Baustellen beim Gewerbeverein

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Der neue geschäftsführende Vorstand des Babenhäuser Gewerbevereins (von links): Christian Kühnle, Kurt Schlösser und Silke Kasamas. Es fehlt Rainer Wallert.

Babenhausen - In den letzten Monaten war es trotz fünf Vorstandssitzungen und eines „Strategietags“ mit der Stadt still um den Gewerbeverein (GV) geworden. Kaum Ergebnisse waren über die geplante Neuausrichtung zu hören, keine Projekte und Ideen in Aussicht. Von Michael Just

Fast sinnbildlich wies die Homepage mehrere Jahre alte Einträge aus. „Wir hatten für die Vereinsarbeit nicht die Zeit, die wir wollten und hätten haben müssen“, sagte der scheidende Vorsitzende Torsten Guth in seinem Bericht bei der Jahreshauptversammlung.

So hatte der Jahresbericht bezeichnenderweise auch mehr negative als positive Nachrichten parat: Im letzten Jahr schrieb der GV keine schwarzen Zahlen, der Verlust wird aber durch Rücklagen aufgefangen. Als Gründe gelten die Aufwendungen für das Stadtmagazin und die unzureichende Vermietung des vereinseigenen Messestandes. „Wenn wir unsere Einnahmenseite nicht bald verbessern, haben wir ein Problem“, warnte Guth. „Die Vermietung des Messestands sollte man mal beim Unternehmerstammtisch in die Runde streuen“, schlug Sylvia Kloetzel als Vertreterin der Stadt vor, die später noch das derzeit geringe Engagement des GV beim „Ausbildungsoskar“ monierte.

Unter der Prämisse „mehr Geld rein, weniger aus“ wurde zudem die Position von Geschäftsführer Wilfried Müller diskutiert, der nicht ehrenamtlich tätig ist. „Kann man sich ein solches Amt überhaupt noch leisten?“ stand die Frage im Raum. Wie Guth sagte, habe er darüber bereits nachgedacht. In Anbetracht des Personalmangels im Verein lasse sich dafür aber nur schwer ein Ehrenamtlicher finden.

Die finanzielle Situation könnten auch mehr Mitglieder verbessern: So bringen bereits acht Neueintritte Mehreinnahmen von 1 000 Euro im Jahr in die Vereinskasse. Luft nach oben ist dabei reichlich vorhanden: 700 Gewerbeanmeldung liegen in der Stadt vor, der Verein zählt aber nur 55 Mitglieder. Einig war sich die Runde, dass man erst etwas bewegen sollte, bevor es an das Werben neuer Mitglieder geht. „Wer gibt schon Geld, ohne dafür eine kleine Gegenleistung zu bekommen?“, brachte es eine Stimme auf den Punkt.

Bei der Jahreshauptversammlung wurde auch ein neuer Vorstand gewählt: Der erste Mann ist nun Architekt Kurt Schlösser. Er löst Torsten Guth ab, der aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr hat. Das trifft auch auf Stellvertreter Andreas Resch zu, dem Rainer Wallert folgt. Als zweite Stellvertreterin bleibt Silke Kasamas im Amt, genauso wie Rechner Christian Kühnle. Beisitzer sind fortan Torsten Guth, Andreas Resch, Andreas Bludau und Helmut Fendt.

„Wir haben viel zu tun“, konstatierte der neue Vorsitzende Kurt Schlösser am Ende der Versammlung und verbreitete eine dringend benötigte Aufbruchstimmung. Dabei hob er heraus, dass er die Aufgabe nur unter der Einsicht aller übernimmt, dass Arbeit ansteht, die als Teamwork geleistet werden muss.

Über mangelnde Arbeit wird sich der Vorstand zukünftig nicht beklagen können: So ist bei Stadt und Politik eine glaubhafte Lobbyarbeit nötig, um die angestrebten besseren Rahmenbedingungen für das lokale Gewerbe zu schaffen. Seit längerem wird bereits eine vermeintlich zu hohe Gewerbesteuer kritisiert.

Dazu gilt es, die Öffentlichkeitsarbeit und selbst Dinge wie die interne Kommunikation zu verbessern. Ohne Umschweife drückte Torsten Guth den derzeitigen Handlungsbedarf aus: „Es muss etwas passieren, sonst hat der Gewerbeverein keine Zukunft.“

Quelle: op-online.de

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