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Klassischer Betrug im Internet

Babenhausen - Das Geschäft wirkte seriös, Familie H. aus Babenhausen beging eigentlich keine groben Fehler und dennoch muss sie sich am Ende als Betrugsopfer bezeichnen lassen. Von Daniel Schmitt

„Wir wollen alle Unwissenden, zu denen wir auch gehört haben, informieren, wie ein scheinbar seriös wirkendes Geschäft trotzdem in die Hosen gehen kann“, hieß es in einer E-Mail an unsere Zeitung. Die Geschichte: Familie H. stellte ihren iPod für 200 Euro zum Verkauf beim kostenlosen Kleinanzeigenportal Quoka.de ein. Auf das Angebot reagierte eine Frau aus Italien. Nach mehreren E-Mails, die die beiden Parteien austauschten, hatte man sich schließlich auf einen Ablauf des Geschäfts geeinigt.

Die Italienerin aus Caserta sollte 200 Euro (plus Porto) an ihre Bank „banco di sicilia“ überweisen. Die Bank, die in diesem Fall als eine Art Zwischenhändler zu verstehen ist, sollte dann Familie H. benachrichtigen, wenn das Geld eintrifft. Die Babenhäuser mussten im Gegenzug nur das Paket losschicken. So weit, so gut: Noch kam bei Familie H. kein Verdacht auf. Die Sicherheit schien gewährleistet. Doch die vermeintliche Bank - es dürfte sich nicht um die echte „banco di sicilia“ gehandelt haben, die nach einer Fusion 2010 mittlerweile zur UniCredit-Bank gehört - machte einen Strich durch die Rechnung.

Nachdem das Paket seine Reise angetreten hatte, kamen plötzlich Forderungen auf. Zuerst über 125 Euro, später wurde die Summe auf 99 Euro reduziert. Der Betrag sollte auf ein nigerianisches Konto überwiesen werden. Ein Grund wurde auch genannt: Angeblich habe die Bank zuvor versehentlich zu viel Geld der italienischen Käuferin an Familie H. überwiesen. Sie habe zwar versucht, den Transfer zu stoppen, es sei aber zu spät. „Wir hatten nichts auf unserem Konto“, berichtete Familie H., die nun ahnte, dass etwas gehörig schief läuft. Sie gingen nicht auf die E-Mails ein. Selbst als die Bank mit einer Gefängnisstrafe drohte, wenn innerhalb der nächsten zwei Stunden nicht bezahlt werde, behielten die Babenhäuser die Nerven.

„Klassischer Fall von Waren- und Kreditbetrug“

Sie wendeten sich an die Polizei in Dieburg und zeigten den Schwindel an. „Das ist ein klassischer Fall von Waren- und Kreditbetrug, den es leider öfters gibt“, meinte Andrea Löb von der Pressestelle der Polizei. „Wir konnten feststellen, dass der iPod zugestellt wurde.“ Zur genannten Frau aus Italien gebe es aber keine Infos. Die Polizei hat die Ermittlungen mittlerweile der Staatsanwaltschaft übergeben. Familie H. wandte sich in ihrer misslichen Lage auch an Anbieter Quoka.de. Mehr als eine Entschuldigung per E-Mail und ein Angebot für Hilfe bei einer Rechtsberatung kam dabei aber nicht heraus.

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Dass der Vorfall am Ende doch noch einen erfreulichen Abschluss fand, war der Rechtsschutzversicherung von Familie H. zu verdanken. Diese bezahlte 150 Euro für den entstanden Verlust des iPods. „Damit hatten wir gar nicht mehr gerechnet. Es war zumindest ein positiver Abschluss dieses Falls“, sagten die Babenhäuser, die sich durch die Schilderung des eigenen Missgeschicks erhoffen, andere Menschen vor solchen Betrugsfällen zu bewahren: „Wir haben am Ende nur 65 Euro verloren, das kann man verschmerzen. Vor allem aber kostet so etwas viele Nerven.“

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Quelle: op-online.de

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