Am Bahnhof

Fällung mit Schönheitsfehler

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Die Linden an der Straße Am Bahnhof sind gefällt, doch es gibt Kritik am Vorgehen.

Babenhausen - „,Alea iacta est‘“ hätten die alten Lateiner“ vermutlich gesagt – die Würfel sind gefallen, und zwar gegen die Linden. “ Adolf Breer, Ortsbeirat der Kernstadt, kritisiert die Fällaktion an der Straße Am Bahnhof.

Ohne Vorankündigung, gewissermaßen in einer Art Blitzaktion, seien dort vollendete Tatsachen geschaffen worden. „Dies alleine schon macht einen als alten Babenhäuser wirklich betroffen. Was mir dazu jedoch noch total aufstößt, ist die Art und Weise, wie diese Baumfällaktion durchgeführt wurde und die von den Verantwortlichen im städtischen Bauamt dazu gelieferte Begründung“, schreibt Breer in einer Stellungnahme.

Die Bäume seien „hinderlich“ gewesen bei den anstehenden Tiefbauarbeiten. „Wie das denn, so frage ich mich, auf einmal so, gewissermaßen über Nacht? Ist denn bei den Planungsvorbereitungen niemandem aufgefallen, dass am Bahnhof Bäume stehen? Ist nicht immer wieder betont worden, wie wichtig der Erhalt der Linden sei, um die Blickachse Richtung Innenstadt zu erhalten? Natürlich muss auch auf die Kosten geachtet werden, in diesem Falle jedenfalls. Ist es deswegen auch gut und richtig gewesen, die Bäume kurzerhand platt zu machen, der Einfachheit halber?“, fragt Breer.

Schlechter Zustand der Bäume: Schlechte Pflege?

Die Bäume seien in schlechtem Zustand, das dürfe nicht übersehen werden. Aus Sicht Breers ist dies auch nicht verwunderlich bei der Art der städtischen „Pflegemaßnahmen“, denen alle Bäume in der Innenstadt Jahr für Jahr unterzogen würden.

Zu beachten sei ebenfalls, dass die Denkmal- und Naturschutzbehörden intensiv kontaktiert wurden und gegen den Einsatz der Holzhacker am Bahnhof keine Einwände bestanden hätten, was zeige: Die Zusammenarbeit der Stadt mit diesen Behörden klappt gut. „Klar, sollen doch irgendwann wieder einige Bäumchen gepflanzt werden, pflegeleichte, da kann man nicht meckern! Der Fortschritt hat eben seinen Preis“, merkt Breer an.

Die „positiven“ Seiten und die Notwendigkeit, ein Stück Babenhäuser Identität verschwinden zu lassen, seien somit aus der städtischen Baubehörde ausreichend dargestellt worden, vordergründig zumindest. Doch die ganze Angelegenheit habe noch einen kleinen „Schönheitsfehler“, und der liegt nach Breers Auffassung – zum wiederholten Male – in der Missachtung des Ortsbeirats.

Die Bilder der Baumfällung

Am Bahnhof fallen die Bäume

Dieses politische städtische Gremium solle zu allen wichtigen, den jeweiligen Ortsteil betreffenden Maßnahmen „gehört werden“. Hier kritisiert Breer, dass der der Kernstadt-Ortsbeirat noch nicht einmal informiert worden sei. Die Zeit dazu habe es gegeben, denn die Rücksprache mit Natur- und Denkmalschutz sei sicher auch nicht nur mit einem einzigen Telefonat erledigt worden. „Meine Information zu der Lindenfällaktion am Bahnhof habe ich aus regionalen Tageszeitungen und von Anrufen von Babenhäusern, die sich keinen Reim auf das Geschehen am Bahnhof machen konnten“, sagt der SPD-Mann.

Wenn man die Art und Weise der „Problemlösung“ am Bahnhof abschließend bewerte, sei es nicht weiter erstaunlich, wenn im Gespräch mit Babenhäusern gerade jetzt verstärkt der Begriff „Bürgernähe“ hinterfragt werde. Wenn die so wenig Beachtung finde wie am Bahnhof, sei es bis zur Politikverdrossenheit nach dem Motto: „Im Rathaus machen sie sowieso, was sie wollen“, nicht mehr weit. „Schade, dass bei einer an sich so positiven Maßnahme wie dem Bahnhofsumbau so rücksichtslos und unsensibel gehandelt wurde“, findet Breer.

 st

Quelle: op-online.de

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