Baumfällarbeiten

Die Linden stürzen am Bahnhof

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Sorgfältig werden die großen Stämme zerkleinert, damit sie später als Brennholz verwendet werden können.

babenhausen - Einen kurzen Moment scheint die große Linde innezuhalten, bis sie wie in Zeitlupe mit dumpfem Knall auf den Asphalt aufschlägt. Von Corinna Hiss

Die Arbeiter, die vorher dem Spektakel noch gebannt zugeschaut haben, stürzen geschäftig in Richtung des gefällten Baums und beginnen sofort mit lauten Motorsägen den Stamm in handlichere Stücke zu schneiden. „Handlich“, das bedeutet in dem Fall eine Größe, bei der die riesigen Baumstämme mit einem Traktor aufgelesen werden können.

17 Linden an der Zahl werden an der Straße Am Bahnhof gefällt und damit ein weiterer Schritt in Richtung Bahnhofsmodernisierung gemacht. Nach der Eröffnung der Park&Ride-Anlage Nord ist nun geplant, den Bahnhofsvorplatz zu erneuern. „Im Moment befindet sich die Bushaltestelle noch im Einmündungsbereich der Wilhelm-Leuschner-Straße. Das soll sich demnächst ändern“, erläutert Katharina Freckmann vom städtischen Bauamt. Für ein angenehmeres Umsteigen und eine engere Verknüpfung von Bus und Bahn wird die Haltestelle auf den Bahnhofsvorplatz verlagert. „Dadurch wird der Umsteigeweg verkürzt“, beschreibt Freckmann. An der Straße werden außerdem noch Kanalbaumaßnahmen vorgenommen.

Hinderliche Bäume

Da geht sie nieder, die Linde. Damit sie aber nicht auf die umliegenden Häuser fällt, gibt eine gespannte Schnur die Fallrichtung vor.

All das sind Gründe dafür, weshalb die Linden fallen müssen. „Bei dem, was wir an der Straße Am Bahnhof planen, sind die Bäume hinderlich“, so das Urteil vom Bauamt. Die Tiefbaumaßnahmen würden zu stark in den Wurzelbereich eingreifen und da die alten Linden bereits in relativ schlechtem Zustand seien, würden sie diesen Eingriff nicht überleben. Mit der Fällung wird dem nun vorgebeugt, außerdem sei es kostengünstiger und vereinfache die technische Planung. Seit 2009 ist das Projekt bereits im Gespräch. „Das Bauamt hat sich in seinem Vorhaben mit vielen Behörden abgestimmt und ich kann sagen: Die Linden wurden nicht ohne Grund gefällt“, betont Freckmann.

So wurde sich intensiv mit der Denkmalpflege und der Naturschutzbehörde auseinandergesetzt. „Die Denkmalpflege hat der Fällung nur unter dem Aspekt zugestimmt, dass der Alleecharakter der Straße weiterhin erhalten bleibt“, erläutert Katharina Freckmann. So sollen, nachdem die Baumaßnahmen komplett beendet sind, an der Straße Am Bahnhof wieder Bäume gepflanzt werden. Zwar keine Linden, dafür aber Feldahorn. Diese Art hat den Vorteil, dass sie sich im vorherrschenden Stadtklima wohlfühlt und zudem pflegeleichter ist. „Der Feldahorn kann sich in seiner natürlichen Form entfalten und die Baumkronen müssen nicht immer wieder geschnitten werden, wie es bei den Linden häufiger der Fall ist“, lauten die Gründe für die neue Baumart.

Am Bahnhof fallen die Bäume

Am Bahnhof fallen die Bäume

Ein kleines Manko gibt es allerdings doch: Aus Platzgründen – schließlich soll die Bushaltestelle an den Bahnhof verlegt werden – ist es nicht mehr möglich, alle 17 Bäume neu zu pflanzen. „Wir werden acht Stück setzen, dafür sind aber an anderen Stellen der Stadt neue Baumstandorte entstanden“, erläutert Freckmann. Insgesamt vier Bäume sollen künftig den Bahnhofsvorplatz zieren, zudem wurde bereits die Hermann-Stotz-Straße mit neuen Bäumen versehen. Rund 300 Kilogramm wiegt eine Linde.

Die fünf Tonnen Holz finden aber einen dankbaren Abnehmer. „Wir haben einen Kamin zu Hause und meine Kinder mögen’s gerne warm“, sagt Erkan Tamer, der für den Bau der Park&Ride-Anlage zuständig war. Er hat mit der Stadt vereinbart, die Stämme ohne Gabelungen und Äste zu bekommen, um sie als Brennholz verwenden zu können. „So spart die Stadt die Entsorgungskosten und die Linden werden nach und nach in meinem Kamin verfeuert“, freut er sich. Bei dem milden Winter wird er sicher noch lange daran zehren.

Quelle: op-online.de

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