Nur beim Roggen gibt´s Hoffnung

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Der Obstanbau hat in diesem Jahr besonders unter dem Wetter zu leiden: Wie hier bei den Kirschen verlor Ludwig Geibel zum Teil 50 Prozent seiner Ernte durch Frostschäden.

Babenhausen/Groß-Zimmern - Gestern kam kühles Nass von oben, auch heute soll es regnen. Doch aus Sicht der Landwirte vermutlich zu wenig. „Das ist nur Gedröppel“, sagt Horst Grimm. Von Michael Just

Wie der Hergershäuser warten derzeit viele Landwirte händeringend auf ein paar Tage anhaltenden Regen, der das dringend benötigte Oberflächenwasser bringt. Letzteres war in den letzten Monaten Mangelware und bescherte in der Folge der Agrarwirtschaft eine derart trockene erste Jahreshälfte, wie sie seit vielen Jahren nicht mehr vorkam. „Seit März hat es im Prinzip nicht mehr richtig geregnet“, weiß Grimm.

Die Lage trifft die Babenhäuser Gegend besonders schlimm, da die Regenwolken hier regelmäßig vorbeiziehen und die lokalen Sandböden bereits den Begriff vom „Trockenland“ aufbrachten. Derzeit geben nicht wenige Felder ein Bild des Jammerns ab: Einige Ähren finden nicht mal den Weg aus der Ährenscheide. Andere Pflanzen bilden ein schnelle Notreife: Dann werden statt normal fünf oder sechs Trieben nur einer, zwei oder drei ausgebildet, was eine Überlebensstrategie ist: Fehlen Wasser oder Nährstoffe in großen Mengen, versucht sich das Gewächs in seiner Not so schnell wie möglich fortzupflanzen.

„Ich gehe schon gar nicht mehr auf den Acker um zu gucken“, beschreibt Grimm die desolate Situation. So verwundert seine Vorhersage nicht: „Auf den leichten Böden können die Einbußen in diesem Jahr bis zu 50 Prozent ausmachen.“

Rund 100 Hektar bewirtschaftet der Landwirt und kultiviert Wintergerste, Raps und Roggen. Für Wintergerste und Raps besteht eigentlich keine Hoffnung mehr auf Rettung. „Er steht schon bereit“, sagt Grimm und deutet auf das grüne Monster in seiner Scheune. Der Drescher kommt normalerweise erst Ende Juni zum Einsatz, dieses Jahr wird´s zwei Wochen früher.

Horst Grimm begutachtet die Vegetation auf seinem Feld. In diesem Jahr zeigen sich viele Körner geradezu als mickrig.

In einigen Regionen Deutschlands ist die Situation so verheerend, dass die Maschinen vielleicht ganz in der Garage bleiben. Das heißt, das Mulchen und damit das Umzackern dürfte billiger sein als die Kosten für den Lohndrescher. Hoffnung besteht noch beim Roggen, der zeitlich etwas später dran ist. Hier könnten ein paar Tage anhaltender Regen noch zu ein paar dicken Körnern führen. Dass ungewöhnliche Wetter 2011, das eine sehr frühe Wärme und kaum Regen brachte, wirft die Frage nach dem Klimawandel auf. An den glaubt Grimm nicht und führt die Überzeugung der Alten an, dass es Wetterkapriolen mit Dürreperioden schon immer gegeben hat. „Mit unseren Sandböden trifft es uns halt immer gleich besonders hart“, sagt er.

Ludwig Geibel, einer der größten Obstanbauer der Region aus Groß-Zimmern, sieht das Thema Klimawandel anders: Die Apfelsorte „Cox Orange“ hat er früher Ende September geerntet, jetzt pflückt er sie bereits um den 10. des Monats. „Ich spüre die Extreme. Der Obstanbau wird schwieriger“, sagt der Gärtnermeister. In diesem Jahr erlebte er eine Vegetation, die noch nie so früh dran war - mit verheerenden Folgen bei den Nachtfrösten. Von den jungen Kirschen und den Zwetschgen erfroren bei ihm 50 Prozent. „Das Steinobst ist am schlimmsten betroffen, bei den Äpfel ist die Lage etwas besser“, berichtet der 46-Jährige.

Grundsätzlich beinhalte der Obstanbau größere Risiken als die restliche Landwirtschaft. Vor allem der Frost ist ein gefährlicher Faktor. Da die schwere Kaltluft zu Boden fällt, überlebten viele Früchte und Blüten nur in den Baumspitzen. Insgesamt versucht man, Obstplantagen möglichst hoch und nicht in den Senken anzulegen. „Eins, zwei Grad können entscheidend sein“, erläutert Geibel. Wie er ergänzt, seien die Bäume durch die Trockenheit eh schon in schlechter Verfassung. Der Frost summiere das Ganze noch.

Laut dem Klein-Zimmner macht der Frost weniger aus, wenn die Vegetation wie gewohnt verläuft. Gefährlich werde die Sache immer dann, wenn zu früh ausgetrieben wird. Bei den Erdbeeren konnte Geibel mit Folien einen Teil retten. In punkto Trockenheit kann der Obstbauer mit Bewässerungsschläuchen auf seinen 25 Hektar etwas nachhelfen, auch wenn dies sehr kostenintensiv ist. „Stellen sie mal drei Leute ab, die wochenlang nichts anderes machen“, sagt er und kündigt für 2011 eines der schlechtesten Erntejahre seit langem an: „Bei Erfrierungen hilft auch kein Regen mehr. Das ist für dieses Jahr vorbei“, sagt Geibel und ergänzt: „2012 geht die Lotterie von neuem los.“

Quelle: op-online.de

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