Die bedient, die einst servierten

+
Werden diejenigen, die jetzt die Senioren zum DRK-Nachmittag bedienten, später auch noch solche Ehre erfahren?

Harpertshausen ‐ Um kurz vor 2 Uhr herrscht am Samstag Nachmittag in der Küche des DRK-Heimes rühriges Treiben: Fast zehn DRK-Helfer sind mit Tisch decken, Kuchen schneiden und verteilen oder Kaffee kochen beschäftigt. Von Michael Just

Letzteres entpuppt sich dabei ebenfalls als Handarbeit: In eine überdimensional große Filtertüte schüttet Marianne Klein immer wieder heißes Wasser nach um den riesigen Edelstahlbehälter darunter mit frisch aufgebrühtem Kaffee zu füllen. Der wird im Anschluss nach und nach auf elf große Kannen verteilt wird.

Der aufsteigende Kaffeeduft kündet vom Seniorennachmittag in Harpertshausen, den die Stadt und das DRK gemeinsam organisiert haben. Es ist der vorletzte von insgesamt fünf Seniorennachmittagen in Babenhausen, die seit Oktober in allen Stadtteilen stattfinden. Die letzte Kaffee-Runde steht am Wochenende in der Kernstadt an.

„Sie hat mich aber mitgeschleift“

Im Harpertshäuser DRK-Heim sind die ersten fleißigen Helfer schon um 13 Uhr zugange. Nur wenige Minuten später kommen auch schon die ersten Senioren obwohl es offiziell erst um 14 Uhr losgeht. „Wir haben Zeit“, lacht ein Rentner zu seinem „beizeitigem Auftreten“, einer älteren Dame ist ein „guter Platz für die Sicht aufs Bühnenprogramm“ wichtig. Auch die 85-jährige Lina Kriske ist gekommen. „In meinem Alter geht man eigentlich nirgendwo gerne mehr hin“, lacht die rüstige Rentnerin. „Sie hat mich aber mitgeschleift“, deutet sie auf ihre Tischnachbarin, die auch ihre Hausnachbarin ist. Als der Kaffee an den Tisch kommt ist Kriske froh, dass sie auch da ist. Zum einen erhofft sie sich ein paar unterhaltsame Stunden durch die Vorführungen, zum anderen trifft sie plötzlich Menschen, die sie schon länger nicht mehr gesehen hat. „Sie gehen gar nicht mehr spazieren“, sagt Kriske zu einer Frau, die am gleichen Tisch Platz nimmt. Deren Antwort, dass das Wetter dies grad nicht zulasse, lässt Kriske nicht gelten: „Das war davor auch schon besser“, entgegnet sie. Da die beiden Damen jeweils am gegenüberliegenden Ortsende wohnen beschließen sie, demnächst entweder mal „ruff“ oder mal „nunner“ zu kommen.

Abendessen zum Abschluss

Das über zwei Stunden währende Unterhaltungsprogramm kann sich sehen lassen: Unter anderem ist das dritte Schuljahr der Markwaldschule mit Liedern und Tänzen dabei und es gibt ein extra für diesen Nachmittag einstudiertes kleines Theaterstück der DRK-Theatergruppe. Unter dem Titel „Aufgepasst“ geht es um eine heitere Schulstunde. Seit Jahren fest zum Programm gehört Adam Knöpp: Der Harpertshäuser trat mit seinem Akkordeon gleich mehrfach als Begleiter von Gesangseinlagen, darunter von Hans Appel und Burkhard Schimpf als Nachtwächter auf. In ihrer Begrüßung lobte Bürgermeisterin Gabi Coutandin das heutige Miteinander von alt und jung, Ortsvorsteher Kurt Kratz erinnerte an den Tag des Ehrenamtes am Sonntag und dankte allen DRK-Aktiven.

Um halb sechs wartete zum Abschluss noch ein Abendessen mit Braten beziehungsweise Leipziger Allerlei auf die Besucher, bevor die 51. Senioren-Weihnachtsfeier in Harpertshausen zu Ende ging. „Mit Klein-Umstadt waren wir damals im Ostkreis die ersten, die so etwas anboten“, weiß Ortsvorsteher Kurt Kratz. Wie er sagt, lassen sich heute Senioren bedienen, die früher selbst bedient haben. Trat der DRK zu Beginn noch als alleiniger Veranstalter auf, so richtet man seit ein paar Jahren den Nachmittag zusammen mit der Stadt aus, was vor allem eine Kostenteilung bedeutet. Das üppige Abendessen und das große Programm, das mit der Verteilung von Rosen an alle Teilnehmer über 80 Jahren endete, sieht DRK-Vorsitzender Karsten Kratz als ein notwendiges Dankeschön in eigener Sache: „Viele, die hier sitzen, sind seit Jahren verwurzelt im DRK. Nicht wenige davon haben 1970 unser DRK-Heim noch mit ihren eigenen Händen errichtet.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare