Bachs goldener Schimmer

+
Zum 24. Mal war am Freitag der Konzertchor Darmstadt in der Stadtkirche zu Gast. In diesem Jahr stand in einem fast vollbesetzten Gotteshaus das „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach auf dem Programm.

Babenhausen ‐ Unter dem Übergriff „Konzert“ tummelt sich bekanntermaßen vieles auf den Bühnen. Wenn sich jedoch der Konzertchor Darmstadt und die Darmstädter Hofkapelle zu ihrem alljährlichen Weihnachtskonzert in der Stadtkirche ansagen, dann lässt sich schon an den Eintrittspreisen erkennen, dass hier nichts Gewöhnliches in die Gersprenzstadt kommt:  Von Michael Just

Für eine Karte der besten Kategorie zum „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach sind immerhin 27 Euro zu berappen. Dazu sind die Plätze - wie es nicht oft bei Veranstaltungen in der Stadtkirche vorkommt - nummeriert.

Nicht wenigen Karteninhabern spielt der einsetzende Schneefall am Freitagabend einen Streich. Vor Babenhausen staut sich der Verkehr auf der B 26 fast bis zur Abfahrt Hergershausen, so dass viele Besucher, die aus der gesamten Region nach Babenhausen kommen, sich im Schritttempo ihrem Abendprogramm nähern müssen. Auch der Mann mit den Programmheften, die zu einem herausragenden Konzertereignis dieser Größe unabdingbar dazugehören, steht im Stau. An der Abendkasse vertröstet man die Freunde klassischer Musik bereits, dass die Hefte spätestens bis zur Pause da sind. Wenige Minuten vor Konzertbeginn, der sich um rund eine Viertelstunde verzögert, treffen die heiß ersehnten Programmhefte gerade noch rechtzeitig ein. „Ich habe von Darmstadt nach Babenhausen fast zwei Stunden gebraucht“, bittet der Fahrer um Nachsicht.

Beeindruckende Präsenz von 80 Akteuren vor dem Altar

Die gespannten Erwartungen der meisten Besucher lassen die kleine Verspätung aber schnell vergessen: Viele freuen sich auf die weihnachtliche Einstimmung, andere betrachten das Konzert als hochklassigen Jahresabschluss, mit dem sie sich und ihren Partner belohnen wollen. Dass Großes zu erwarten ist, wird bereits beim Einmarsch von Dirigent Wolfgang Seeliger und des kaum enden wollenden 50-köpfigen Chors deutlich. Zusammen mit den Musikern offenbart sich eine beeindruckende Präsenz von 80 Akteuren vor dem Altar. Zum ersten Mal in den 24 Jahren, in denen der Konzertchor bereits nach Babenhausen kommt, gibt es eine Pause. Der dabei angebotene Glühwein könnte nicht besser zum winterlichen Wetter außerhalb des Gotteshauses passen.

Bachs „Weihnachtsoratorium“

Auf dem Programm steht Bachs „Weihnachtsoratorium“, das zu den beliebtesten Werken seiner Gattung gehört. Mit dem 1734 uraufgeführten Werk erinnert der in Eisenach geborene Komponist an die Geburt Christi. Selten zeigt sich der gottesfürchtige, strenggläubige Lutheraner Bach in seiner geistlichen Musik so gelöst wie in diesem Werk. Über den Kompositionen liegt die heilige Aura der Erlösung der Menschen durch Christus, die die Musik mit einem goldenen Schimmer übergießt.

Der Konzertchor Darmstadt führt Bachs bedeutendstes Oratorium mit allen sechs Kantaten auf – eine echte Seltenheit im heutigen Konzertleben. Mit der Pause währt der Abend rund dreieinhalb Stunden - für den Pressesprecher des Konzertchores, Steffen Meder, nicht zu lange: „Ohne Substanzverlust kann man da nichts weglassen.“ So stellt die zyklische Aufführung des Werks durch seine Dauer nicht geringe Anforderungen an die Ausführenden und die Zuhörer gleichermaßen, weshalb eine Pause zwischen dritter und vierter Kantate angebracht ist. Insgesamt hält der Abend jenes außergewöhnliche Konzerterlebnis bereit, das er im Vorfeld versprach: „Tönet ihr Pauken! Erschallet, Trompeten! Klingende Saiten erfüllet die Luft! Rühmet was heute der Höchste getan!“ lautet die gesangliche und musikalische Botschaft von Bach, die der Konzertchor wie gefordert mit jubelnden Chören, festlichen Chorälen und zarten Arien transportiert und damit wenige Tage vor Heiligabend höchst vortrefflich auf das nahe Fest einstimmt.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare