Konversionsgesellschaft legt ambitionierten Zeitplan vor

Kasernengelände: Baurecht Anfang 2019?

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Zu vermieten ist der baufällige Wasserturm auf dem Gelände der Kaserne zwar nicht, weil er aber weithin sichtbar ist, wurde er jetzt als „Landmarke“ unter Denkmalschutz gestellt.

Babenhausen - Der weithin sichtbare Wasserturm auf dem Kasernengelände steht nun unter Denkmalschutz. Eine von vielen Informationen aus der jüngsten Ausschusssitzung.

Das Team scheint komplett, und es ist groß: Wie Investor Daniel Beitlich dem Kasernen-Konversionsausschuss Kaserne nun erläuterte, umfasst es Bodengutachter, Städtebauer, Natur- und Landschaftsplaner, Verkehrsexperten, Fachleute für nachhaltiges Bauen, Fachjuristen und mehr. Vergangene Woche war eine „Kick-off“-Veranstaltung, und darüber berichtete Beitlich so enthusiastisch, das man nachsichtig gewesen wäre, wenn er skandiert hätte: Jetzt geht’s los! Tatsächlich soll es jetzt losgehen mit einem umfangreichen Planverfahren, mit dem – wenn alles optimal läuft – im Frühjahr 2019 Baurecht geschaffen wird für das rund 60 Hektar große Gelände, auf dem dann ein neuer Stadtteil entstehen wird. Aber der (Rechts-)Weg dorthin ist noch weit, es gibt Unwägbarkeiten, der Bebauungsplanentwurf, den Beitlich zusammen mit Co-Investor Markus Aumann den Kommunalpolitikern präsentierte, völlig unverbindlich und in den Details so wenig aussagekräftig, dass er nur als interne Arbeitsgrundlage dienen und nicht in der Öffentlichkeit kursieren soll.

Beitlich lieferte dem Ausschuss einen Sachstandsbericht. Man könne noch keinen Termin für den offiziellen Beginn der Abbruch-Arbeiten nennen, sei aber schon mit genehmigungsfreien Arbeiten auf dem Gelände tätig. Man entferne Einbauten aus zahlreichen Gebäuden, habe auch schon eine Reihe von Bäumen gefällt. Für andere Arbeiten müsse man eine Untersuchung zu Fledermausbeständen in den Dachgeschossen verschiedener Gebäude abwarten.

Von den Wohnblöcken sollen zwölf stehen bleiben, deren Wohnungen von unterschiedlicher Qualität sind. Inzwischen liegt ein genaues Aufmaß vor. Am liebsten scheint es den Projektentwicklern zu sein, wenn sich Investoren für Geschosswohnungsbau hinzugesellen und auch die Aufbereitung der Blöcke übernehmen. Der Wasserturm aus den 1950er Jahren des vorigen Jahrhunderts steht jetzt unter Denkmalschutz. Zur notwendigen Sanierung liegen zwei Gutachten vor, in den Summen von 200.000 und 700.000 Euro genannt werden. Mit den Denkmalschützern soll verhandelt werden.

Unklarheiten gibt es noch bei der gewünschten Übernahme eines drei Hektar großen Teilgeländes, das für die Erstaufnahmeeinrichtung genutzt wurde. Hier ist investiert worden, die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten wird jetzt eine Wertermittlung durchführen. Beitlich: „Mal sehen, ob das passt. Wir brauchen ja nicht alles, was da gebaut worden ist.“ Mit Hessen Mobil soll die Frage der Zufahrten geklärt werden. Inzwischen ist klar, dass dabei auch Bebauung und Nutzung des Geländes nördlich der B26 mit betrachtet werden soll. Zu klären ist auch, ob für die Anbindung eine denkmalgeschützte Mauer durchbrochen werden kann.

Das „Kreativquartier“ mit den denkmalgeschützten Gebäuden aus wilhelminischer Zeit möchte die Konversionsgesellschaft am liebsten „im Stück“ vermarkten. Für die Immobilien im Gewerbebereich gebe es bereits Anfragen, aber auch hier agiere man vorerst zurückhaltend, weil es ja sein könne, dass andere Interessenten später größeren Raumbedarf anmelden.

Bilder: Tag der offenen Kaserne in Babenhausen

Im Zentrum der Erläuterungen stand ein nach Quartalen gegliederter Zeitplan für die Entwicklung des Bebauungsplans bis zum Baurecht. Dabei geht es im ersten Quartal 2018 um die Beauftragung verschiedener Gutachten, auch der Zertifizierung nach Maßgaben der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen. Außerdem soll es Gespräche zur Verkehrsanbindung, zur Nahversorgung durch einen Vollsortimenter, über die Einrichtung einer Kita und eine Grundschule gehen.

Für das zweite Quartal denken die Investoren bereits an eine frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und Bürger. Außerdem wurde angeregt, für die Vermittlung des dann aktuellen Sachstands zu einer Sitzung des Konversionsausschusses in größerem Rahmen einzuladen. Als Themen für das dritte Quartal wurden eine Prüfung der Umweltverträglichkeit, Planungen für die Gestaltung der Grünflächen, Entwürfe für den städtebaulichen Erschließungsvertrag sowie ein Lärmgutachten genannt. Das gesamte Verfahren wird begleitet von einem Beirat aus Babenhäuser Bürgern, der sich zwar noch nicht konstituiert hat, dessen Mitglieder aber bereits be-nannt sind.

Schon im vierten Quartal könnte die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss zur Offenlage des aus diesen Vorarbeiten entwickelten Bebauungsplans fassen und nach Abwägung aller Anregungen und Einwände im Frühjahr 2019 mit dem Satzungsbeschluss Baurecht für ein Projekt mit einem Investitionsvolumen im zweistelligen Millionenbereich schaffen. Beitlich räumte ein, dass in einem solch ambitionierten Zeitplan noch zahlreiche Unwägbarkeiten lauern. (sr)

Quelle: op-online.de

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