„Beitrag zum Heimatbewusstsein“

+
80 Jahre beim TSV Harreshausen sind Margarete Burkhardt und Mathilde Sydlik (von links). Mit 92 und 89 Jahren gehörten sie damals zu den Mädchen der ersten Turnriege.

Harreshausen - Wenn die Fahne des hessischen Fußball-Verbandes (HFV) und die des Landessportbundes (LSB) an der Wand hängen, eine große Bühne von Dutzenden von blühenden Veilchen verziert wird und nahezu die komplette Mehrzweckhalle dicht bestuhlt ist, dann muss der Anlass ein besonderer sein. Von Michael Just

Und so war es am Sonntagmorgen auch. Vor 100 Jahren erreichten die Ideen von Turnvater Jahn Harreshausen und führten zur Gründung des TSV. Am Wochenende starteten die Turn- und Ballsportler mit einer akademischen Feier ins Jubiläumsjahr.

Dem Festakt war ein Gottesdienst vorangestellt. Dessen Eröffnung gestaltete eine kroatische Folkloregruppe. Gleich darauf begrüßten TSV-Vorsitzender Hans-Jürgen Burkhardt sowie Schirmherrin Dr. Susan Schubert (Michelsbräu) die Gäste. Die Glückwünsche des Kreises überbrachte Beigeordneter Uwe Bülter. „Ehre und Anerkennung verdient Ihre beispiellose Arbeit im Breitensport. Dazu leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Heimatbewusstsein in Harreshausen, Babenhausen und im Kreis“, sagte er. Für das nun neu beginnende Kapitel beim TSV stellte Bülter den Buchstaben „M“ in den Mittelpunkt: „Mitmachen, Mithelfen, Mitreden, Miteinander mehr erreichen.“

Der Kreisvertreter überreichte im Namen des hessischen Ministerpräsidenten die silberne Ehrenplakette des Landes. Bürgermeisterin Gabi Coutandin hatte zur Feier des Tages die Amtskette der Stadt angelegt. „Sensationell“, sagte sie zu der Tatsache, dass der Verein 400 Mitglieder zählt. Das bedeute im kleinsten Stadtteil mit seinen 1 200 Einwohnern, dass jeder Dritte beim Turn- und Sportverein ist. Zwei Weltkriege und alle folgenden politischen Umbrüche habe der Verein überstanden. Heute überwinde man Unterschiede beim Alter und der Religion. Damit präsentiere sich der TSV laut Coutandin als virtueller Dorfmittelpunkt.

Ortsvorsteherin Heidrun Koch-Vollbracht machte auf eine Lücke in der Statistik aufmerksam: So wisse man zwar, dass es in Deutschland rund 10 000 Personen über 100 Jahre gebe, über die Anzahl hundertjähriger Vereine sei aber nichts bekannt. Da „Blumen vergehen, Wein getrunken wird und Geldgeschenke derzeit schwierig sind“, übergab sie einen „Stein der Weisheit“. Er soll an die Tugenden Wissen, Energie, Ideen, Herausforderung, Einheit, Integrität und Toleranz erinnern. Vorsitzender Hans-Jürgen Burkhardt versprach, dass der Stein im Vereinsheim einen zentralen Platz bekommt. Der Vorsitzende des Turngau Odenwald, Ludwig Heist, erinnerte daran, dass einst 40 Burschen den TSV gründeten. Habe man zu Beginn noch in der Gaststätte geturnt, sei es 1930 früh gelungen, die erste Turnhalle einzuweihen. Neben der Plakette des Deutschen Turnerbundes für den Verein erhielten vom Turngau Odenwald Wolfgang Bauer die silberne sowie Monika Müller und Winfried Döring die goldene Ehrennadel des Turngaus.

Heinz Zulauf vertrat sowohl den HFV, den LSB, den Kreisfußballausschuss sowie den Sportkreis 34 Dieburg, für die er ebenfalls Urkunden und Plaketten zum 100-Jährigen überreichte. Bei aller Wertschätzung für die Geschichte erinnerte er daran, dass der TSV den Blick konsequent auf die Zukunft richten muss, um die Ansprüche der Mitglieder zu befriedigen und vor den kommenden Generationen zu bestehen. Für die Vereine forderte er öffentlich Gelder als Hilfe zur Selbsthilfe. „Nur so können diese ihre sozialen und gesellschaftlichen Aufgaben erfüllen.“

Für ihre Verdienste ehrte Zulauf Hans-Jürgen Burkhardt, Manfred Horn, Karl-Heinz Braun, Norbert Sydlik, Heiner Kresz, Eberhard Schäfer, Christiane Gräf, Laura Scholz, Alfred Funk, Klaus Wolf, Geselinde Mohr, Heike Gall, Gerda Funk, Heidi Gößler, Erika Münch und Gerlinde Mahr.

Beim Festakt kam vor allem dem Vorstand um Hans-Jürgen Burkhardt, Christiane Gräf, Laura Scholz und Thomas Wollschläger immer reichlich Lob zuteil. Die deutlichsten Worte fand Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Sie bezeichnete Gräf als die gute Seele des Vereins und Burkhardt als einen gründlichen Denker, der Chancen und Risiken abwäge, um dann eine sachliche und kompetente Entscheidung zu treffen.

Bei den Vereinsehrungen konnte der TSV mit einer kaum zu übertreffenden Besonderheit aufwarten: So sind Ilse Larass, Margarethe Burkhardt und Mathilde Sydlik seit 80 Jahre im Verein. 65 Jahre treu sind Karl-Heinz Horn und Ernst Rauschenbach. Reinhild Pöschl ist 60 Jahre dabei, ein halbes Jahrhundert Walter Kratz, Alfred Funk sowie Else und Rainer Hartmann.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare