Beitrag zur Sicherheit

Arbeit des Präventionsrates trägt Früchte

Babenhausen - Der 2010 gegründete Präventionsrat stellte im Rathaus die Ergebnisse seiner Arbeit vor. Die Bereiche, in denen sich die Gruppe ehrenamtlich betätigt, sind vielfältig. Von Stefan Scharkopf

Immer wieder das gleiche Bild: Die Handballer der SG Rot Weiss bauen am Altstadtfest ihren Stand hinter der Stadtkirche auf, feiern mit ihren Gästen fröhlich.

Doch etwas trübt die Stimmung: Auf der anderen Seite der Mauer gibt es – getrennt vom Rummel – Jugendliche, die in der Straße An der Stadtmauer ihr eigenes Ding drehen. Die Straße ist gesperrt und die jungen Leute oder deren etwas ältere Freunde parken ihre Autos auf dem Parkplatz Grünewald, lauschen der Musik der Handballer und bedienen sich aus dem Kofferraum – gerne mit hochprozentigen Alkoholika. Bei Ruhestörungen oder Sachbeschädigungen, zum Beispiel herausgerissene Blumen etc., wird den Rot-Weissen der Schwarze Peter zugeschoben. Obwohl sie mit dieser Klientel nichts zu tun haben.

Ein Dilemma, das schließlich in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt und dem Präventionsrat gelöst wurde: Die Handballer hatten jetzt zum dritten Mal ihren Stand im Schlosspark, der bestens einsehbar ist, die Straße An der Stadtmauer ist nicht mehr gesperrt, das Altstadtfest endet an der Kirche und es gibt Alterskontrollen.

2010 gegründet

Die Änderung ist ein Ergebnis der Arbeit des 2010 gegründeten Präventionsrats. Dessen ehrenamtlicher Geschäftsführer Heiko Duda, der auch das Ordnungsamt der Stadt leitet, stellte am Dienstag zusammen mit Stadtjugendpfleger Michael Spiehl vor einer Handvoll Bürgern im Rathaus die Arbeit des Präventionsrats vor.

Das Gremium wurde seinerzeit gegründet, weil eine Serie von Überfällen in Babenhausen im Winter 2009/10 zu Diskussionen über die Sicherheitslage in der Stadt geführt hatte. Der Rat versteht sich als Netzwerk zwischen Behörden (Stadt, Polizei, Feuerwehr), Schulen, Kindergärten, Vereinen und dem Interessenkreis Behinderter Menschen.

Die Vertreter im Präventionsrat nehmen freiwillig und unentgeltlich an drei bis vier Sitzungen pro Jahr teil, um sich auszutauschen und gezielt präventive Maßnahmen für alle Bürger zu fördern. „Wir sind aber keine Gangsterjäger“, stellt Duda klar.

"Kultur des Hinsehens"

Aber es müssen auch nicht unbedingt Ganoven sein, um die sich der Präventionsrat kümmern will. Vielmehr gilt es, den Gemeinschaftssinn, ein Miteinander und eine „Kultur des Hinsehens“ in der Stadt zu stärken. Die Arbeit wird als Vorbeugung und gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen. Dazu gehören Jugendhilfe und Kriminalprävention, das frühzeitige Erkennen von Problemen und Fehlentwicklungen, Suchtvorbeugung und die Erhöhung des Sicherheitsgefühls für alle Bürger.

Die Überfallserie in Babenhausen hatte – obwohl schnell aufgeklärt – für ein Gefühl der Bedrohung bei vielen Bürgern gesorgt. Der damalige Leiter des Polizeipräsidiums Südhessen, Helmut Biegi, und der Leiter der Polizeistation Dieburg, Klaus Pauls, legten aber anhand der Kriminalitäts-Statistik des Landkreises Darmstadt-Dieburg dar, dass die Sicherheitslage in Babenhausen gut sei.

Der Präventionsrat debattierte seit seiner Entstehung nun verschiedene Maßnahmen, wie Rahmenbedingungen weiter verbessert werden können. Themen waren dabei auch der freiwillige Polizeidienst oder das Ringmaster-Frühwarn-System. Beides wurde letztlich abgelehnt, weil die Folgekosten zu hoch schienen.

Kinder, Fahrräder, Alkohol

Einiges, das auf der Agenda des Präventionsrats stand, ist mittlerweile angelaufen oder angeboten worden. So gab es Aktionen zur Förderung der Integration im Erloch und es wurde dort eine Anlaufstelle und ein Hausmeistertreffen eingerichtet, wie Michael Spiehl berichtete. Es gab ferner Veranstaltungen zum Thema „Kinder stark machen“, Verkehrskontrollen mit dem Nachwuchs oder Fahrradcodierungen durch die Polizei. Das Thema Alkoholmissbrauch wurde ebenfalls debattiert.

Im Bereich der sogenannten kommunalen Kriminalitätsprävention müssen Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, Sozialstunden ableisten. Jährlich acht bis zehn junge Männer – hier und da auch eine junge Frau – erledigen dies in Babenhausen.

Babenhäuser feiern Altstadtfest

Babenhäuser feiern Altstadtfest

Wenig Resonanz seitens der Jugendlichen gab es dagegen bei der Präventionswoche im November 2011 als es um Chancen und Risiken im Umgang mit den neuen Medien ging. Aber: „Wir lassen uns dadurch aber nicht entmutigen“, sagte Jugendpfleger Michael Spiehl. Das Thema wird sicher noch einmal angeboten.

Quelle: op-online.de

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