BDP-Kinderkiste

Aufbau mit Idealismus und Energie

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Die Namen aller 1200 Kinder, die in den vergangenen Jahren in der Kinderkiste ein Zuhause gefunden haben, waren auf bunten Fahnen zu lesen, die im Garten aufgehängt waren.

Babenhausen - Die BDP-Kinderkiste besteht seit 20 Jahren. Über 1200 Mädels und Jungs haben die Betreuende Grundschule bislang besucht. Von Petra Grimm

„Für mich war es eine schöne Zeit. Ich habe hier zu Mittag gegessen und Hausaufgaben gemacht. Freunde habe ich auch gefunden und vor allem die Freizeiten waren toll“, erinnert sich die zwölfjährige Vivian, die während ihrer Grundschulzeit in der BDP-Kinderkiste ein zweites Zuhause gefunden hat. Die Namen der über 1 200 Kinder, die in den vergangenen 20 Jahren in der vom Bund Deutscher Pfadfinder getragenen, reformpädagogischen Einrichtung gelernt und gespielt haben, waren auf bunten Stofffahnen zu lesen. Der runde Geburtstag der Betreuenden Grundschule war am Samstag Anlass für ein fröhliches Fest, bei dem viele Gratulanten aus der Kommunalpolitik und Vertreter der Schulen lobende Worte für die hortähnliche Einrichtung fanden. Die Kinder sorgten für Musik und eine Theateraufführung. Eine Dia-Show lieferte die bewegte Geschichte in Bildern.

Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Jens Zimmermann und Bürgermeistern Gabi Coutandin schauten vorbei, um mit den pädagogischen Mitarbeitern auf dieses gelungene Projekt anzustoßen, das in der damaligen Zeit Vorreiter war in seinem Bestreben „Eltern von Grundschulkindern mit einem erzieherischen Angebot zu unterstützen und zwar hochqualifiziert und verlässlich“, wie die Bürgermeisterin sagte.

„Ohne die Eltern hätten wir es nicht geschafft“

Mit Bällen gratulierten Gudrun Müller, die stellvertretende Leiterin der Schule im Kirchgarten (links), und Peter Baumann, Leiter der Flanagan-Schule. Sie dankten Petra Mohrhardt für ihr Engagement.

Ein großer Dank der Gäste, darunter auch ehemalige Kinder und Eltern, ging dabei an Petra Mohrhardt, die die Kinderkiste von Anfang an leitet, und ihren Ehemann Werner Mohrhardt, der sich als ehrenamtlicher Geschäftsführer engagiert. Sie haben die Kinderkiste mit bewundernswertem Idealismus und viel Energie aufgebaut. „Ohne die Mitarbeit der Eltern hätten wir es nicht geschafft. Auch heute noch sind die Eltern eingebunden. Sie helfen bei Arbeitseinsätzen und ohne sie gäbe es kein Fest“, sagte Petra Mohrhardt. Neben dem Elternengagement gibt es eine weitere Konstante, die die inklusiv arbeitende, sozialpädagogische Einrichtung von Anfang an begleitet: der Kampf ums Geld. „Wir finanzieren uns durch die Eltern, das Land Hessen und die Stadt, die den größten Anteil übernimmt“, sagte Petra Mohrhardt, die sich auch über jeden Sponsor freut. So habe sich die Ikea-Stiftung an der Gestaltung des Außengeländes beteiligt. „Bei jedem Haushalt, den wir aufstellen, wird diskutiert, wo gespart werden kann“.

Vom Landesverband des BDP war Bildungsreferent Axel Götz angereist. Er gratulierte Petra Mohrhardt zu ihrem 20-jährigen Dienstjubiläum und betonte die besondere Leistung, die darin bestehe, Kontinuität und Weiterentwicklung von Angeboten unter einen Hut zu bringen, sich immer wieder neu auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen und Anforderungen einzustellen. Es sei bewundernswert, wie die Kinderkiste „es immer wieder schafft, sich quasi aus sich selbst heraus zu erneuern und im besten Sinne jung zu halten“. Manfred Nodes von den Grünen sprach den gestiegenen Bedarf nach ganztägiger Betreuung von Schulkindern an. Wo jedoch das Geld für die unter diesem gesellschaftlichen Druck stehenden Schulen oder auch Einrichtungen wie die Kinderkiste herkommen solle, sei oft unklar. Die Kommunen müssten ständig neue Aufgaben übernehmen, ohne dass ihnen das Geld zur Verfügung gestellt würde. „Wir sollten uns als Gesellschaft klar darüber sein, dass die außerfamiliäre Kinder- und Schülerbetreuung nicht zum Nulltarif zu bekommen sein wird“, sagte er.

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Dass in der Kinderkiste im Vergleich zu anderen Betreuungsangeboten an Grundschulen von Anfang an eine professionelle und mit pädagogischen Fachkräften ausgestattete familienergänzende Bildungs- und Erziehungsarbeit geleistet wurde, betonte Werner Mohrhardt, der einen Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre mit Höhen und Tiefen warf. „Unter dem Strich können wir mit der Entwicklung mehr als zufrieden sein“, sagte er. Mit 15 Kindern und einer Erzieherin begann die Erfolgsgeschichte am ersten Standort in der Bürgermeister-Rühl-Straße. Inzwischen werden 90 Kinder in dem Haus in der Martin-Luther-Straße von acht Pädagoginnen und Pädagogen betreut. Zahlreiche Zivildienstleistende und Praktikanten haben das Team über die Jahre unterstützt.

Geöffnet ist die Einrichtung, die in erster Linie Kinder der Schule im Kirchgarten und der Eduard-Flanagan-Schule aufnimmt, von 7.30 bis 16.30 Uhr, freitags bis 15 Uhr.

Quelle: op-online.de

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