Eltern suchen nach Lösungen

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Noch krabbeln die beiden bei Mama und Papa. Demnächst werden Kinder zwischen einem und drei Jahren Betreuungsmöglichkeiten brauchen.

Hergershausen - „Ich baue doch nicht hier, wenn ich dann mein Kind nach Babenhausen in den Kindergarten bringen muss“, sagte eine aufgebrachte Mutter. „Ein neuer Kindergarten war doch im Bebauungsplan neben der Schule eingezeichnet. Von Petra Grimm

„Wieso darf man den jetzt einfach weglassen?“, fragte eine andere. An eine Bürgerversammlung erinnerte die jüngste Ortsbeiratssitzung in der Alten Schule. Da Zuschauer dabei eigentlich kein Rederecht haben, unterbrach Ortsvorsteher Horst Grimm die Sitzung offiziell, um die Bürger in die Debatte einzubinden.

Gut 30 Hergershäuser, mehrheitlich junge Mütter und Väter, hatten sich eingefunden, um ihrem Anliegen – dem Wunsch nach mehr Kinderbetreuungsplätzen im Ort – Nachdruck zu verleihen. Denn durch den Zuzug junger Familien ins Neubaugebiet, aber auch in den alten Ortskern, reichen die bestehenden Kita-Plätze nicht aus. So lautet auch die Begründung der CDU im Ortsbeirat, die einen Antrag einbrachte, wonach der Magistrat gebeten werden soll, die Erweiterung beziehungsweise einen Neubau des Kindergartens im Ortsteil zu prüfen. Dem Antrag stimmten alle Fraktionen im Ortsbeirat zu. Er wurde noch um den Zusatz erweitert, dass auch die Eignung alternativer Räumlichkeiten, beispielsweise in der Alten Schule, geprüft werden soll. „Denn wir brauchen eine kurzfristige Lösung vor allem für die U3 Kinder und müssen schnell geeignete Räume finden. Jetzt haben wir das Problem und nicht in zehn Jahren“, sagte der Ortsvorsteher. Derzeit werden sechs U3-Kinder in der ASB-Kita im größten Ortsteil betreut.

Zu wenig Erzieherinnen

„Bis August werden es in Hergershausen 41 Kinder von einem bis drei Jahren sein. Wenn davon 35 Prozent einen Platz bekommen sollen, werden 14 Plätze benötigt. Das wären zwei Gruppen, denn nach den gesetzlichen Vorgaben müssen zehn U3-Kinder von zwei Erzieherinnen betreut werden“, erläuterte 1. Stadtrat Kurt Lambert. Für die Stadt seien vor allem die laufenden Kosten durch das zusätzliche Personal ein Problem. Außerdem gebe es im Moment auch zu wenig Erzieherinnen. „Die Kommunen machen sich da schon gegenseitig Konkurrenz“, sagte er. Die Hergershäuser Eltern, die bereits eine Unterschriftenaktion gestartet hatten, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen, haben sich auch Gedanken um Lösungsmöglichkeiten gemacht.

So hat Simone Ullrich, Mutter von zwei kleinen Kindern, gemeinsam mit dem Verein Herigar und einer Vertreterin des Jugendamtes, die Räume in der Alten Schule angeschaut. Hier könnten nach den nötigen Umbaumaßnahmen zehn Krippenkinder betreut werden. Außerdem gibt es drei pädagogisch ausgebildete Frauen, die die Betreuung übernehmen würden. Nach der Idee der Eltern könnte ein Betreuungsverein gegründet werden, der die Sache managt. Mit der derzeitigen Situation wollen sie sich nicht abfinden, auch wenn die Stadt aus Langstadt oder Sickenhofen ähnliche Anliegen auf dem Tisch hat, wie Lambert sagte.

Kinder aus Hergershausen haben Vorrang

Der Ortsbeirat und die Neubürger, die mit dem Hinweis auf die gute Infrastruktur auch „angeworben“ wurden, haben ein Argument auf ihrer Seite, das nicht von der Hand zu weisen ist. Denn die Alteigentümer haben bei der Erschließung des Neubaugebietes acht Euro pro Quadratmeter für Naturschutz-Ausgleichsflächen und Infrastruktureinrichtungen, wie Kinderbetreuungsplätze, bezahlt. So kamen über 800.000 Euro zusammen. Abzüglich der Mittel für die Ausgleichsflächen bleiben noch 483.000 Euro übrig. Die sollten nach Meinung der Eltern jetzt auch in die fehlenden Kinderbetreuungsplätze investiert werden.

Insgesamt gibt es 90 Plätze in der Hergershäuser Kita. Das sind auf dem Papier drei Gruppen mit 25 Kindern und eine Gruppe mit 15 Zwei- und Dreijährigen. „Aber die Zahl der Plätze verringert sich beispielsweise durch die Aufnahme von Integrationskindern. Denn dann wird die Gruppengröße reduziert“, sagte Martina Barz, die beim ASB für die Kitas in Babenhausen zuständig ist, gegenüber unserer Zeitung. Unmut äußerten die Eltern über das für sie wenig transparente Aufnahmeverfahren auch der Dreijährigen. „Das geht über ein Punktesystem. Nach verschiedenen Kriterien wird eine bestimmte Anzahl von Punkten vergeben. Vorrang haben dabei Kinder, die aus Hergershausen kommen, Geschwisterkinder und Kinder, die mit drei Jahren innerhalb der Kita von der Kleinkindgruppe in eine andere Gruppe wechseln“, erklärte Martina Barz. Lambert verwies auf ein Treffen der Stadtverwaltung mit dem ASB noch im Mai, bei dem unter anderem auch die Kritik einiger Eltern am pädagogischen Konzept des ASB zur Sprache kommen werde.

Quelle: op-online.de

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