jährlich zwischen 4000 und 6000 Euro für die BGS spende, etwa für die Ausstattung mit Computern oder die Hofgestaltung. Fazit von Schulleiterin Marion Pritz: „Ein Anschluss würde die Joachim-Schumann-Schule gymnasialisieren und die Bachgauschule liquidieren. Übrig bliebe ein Groß-System, für das nichts spricht außer der Größe.“

Am Donnerstag ist die beabsichtigte Zusammenlegung Thema im Kreisausschuss für Schule. Im Dezember wird die Angelegenheit auch im Kreistag debattiert.

Unterdessen haben als erste Partei in Babenhausen die Freien Wähler Stellung genommen. „Es steht außer Frage, dass die Qualität der OSB durch eine Zusammenlegung enorm gesteigert werden könnte. Ob man dazu allerdings die Qualitäten und Stärken eines unabhängigen und in der bayerisch-hessischen Schullandschaft erfolgreich positionierten Oberstufengymnasiums aufgeben soll, wurde meines Erachtens nicht ausreichend abgewogen“, sagt FWB-Ortsvereins-vorsitzender Oliver Bludau. Es müsse ausgeschlossen sein, dass „weder bildungsideologische Zusammenhänge oder parteipolitische Erwägungen für die Entscheidung maßgeblich sind noch rein wirtschaftliche Aspekte den Ausschlag geben“.

Quelle: op-online.de

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