Rollt es beim Bahnhof endlich?

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Gewerkelt wird beim Bahnhof des Öfteren, jetzt hofft die Verwaltung auf den großen Wurf.

Babenhausen (st) - Die Modernisierung des Babenhäuser Bahnhofs lässt seit etlichen Jahren auf sich warten. Womöglich tut sich 2013 etwas. Deutsche Bahn AG, RMV und das Bauamt trafen sich in der vergangenen Woche zu einem Koordinierungsgespräch im Rathaus.

Bereits 2004 schloss die Stadtverordnetenversammlung eine erste Rahmenvereinbarung mit dem RMV und der Deutschen Bahn zum barrierefreien Ausbau. Zwei Jahre später wurde die Sanierung konkretisiert und mit Zahlen belastet: Die Stadt plante den behindertengerechten Umbau des Bahnhofs. Die Gleise sollten mittels Rampen erreichbar sein. Zusätzlich wurde der Durchstich des Fußgängertunnels unter den Gleisen zur B 26 und ein Park & Ride-Platz mit 100 Stellplätzen an der B 26 geplant. Die Kostenschätzung lag damals bei 4,4 Millionen Euro, davon für die Stadt rund 850.000 Euro. Gebaut werden sollte ab 2008.

Daraus wurde aber nichts. Bei der Deutschen Bahn AG wechselten Ansprechpartner und Zuständigkeiten, zudem änderten sich Bestimmungen. Der Abstand der geplanten Rampenzugänge zu den Bahnsteigkanten war nach den neuesten EU–Richtlinien zu gering. Aufzüge mussten eingeplant werden. Die Folge: neue Planung, neue Aufgabenaufteilung zwischen DB, RMV und Stadt über die Finanzierung. Nicht leichter wird das Unterfangen dadurch, dass viele Beteiligten unter einen Hut zu bringen sind: die Deutsche Bahn mit unterschiedlichen Ressorts DB Energie AG, DB Service & Stationen AG und DB Projektbau GmbH. Dazu kommen der RMV und die Stadt. Weiterhin gebraucht werden das Eisenbahnbundesamt, das die Genehmigung für den Umbau erteilt und das Land Hessen, das sich maßgeblich an den Kosten beteiligt.

„Realisierungs- und Finanzierungsvertrag“

Ende 2010 stimmte das Stadtparlament dem von der Bahn vorgelegten „Realisierungs- und Finanzierungsvertrag“ für den Gesamtumbau zu. Die Kosten belaufen sich auf 6,3 Millionen Euro, der Anteil der Stadt liegt bei 1,23 Millionen. „Gegenüber 2006 hat sich die Planung des Umbaus nicht wesentlich verändert: Einzig die Aufzüge wurden statt der Rampen neu geplant“, sagt Bürgermeisterin Gabi Coutandin.

Die im Vertrag genannten Kosten von 421.000 Euro für den Rückbau nicht mehr benötigter Bahnsteigüberlängen sollten jedoch nach Meinung der Stadtverordneten von der Bahn überprüft und kostengünstigere, aber trotzdem funktionelle und attraktive Alternativen unterbreitet werden. Diese werden der Stadtverwaltung in Kürze vorliegen, wie es aus dem Rathaus heißt: Magistrat und Stadtparlament müssen noch darüber entscheiden, welche Alternative realisiert werden soll. Danach muss das Eisenbahnbundesamt den Entwurf genehmigen und das Land Hessen den Finanzierungsvertrag prüfen. Wenn alles gut geht, hofft die Verwaltung, kann die Stadt noch in der ersten Hälfte 2012 den „Realisierungs- und Finanzierungsvertrag“ mit der DB unterzeichnen.

Mit 258 Millionen Euro Investitionen geplant

Im November 2011 hatte das Land die „Rahmenvereinbarung Hessen“ unterschrieben. Land, DB und RMV haben für die kommenden acht Jahre für insgesamt 258 Millionen Euro Investitionen geplant, die in die Modernisierung und den stufenfreien Umbau von 93 hessischen Bahnhöfen gesteckt werden. Der Bahnhof Babenhausen gehört dazu. Ebenfalls 2011 erwarb die Stadt Grundstücke für einen Park & Ride-Bereich.

Als „gutes Zeichen“ wertet Coutandin, dass derzeit die Ausführungsplanung erledigt wird, sodass es womöglich 2013 endlich losgehen kann. Hierbei plant die DB mit einem Zeithorizont von zwei Jahren, welche Arbeiten wann erledigt werden. Da der Umbau bei laufendem Verkehr stattfindet, veranschlagt die DB eine Umbauzeit von zwei bis zweieinhalb Jahren.

Baugrund und Fundamente untersucht

Dieses Jahr werden Baugrund und Fundamente untersucht. Aus Denkmalschutzgründen muss die Bahnsteigüberdachung erhalten bleiben. Der Plan sah bislang eine vollständig neue Überdachung vor.

„Wir hoffen, dass der zähe Planungsprozess jetzt Ergebnisse zeigt. Die Geduld der Bürger ist überstrapaziert: Passagiere müssen Kinderwagen und Fahrräder die Treppen hoch- und runtertragen, Behinderte kommen alleine nicht zurecht, der Regenschutz ist verbesserungswürdig, der Einstieg schwierig, die Parksituation unzulänglich, der optische Eindruck negativ. Jetzt scheint es, dass die Weichen endlich gestellt sind, und in absehbarer Zeit die Bahnkunden auf eine bessere Qualität hoffen können“, meint Coutandin.

Quelle: op-online.de

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