Bakterien  kann man nicht kaufen

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Die Klasse 3c der Schule im Kirchgarten schaute auch in die Becken der Kläranlage.

Harreshausen - Sie rümpfen erst mal die Nase, die Schüler der Klasse 3c der Schule im Kirchgarten. Am Montag besuchten sie die Babenhäuser Kläranlage. Von Ulrike Bernauer

Abwassermeister Jürgen Richtert nahm die Kinder samt den Lehrerinnen Claudia Weiland und Stefanie Pfau in Empfang und steuerte gleich auf das erste Becken zu, wo das Wasser noch so richtig verschmutzt ist. „Wir haben hier eine mechanisch-biologische Kläranlage“, erklärte der Fachmann den Kindern. Die Anlage nimmt das Abwasser aller Stadtteile Babenhausens und die von Schlierbach auf. Insgesamt acht Mitarbeiter hat die Kläranlage, die Gruppe begleiteten außerdem noch Marc Scheuermann, der sich gerade zum Meister fortbildet und Lukas Brecht, Auszubildender als Fachkraft für Abwassertechnik.

Den Rechen, der Abfälle aus dem Wasser filtert, zeigte Richert den Kindern, aber auch eine kleine Sammlung von Fundstücken, die darin schon hängen geblieben sind. Zu den kuriosesten Gegenständen zählen ein Feuerlöscher, ein Handy, aber auch ein Gebiss oder ein Schlüsselbund. „Geld haben wir noch keines gefunden“, bedauerte der Kläranlagenleiter auf Nachfrage eines Schülers. Dafür erzählte Richert von den vielen Millionen Mitarbeitern, den Bakterien, die es in der Kläranlage gibt und die das Wasser säubern. Die Kinder lachten, als er sagte, „die Bakterien kann man nicht in der Zoohandlung kaufen, die kommen mit dem Abwasser“. Unter dem Mikroskop konnten sie dann einige dieser Helfer bewundern.

Immer wieder rümpften die Kinder die Nase, weil einige der Becken, deren Funktion Richert alle erklärte, schon ganz ordentlich riechen. Umso weiter der Rundgang führte, um so weniger intensiv wurde der Geruch und das Wasser immer klarer. Relativ sauber ist das Wasser in den letzten Becken. „Das müsst ihr euch wie einen Trichter vorstellen, da kann der Schlamm abrutschen“. „Gehen wir in das Wasser rein?“, fragte einer der Schüler und der Fachmann verneinte. Enten hielten sich aber in diesem Becken schon gerne auf, besonders im Winter, das Wasser sei wärmer und da bekämen sie keinen kalten Hintern.

Die fast letzte Station war die Tropfkörperanlage, sie ist gefüllt mit Lavagestein aus der Rhön. „Oben drauf ist ein biologischer Rasen, das darf man sich aber nicht wie auf dem Sportplatz vorstellen, sondern schleimig-grün, da sind die Bakterien drin. Die Reinigung verläuft ähnlich wie Kaffeefiltern, nur kommt hier oben das dreckige Wasser drauf, unten das saubere Wasser wieder raus“, sagte Richert. Das läuft dann in die Gersprenz, wird aber auch von der Kläranlage als Betriebswasser genutzt. „Man könnte es bei Wassernotstand auch zum Kaffeekochen verwenden, es ist aber trotzdem kein Trinkwasser.“ Einer der Schüler wollte am liebsten gleich mal ins kühle Nass steigen, aber in Ermangelung einer Badehose und eines Handtuches ließ er es dann doch bleiben.

Auf den Faulturm durften die Schüler zu ihrer Enttäuschung nicht klettern. Darin wird aus dem Schlamm durch Bakterien Methangas hergestellt, das die Kläranlage nutzt, um den Faulturm und die Heizung mit Wärme zu versorgen, und es wird zur Stromerzeugung eingesetzt.

Ganz zum Schluss gingen die Kinder auch noch in den Raum, wo die Steuerungsanlage untergebracht ist. Von hier aus können die Mitarbeiter die Funktionen der Kläranlage bedienen. Auch samstags und sonntags gibt es einen Bereitschaftsdienst in der Anlage. An den Geruch hatten sich die Schüler mittlerweile gewöhnt – einer war nur enttäuscht, dass es kein Andenken zum Mitnehmen gab.

Quelle: op-online.de

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