Film-Autorin im Interview

„Befremden über Justiz“

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Film-Autorin Eva Schiller

Babenhausen - Der ZDF-Film über den Kampf einer Ehefrau für ihren als Doppelmörder verurteilten Mann hat nach Angaben des Senders „relativ viele“ Reaktionen hervorgerufen.

Die Zuschauer hätten sich nach der Ausstrahlung von „Mein Mann ist kein Mörder!“ in der Reihe „37 Grad“ überwiegend zustimmend geäußert, sagte die Film-Autorin Eva Schiller gestern. Anja Darsow, die in Babenhausen wohnende Frau des zu lebenslanger Haft verurteilten Mannes, will ein Wiederaufnahmeverfahren des Prozesses erreichen. Das Urteil war 2011 erfolgt. Bei Staatsanwaltschaft und Polizei in Darmstadt gingen zunächst keine neuen Hinweise ein. Die Homepage von Darsow verzeichnete im Anschluss an die Sendung rund 40.000 Zugriffe. Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei der Journalistin Eva Schiller nach:

Der Kampf einer Ehefrau für ihren als Doppelmörder verurteilten Mann bewegt ja viele Menschen hier im Rhein-Main-Gebiet. Haben Sie viele Reaktionen auf Ihre Sendung am Dienstagabend erhalten, sind Sie durch die Menge überrascht? 

Vor allem auf Facebook und per Mail haben sich viele Zuschauer gemeldet. Überrascht war ich von den fast durchweg positiven Reaktionen und von der großen Anteilnahme für Anja Darsow und ihre Familie. In der Reportage wollte ich den Zuschauern Raum für Zweifel geben, in jede Richtung, aber der Fall und das Auftreten von Frau Darsow scheinen überzeugt zu haben. Viele Zuschauer drücken ihr Mitgefühl für die Familie aus, aber auch ein Befremden über die Justiz und die Ermittlungsarbeit der Polizei.

Gibt es Hinweise bzw. Reaktionen, die Sie besonders beeindruckt haben? Warum? 

Heute Morgen habe ich die E-Mail eines Polizeibeamten gelesen und dachte zuerst, oh, der verteidigt sicher das Vorgehen von Polizei und Justiz. Aber im Gegenteil: Der Mann schreibt, dass Willkür und persönliche Motive - und seien es nur karrierefördernde Verurteilungen - allgegenwärtig seien. Auch hat es mich gerührt, wie viele Menschen Anja Darsow Mut zusprechen und ihr helfen wollen. Zuschauer wenden sich diesbezüglich sowohl an uns als auch an Frau Darsow selbst: Ihre Homepage steht kurz vor dem Kollaps!

Wie nehmen die Zuschauer Kontakt mit Ihnen auf? Was passiert jetzt mit den Reaktionen - werden die noch aufgearbeitet? 

Die Zuschauer nehmen sowohl per Mail als auch via Facebook und Telefon Kontakt zu uns auf. Wir sammeln die Reaktionen und beantworten sie.

Noch eine sehr persönliche Frage: Ist Ihnen der Fall als Journalistin, die sich ja schon oft mit sehr emotionalen bzw. bewegenden Themen beschäftigt hat, nahe gegangen - ist er gar etwas ganz Besonderes? 

Der Fall hat mich von allen inländischen Themen und Geschichten, über die ich bisher berichtet habe, mit Abstand am meisten bewegt. Die Frage „Ist Andreas Darsow ein Mörder - oder nicht?“ hat mich über Monate verfolgt, sei es bei Recherchen, unter der Dusche oder in Gesprächen mit Freunden und Kollegen. Gerade in der Endphase der Dokumentation haben mich die brutalen Morde sogar bis in die Träume verfolgt. Abgesehen davon, dass so ein Fall unter die Haut geht habe ich auch ein sehr enges Verhältnis zu Anja Darsow entwickelt. Ich bewundere sie, wie sie uneingeschränkt für ihren Mann kämpft, ganz nebenbei Geld verdient und ihre drei Kinder liebevoll großzieht.

Doppelmord in Babenhausen: Prozessauftakt

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Quelle: op-online.de

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