Ein besonderes Verhältnis

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Für ihr Projekt kommen Lehrer und Schüler ganz schön rum: Kürzlich waren sie in Lissabon und besuchten den Safaripark und das Ozeanarium.

Babenhausen - Wer weiß schon so genau, wie der Fleischkonsum den Regenwald beeinflusst, oder welche Tiere auf dem Schulhof leben? Diesen und ähnlichen Fragen gehen Babenhäuser Schüler nach. Von Christina Schäfer

An der Joachim-Schumann-Schule laufen die Fäden für das europäische Comenius-Projekt „ELMA: Mensch und Tier - ein besonderes Verhältnis“ zusammen. Lehrer Andreas Murmann und sein Kollege Joachim Grimm koordinieren dabei nicht nur das Geschehen in der Gersprenzstadt, sondern der insgesamt vier teilnehmenden Einrichtungen. Partner sind die Escola Secundária D. Dinis in Lissabon, das Lycee Polyvalent Albert Calmette in Nizza sowie die Tillbergaskolan in Västrås in der Nähe von Stockholm. Das Konzept für ELMA haben Lehrer und Schüler bereits ausgearbeitet, jetzt warten sie auf grünes Licht von offizieller Seite - der Deutschen Agentur des pädagogischen Austauschdienstes.

Die Idee, sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier auseinander zu setzen, hatten die Teilnehmer bereits beim vorherigen Comenius-Projekt. Im Zuge der Abschlusskonferenz in Bulgarien, besuchten die Schüler den zweitgrößten Zoo des Landes - und waren entsetzt: Kleine Gehege, kaputte Zäune, kahle Lebensräume. Nun wollen die Schüler unter anderem Zoos der teilnehmenden Länder genauer unter die Lupe nehmen und die Bedingungen, unter denen die Tiere leben, untersuchen. „Am Ende soll ein gemeinsamer Entwurf für einen optimalen Zoo auf Grundlage des bulgarischen Zoos stehen“, erklärt Andreas Murmann.

Comenius-Projekt auf zwei Jahre ausgelegt

Mit ihrer Idee hat die Joachim-Schumann-Schule auf der Partnerbörse für Comenius nach Partnern gesucht. „Ganz viele haben sich gemeldet“, so Murmann. Ein erstes Treffen der Projektleiter gab es bereits in Nizza. „Das alles nur über E-Mail zu koordinieren ist total kompliziert, vor allem, wenn man sich noch nicht kennt.“ Die Chemie zwischen den Lehrern stimmt. „Wir waren gleich auf einer Wellenlänge.“ Auch einige Schüler haben sich bereits bei einem Besuch in Lissabon im März kennen gelernt. Ganz ohne Zuschüsse, auf eigene Kosten ging der Trip, bei dem auch ein Besuch im Safaripark und Ozeanarium auf dem Programm stand.

Das Comenius-Projekt ist auf zwei Jahre ausgelegt, Acht- und Neuntklässler arbeiten vor Ort in Gruppen im Wahlunterricht an dem Projekt und tauschen sich dann bei Konferenzen mit den ausländischen Schülern aus. An der Joachim-Schumann-Schule widmen sich 130 Schüler dem Thema „Mensch und Tier - ein besonderes Verhältnis“, insgesamt sind es etwa 400 an vier Schulen.

Ziel ist es, dass die Schüler verschiedene Arbeitstechniken kennen lernen oder sich mit naturwissenschaftlichen Untersuchungen auseinander setzen. „Eine Aufgabe wird es auch sein, die Populationsgröße von Schnecken auf dem Schulhof zu ermitteln“, sagt Murmann. Um die Artenvielfalt auf dem Gelände der Joachim-Schumann-Schule zu dokumentieren, sollen die Kinder mit dem Foto losziehen. Auch ein Vortrag von zwei Mitarbeiterinnen des WWF in puncto Regenwald hätten für ordentliche „Aha-Effekte“ gesorgt, so Murmann. Informationen zum Thema Biodiversität über die Rolle von Zoos und Naturparks bei dem Erhalt der Artenvielfalt gab es bereits von Fachleuten im Senkenberg-Museum aus erster Hand. Auch im Supermarkt und Vivarium haben sich die Projekt-Teilnehmer auf Spurensuche gemacht. Anhand einer fiktiven Insel haben die Schüler zudem in Excel Algenwachstum und den möglichen Fischfang berechnet.

Für Oktober erster Besuch in Lissabon geplant

Bei den Konferenzen stellen sich die Schüler den Herausforderungen. „Wir bringen immer andere Kinder nach Hause von den Konferenzen als wir vorher mitgenommen haben“, erklärt Andreas Murmann mit einem Schmunzeln. Die Schüler gewinnen an Selbstbewusstsein.

Für Oktober ist ein erster Besuch in Lissabon geplant, dort sollen die ersten Ergebnisse präsentiert werden. „Die Schüler müssen das Konzept mit Leben füllen“, erklärt Murmann. So erstellen die Acht- und Neuntklässler auch einen Fragebogen zum Thema Haustiere. Alles stets in Teamarbeit. „Wir erklären, dass es so ist, wie in einer Firma. Das Team ist verantwortlich für sein Projekt und was dabei rauskommt.“ Im April 2011 soll es nach Schweden gehen, im November 2011 nach Frankreich, bevor im April in Babenhausen ELMA zu Ende geht.

Quelle: op-online.de

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