Großes Potenzial für die Zukunft

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Großes Vorhaben: Bebauungsplan der Firma Elb-Schliff.

Babenhausen - Wenn Landrat Klaus-Peter Schellhaas im Osten des Landkreises unterwegs ist, erfreut er seine Zuhörer regelmäßig mit der Einschätzung, dass hier die größten Zukunftspotenziale lägen. Von Michael Just

In Babenhausen scheint diese Aussage realistischer denn je, denn nicht nur mit der Konversion und damit der Kasernenentwicklung wird hier Zukunft geschrieben. Nicht minder groß wird auch beim seit 60 Jahren ansässigen Traditionsunternehmen Elb-Schliff geplant: Weite Teile der veralteten Firmengebäude sollen abgerissen und durch neue Produktionsstätten ersetzt werden. Dazu soll neuer Wohnraum für rund 450 Menschen mit 150 bis 170 Wohneinheiten geschaffen werden.

Der Werkzeugmaschinenhersteller mit derzeit 160 Mitarbeitern warb mit seinen Plänen im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Umwelt und Verkehr sowie beim Ortsbeirat der Kernstadt, um im Dezember grünes Licht von den Stadtverordneten zu bekommen. Gleich sechs Vertreter waren angerückt, um Fragen zu beantworten und das Projekt „Hinter der Altdörfer Kirche“ aufzuzeigen.

„Wir haben am Bebauungsplan intensiv gearbeitet“

„Wir haben am Bebauungsplan intensiv gearbeitet“, sagte Dr. Wolfgang Mielich, der beim Elb-Mutterkonzern Autania für das Immobilienmanagement zuständig ist. Die Zukunft Babenhausens werde geplant, mit dem Zuzug des Partners Aba aus Aschaffenburg müsse der Standort zum Wohle aller Beteiligten vergrößert werden. Architekt Hanspeter Kottmair erläuterte die einzelnen Schritte, die zum Teil dreigeschossige Gebäude und ein Investitionsvolumen von mindestens 15 Millionen Euro vorsehen.

Stimmen die Stadtverordneten zu, soll zu Beginn des kommenden Jahres der Neubau ausgeschrieben, im Frühjahr verhandelt und bis Jahresende das meiste fertig gebaut sein. Neubau und Produktion würden 2012 parallel verlaufen. Nach dem Umzug 2013 will man die alte Fabrik abreißen und die Wohneinheiten angehen.

Wichtigste Voraussetzung für das Vorhaben ist eine Änderung des städtischen Flächennutzungsplans, der derzeit das Elb-Areal fast ausschließlich für Gewerbe vorsieht. Die Neuentwicklung würde dann Gewerbe-, Wohn- und Mischgebiete nebeneinander zulassen. Auch beim Emissionsschutz im Zusammenspiel von Wohnen und Arbeiten – beispielsweise Lärm – sehen die Elb-Planer keine Probleme. „Beides ist verträglich möglich“, heißt es. Über das Aussehen der Wohneinheiten liegen bisher noch keine Vorstellung vor. „Alle Haustypen sind denkbar“, sagt Uwe Hoffmann vom Planungsbüro für Städtebau aus Groß-Zimmern. Fest ist dagegen das übergeordnete Ziel, kurze Wege zwischen Wohn- und Arbeitsplatz zu schaffen.

Bau der angrenzenden Südumgehung

Als strittig erweist sich noch der Beschluss, dass Elb beim zukünftigen Bau der angrenzenden Südumgehung alle Kosten übernimmt, um eine Beeinträchtigung des Wohngebiets zu verhindern. „Mit der Umgehungsstraße haben wir nichts zu tun. Das wollen und können wir im Bedarfsfall unter keinen Umständen leisten“, äußerte sich dazu ein Unternehmensvertreter. Anders sieht es beim Artenschutz aus: Die Zauneidechse, als bedrohte Art, müsste umgesiedelt werden, was vermutlich einen fünfstelligen Betrag verschlingt. „In den Rödern“ wurden bereits zwei Ersatzlebensräume ausgemacht.

Trotz der Informationsfülle zum Thema standen am Ende einigen Ausschussmitgliedern zahlreiche Fragen ins Gesicht geschrieben, die auch die Präsenz von Vertretern des Schleifmaschinenherstellers nicht zu beantworten vermochte. Eine lautete: Wird die parallele Entwicklung von Kaserne und Elb harmonieren oder eher konkurrieren? Ängste gibt es vor allem beim Wohnangebot. Fakt ist schon jetzt, dass die geplanten 150 bis 170 Wohneinheiten von Elb, die an der zukünftigen Mitarbeiterzahl von 250 ausgerichtet sind, den Bedarf bei weitem übersteigt und so den Babenhäuser Wohnungsmarkt beeinflusst. Zudem gibt es noch ungeklärte Finanzierungsfragen, etwa über die Kreisverkehrsplanung in der Edmund-Lang-Straße. Vor allem aber die Absicht, Sanierung und Firmenerweiterung mit dem Bau vieler Wohneinheiten einhergehen zu lassen, wirft Fragen auf.

Eine Empfehlung konnte der Ausschuss an diesem Abend nicht aussprechen, da das über 100-seitige Druckwerk, das über den Bebauungsplan Auskunft gibt, sich nicht innerhalb der Ausschusssitzung studieren ließ. Die Abstimmung wurde somit auf den kommenden Dienstag verschoben.

Quelle: op-online.de

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