34-Jähriger muss vier Jahre hinter Gitter

Banküberfall: Weder dilettantisch noch ungeplant

Babenhausen - Zwischen drei Jahren sechs Monate und vier Jahren müssen die Bankräuber hinter Gitter, die vergangenen Oktober die Sparkassen-Filiale an der Fahrstraße überfallen haben. Nach drei Verhandlungstagen fielen vor dem Landgericht Darmstadt gestern die Urteile. Von Yvonne Fitzenberger 

Geschockt dreht sich der junge Mann um und blickt erst zu seinem Verteidiger und dann zu seiner Frau, die das gemeinsame Kind in den Armen hält. Mit so einem harten Urteil hatte er nicht gerechnet: Drei Jahre und sechs Monate muss er absitzen. Damit verbüßt der Offenbacher eine längere Strafe, als es die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer gefordert hatte (zwei Jahre auf Bewährung und 300 Arbeitsstunden). Das akzeptierte die Verteidigung. Sie waren sich einig, dass der 29-Jährige als Fahrer lediglich der Beihilfe zur schweren räuberischen Erpressung schuldig sei und damit noch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt werden könnte.

Der Tatvorwurf: Schwere gemeinschaftliche räuberische Erpressung. Ein 34-jähriger Maintaler – er wurde zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt – und der ebenfalls 34 Jahre alte, vorbestrafte Babenhäuser – vier Jahre inklusive Unterbringung in einer Erziehungseinrichtung – haben im Oktober die Sparkasse in der Fahrstraße überfallen. Mit dem Geld sollten die Schulden des Maintalers beglichen und die Drogensucht des Babenhäusers finanziert werden. Der Offenbacher, der als Fahrer angeheuert wurde, wollte lediglich einen Freundschaftsdienst leisten.

Das Schöffengericht sah die Angelegenheit jedoch anders. Es sei eine klare Sache gewesen, heißt es in der Urteilsbegründung: Die drei Männer planten gemeinsam die Tat. Zu viele Widersprüche fand das Gericht in den Geständnissen der Angeklagten. Der Maintaler und der Babenhäuser bemühten sich, ihren Komplizen nur als Helfer anstatt als Mittäter darzustellen, stolperten dabei aber über ihre eigene Worte. So etwa der Haupttäter, der seine schriftliche Einlassung in einigen Punkten widersprach. Während seiner Aussage verneinte er, dass der 29-Jährige in der Bar, in der sie ihre Tat geplant hatten, anwesend gewesen sei. Auch der Babenhäuser behauptete, dass er mit dem Offenbacher erst auf dem Weg nach Hause gesprochen habe. Allerdings hieß es in der schriftlichen Aussage des Maintalers: „Was die beiden anderen dachten, weiß ich nicht.“ Sowie, dass die beide getrennt mit dem Taxi nach Hause fuhren.

„Von wegen dilettantisch und ungeplant“, kommentiert die Vorsitzende Richterin. Einer besorgte die Waffe, der zweite kümmerte sich um Sturmhaube und Wechselkleidung und der dritte saß hinter dem Steuer. Das Ziel sei klar gewesen: In die Bank mit Sturmhaube und gezogener Waffe, mit der Beute raus und mit dem in der Nähe geparkten Auto nach Offenbach zur Wohnung des Fahrers flüchten. „Man fährt nicht ungeplant, zu sich nach Hause und parkt das Auto in der Garage“, meinte die Richterin.

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Auch die Aufteilung der Beute ließ die Schöffen zweifeln. Das wäre ein großer Zufall gewesen, dass ausgerechnet der Maintaler den höchsten Anteil an der Beute (insgesamt zirka 18.000 Euro) mitnahm, während die anderen beiden – nach ihren Aufgaben gestaffelt – einen geringeren Anteil bekamen. Des Weiteren argumentierte das Gericht: „Es ist lebensfremd, zu glauben, dass nie über eine Aufteilung der Beute gesprochen wurde.“ Vor allem nicht, wenn die Höhe des Geldes so wichtig sei, um Schulden zu begleichen und die Sucht zu finanzieren. Ebenso als lebensfremd wurde die Annahme bezeichnet, dass keine Waffe in Spiel gewesen sei oder die Tat im Falle von Gegenwehr abgebrochen werden würde.

„Das ist ein klassischer Banküberfall“, sagte die Richterin und widersprach damit dem Verteidiger des Babenhäusers, der auf einen minderschweren Fall plädierte. Lediglich der zugesagte Täter-Opfer-Ausgleich sei ihm positiv anzurechnen. Am Ende dreht sich der Babenhäuser um. Er grinst, hebt die Hand und zeigt seinen Kumpels das Sieges-Zeichen. Vier Jahre inklusive Suchttherapie sind für ihn wohl Anlass zur Freude.

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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