„Bei uns bewegt sich etwas“

Drei Gründe zu feiern beim SV 58 Sickenhofen

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Neuer Jugendraum, neues Damenteam, eine Gedenktafel und ein Qualitätssiegel für Integration: Beim SV 58 Sickenhofen gibt´s viel zu feiern.

Sickenhofen - Nicht einen oder zwei, nein mindestens drei Gründe gab es für den SV 58 Sickenhofen zu feiern. Das Sportgelände verwandelte sich jetzt zur Festmeile, wo Aktive und Gäste, Sportler und Bewegungsmuffel miteinander feierten. Von Ursula Friedrich

„Ein Gläschen Sekt?“ Gleich beim Betreten des Sportgeländes servierte die Damenmannschaft prickelnde Aperitifs. „Im August startet unsere neue Frauenmannschaft in die Saison“, sagte Jugendtrainer Ahmet Ögretmen – die 16 jungen Frauen aus vielen Nationen bereiten sich seit einigen Monaten auf ihr Debüt vor.

„Bei uns bewegt sich was“, gab der Vorsitzende Jörg Luithardt die Parole aus. So wird der SV in die kommende Fußballsaison erstmals mit einer eigenen Jugendabteilung starten. Von der Bambini-Elf bis zur B-Jugend kann der Sportverein eigenständige Mannschaften aufbieten – und kündigte zum Verdruss der Hergershäuser Kicker die bestehende Spielgemeinschaft auf.

Mannschaftskabinen und Fitnessraum strahlen im neuen Glanz

Die Jugend hat sogar einen eigenen Raum, der feierlich eröffnet wurde. „Das war vorher ein Gerümpelschuppen“, zeigte Vereinsmitglied Willi Frank auf den kleinen Anbau, den er mit zahlreichen weiteren Helfern und Kindern zum attraktiven Jugenddomizil herrichtete. Auch das Funktionsgebäude, das 2006 an das Vereinsheim (anno 1966) in Eigenhilfe angebaut wurde, konnte nun renoviert und fertiggestellt werden. „Der Gebäudeteil war jahrelang ein Rohbau“, sagte Jörg Luithardt. Mannschaftskabinen und Fitnessraum strahlen nun im neuen Glanz, ebenso die Außenfassade. All das war dank ehrenamtlichen Einsatzes, vieler Privatspenden und gewerblichen Sponsorings möglich.

Um alles entsprechend zu würdigen wird das Vereinsheim mit einem kleinen Biergarten neben dem Sportbetrieb ab 1. August täglich geöffnet, und Besucher mit einer Vielzahl an Gerichten anlocken. „Die Hähnchen sind hier legendär“, warb der CDU-Landtagsabgeordnete Manfred Pentz, der sich unter die Feiernden mischte, für den Gastronomiebetrieb.

„Wir sind ein Stützpunktverein für Integration“

Der „kräftige Aufwind“, der den Verein beflügelt, hat auch die kleine Tischtennisabteilung ergriffen. „Erstmals seit Langem haben wir zwei spielfähige Teams in die Runde geschickt“, freute sich der Vereinschef. „Was gibt es Schöneres, als einen Verein, mit Leuten, die hier aufgewachsen sind, zu bestücken“, so Luithardt weiter. Der 260 Mitglieder starke Verein hat für seine Jugendabteilung eine Vereinsinitiative gestartet, die Vorbildcharakter hat. „Komm-Pass“, so der Arbeitstitel, ist ein Projekt, das zunächst unter dem Namen Agenda 2015 ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, jungen Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Religion und Herkunft, unter dem Dach des Sportvereins ein Zuhause zu bieten. „Wir sind ein Stützpunktverein für Integration“, sagte Koordinator Rainer Blümler.

„Ein gutes Vorbild für ganz Hessen“, lobte Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Integration, Gleichstellung und Fair Play werden groß geschrieben, „aber nicht erst seit gestern“, so der Koordinator der Initiative. Integration findet auf den Fußballplätzen seit langem statt: Über 50 Prozent der Trainer hat ausländische Wurzeln, der Großteil des neuen Damenteams einen Migrationshintergrund, der Jugendtrainer ist Kurde, auch das aktive Kader des Vereins ist bunt gemischt.

Fair-Play-Turnier im Herbst

Das Modell „Komm-Pass“ bündelt und koordiniert nun sportliche Integrationspolitik und soll auch anderen Vereinen Impulse geben. Um das Projekt noch bekannter zu machen, ist ein Internet-Auftritt geplant. Weiterhin gibt es Workshops zum Thema Integration, die Teilnahme am „Erloch-Fest“ am 31. August in Babenhausen, ein Fair-Play-Turnier im Herbst, ein Fonds zur Unterstützung sozial schwacher Familien und mehr.

Beim bunten Fest des SV Sickenhofen wurde jedoch nicht nur in die Zukunft geblickt, sondern der Blick auch in die Vergangenheit gerichtet. Am Feiertag wurde eine Gedenktafel enthüllt, die viele Namen ehrenamtlicher Mitglieder und Förderer des Vereins trägt. Jörg Luithardt dankbar: „Während wir die Zukunft planen, wollen wir die Vergangenheit nicht vergessen.“

Quelle: op-online.de

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