Bahn-Haltestelle bleibt ein Wunsch

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Anlaufstation Bahnübergang: Die Sickenhöfer geben ihre Forderungen nach einem Halt der Bahn nicht auf.

Sickenhofen - Es ist schon frustrierend, wenn von allen Personenzügen, die durch einen Ort rauschen, keiner hält. Der 25 Personen umfassenden Gruppe, die in der Nähe des Bahnübergangs steht, bleibt stets nur der Blick auf die Rücklichter. Von Michael Just

Dass Sickenhofen keinen Bahnhof mehr hat, tut den Bürgern weh, und so war dies auch ein Thema bei der zweiten Ortsbegehung mit Bürgerbeteiligung.

„Die Haltestelle steht seit vier Jahren im Plan der Nahverkehrsorganisation DADINA. Sie wird aber immer wieder aufgeschoben, da der Bremsweg der Züge zu lang ist und damit ein Stopp den Fahrplan nachhaltig nach hinten werfen würde“, erläuterte Ortsvorsteher Friedel Sahm. Eine Alternative seien nur die Diesel-Itinos, wie sie derzeit bei der Odenwaldbahn eingesetzt werden. Der Politiker glaubt fest daran, dass der Halt kommt: „Sickenhofen ist groß geworden, wir brauchen ihn.“ Trotz allem Optimismus ist erstmal Geduld gefragt, denn laut den Planungen der Bahn werden zuerst die Bahnhöfe in Babenhausen und Langstadt auf Vordermann gebracht.

Die Ortsbegehung am Wochenende - diesmal im südöstlichen Sektor des Stadtteils - war die zweite ihrer Art. Nach der Kommunalwahl hatte der neue Ortsbeirat beschlossen, Sickenhofen in vier Bezirke zu unterteilen und diese jeweils im vierteljährlichen Rhythmus zu begehen. Nach einem Jahr soll jeweils an gleicher Stelle Bilanz gezogen werden, was sich verändert hat. Den allerersten Rundgang im Oktober 2011 betrachtet Sahm als äußerst positiv: „Wir haben alle Ideen im Ortsbeirat beraten und beim Magistrat auf den Weg gebracht.“ Allerdings hätte man mit 30 Vorschlägen – alleine 15 zum Verkehr – den Magistrat schon ein wenig überfordert, räumt er ein. Das müsse und werde man in Zukunft dosierter vorbringen. „Insgesamt zeigen wir aber, dass Sickenhofen die Ärmel für mehr Lebensqualität hochkrempelt“, so der Politiker, der lobt, dass sich die Stadt schon um einige Dinge, wie etwa Stolperfallen, gekümmert hat.

Geht es nach dem Willen des Ortsbeirats, soll die Einfahrt von der B 26 kommend bald ein neues Gesicht erhalten: Für eine Grünfläche neben der Einfahrt zum Sportverein ist eine Säule angedacht, die an die 1 000-jährige Geschichte Sickenhofens und die lokale Tradition des Spargelanbaus erinnert. Schon von weitem auf der B 26 soll sie zu erkennen sein. Weitere Ziele: Eine Baumallee auf der rechten Seite der Ortseinfahrt, wo jetzt noch Hecken sind. Dazu sollen Blumenampeln – das sind Blumentöpfe, die erhöht an Lichtmasten hängen – wenn möglich die komplette Länge in den Ort zieren. Dafür werden noch Pflegepaten benötigt.

Überparteilicher Rundgang

Vertreter aller Parteien bewiesen, dass Sickenhofen den Ortsrundgang überparteilich sieht und an einem Strang für mehr Lebensqualität zieht. Wie ein Ortsbeiratsmitglied sagte, bergen solche Begehungen immer die Gefahr, dass Vorschläge von anderen Parteien aufgegriffen und dann unter eigenem Namen verkauft werden. Für das Vorankommen des Ortes nehme man das aber in diesem Fall in Kauf.

An vielen Ecken ließ der Ortsbeirat keinen Zweifel, dass er sich schon detaillierte Verschönerungsgedanken gemacht hat. Einziges Manko: Durch die angespannte Haushaltslage könnten die Pläne Pläne bleiben. Hier und da gab es auch Vorschläge von Bürgerseite, die oft aber weniger Ideen zur Dorfgestaltung als private Ärgernisse beinhalteten.

So wurden in einem Fall Parkverbotsschilder kritisiert, in einem anderen monierte eine Bürgerin, dass in der Nachbarschaft immer wieder Müll vorm Haus stehe. Zudem stört sie, dass einige Bewohner zusehends ihre Häuser verkommen ließen. „In Bayern ist das anders. Da trägt jeder etwas zur Schönheit des Ortes bei“, sagte sie. Die Spurrillen in der Fahrbahn vor ihrem Haus will eine andere Anwohnerin behoben haben: „Die sorgen für Lärm und dass bei mir das ganze Haus wackelt.“ Sie glaubt aber nicht, dass das Problem angegangen wird. „Wir gucken mal, was passiert. Die Ortsbegehung ist aber trotzdem eine gute Idee“, findet sie. Eine Hundebesitzerin wünschte sich als Gegenleistung für ihre Hundesteuer, dass die Stadt entweder mehr sauber macht oder Müllbeutel für die „Tretminen“ aufhängt. Wie sich herausstellte, sollte die Stadt nicht nur dieses Gesuch prüfen, sondern auch die Annahme, dass durch den massenhaften Hundekot am Ortsrand es weit mehr Hunde gibt als jene, die gemeldet sind. „Die derzeitige Zahl von 75 registrierten Vierbeinern in Sickenhofen steht in keinem Verhältnis zu der Menge der Hinterlassenschaften“, lautete die Erkenntnis.

Quelle: op-online.de

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