Bewegung für Körper und Geist

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Durch die Zusammenarbeit des Demenzservicezentrums Groß-Zimmern mit Sportvereinen im Kreis wird derzeit ein neues Konzept zur Integration von Demenzkranken umgesetzt. Das Angebot wird vom Rotary-Club Dieburg-Babenhausen sowie der Sparkasse Dieburg finanziert. Unser Bild zeigt von links Sparkassendirektor Markus Euler, Rotary-Vorsitzender Jürgen Geyer, Martina Müller sowie den Rechner der Rotarier, Wolfgang Traiser. 

Darmstadt-Dieburg/Babenhausen - Einer immer älter werdenden Gesellschaft tragen jetzt der TV Babenhausen und das Demenzservicezentrum (DSZ) in Groß-Zimmern Rechnung. Mit Sportvereinen aus dem Landkreis wird eine Zusatzqualifikation für Übungsleiter und Trainer angeboten. Von Michael Just

Im Mittelpunkt der Seminare stehen dabei Bewegungs- und Gedächtnisprogramme. Die fünf Ausbildungstage, für die es ein Zertifikat gibt, beinhalten neben einem speziellen Koordinations- und Gedächtnistraining die Bereiche Tanz, Sturzprävention und Kundalini-Yoga. Ziel ist es, in den frühen Demenzstadien die restlichen Gesundheitsressourcen auszuschöpfen sowie die Betroffenen sozial zu integrieren. Dabei stehen nicht die Defizite im Mittelpunkt, sondern das Können. „Mit der neuen Idee wird zudem die Stressminderung und Lebensqualität der pflegenden Angehörigen verbessert“, weiß Martina Müller vom DSZ. So sollen diese in den angebotenen Kursen der Vereine gleichzeitig ein auf sie abgestimmtes Entspannungstraining vorfinden.

Entwickelt wurde das Projekt vom Landessportbund Hessen und der Diakonie in Hessen/Nassau. Das hessische Sozialministerium finanziert die Umsetzung, jedoch nur dort, wo die Angebote für Demenz noch in den Kinderschuhen stecken. Das ist im Landkreis Darmstadt-Dieburg nicht der Fall. So machte sich Martina Müller auf die Suche nach Sponsoren und wurde beim Rotary-Club Dieburg-Babenhausen und der Sparkasse Dieburg fündig. Mit einer Unterstützung von 4 .500 Euro trägt dabei der Rotary-Club rund 80 Prozent der Kosten für das dreijährige Projekt. „Wir wollten etwas mit Nachhaltigkeit unterstützen. Das ist ein Problem mit großer Brisanz, das da auf uns zurollt“, sagte der Vorsitzende der Rotarier, Jürgen Geier, mit Blick auf die 200 .000 Demenz-Neuerkrankungen im Jahr.

Befürchtung, dass Betroffene die Öffentlichkeit scheuen

Bisher gibt es für das Projekt 16 Teilnehmer aus Sportvereinen aus dem gesamten Landkreis, darunter auch zwei Mitglieder des TV Babenhausen. Laut Vorsitzendem Bert Bernhardt nehmen die Senioren derzeit rund ein Viertel der TV-Mitglieder ein. Dementsprechend groß seien die Kurse für Senioren, die sich in Gruppen wie Herz, Wirbelsäule, normale Gymnastik und auch bald wieder in Osteoporose gliedern. Vor allem nach dem Bau der neuen Halle geht Bernhardt von zusätzlichen Angebotsmöglichkeit im Seniorenbereich aus. Das Augenmerk auf Demenz hält er für gut, dennoch befürchtet er, dass sich Betroffene ins Private zurückziehen und die Öffentlichkeit scheuen. „Die Frage ist, ob jemand von der Zielgruppe im Verein auftaucht oder nach der Diagnose weiter kommen wird“, sagt er. Hoffnung gibt ihm die Tatsache, dass das Konzept auch die pflegenden Angehörigen für die Turnstunde mit anspricht.

Laut Martina Müller ist es das Ziel, dass künftig möglichst viele Vereine im Kreis interne Gruppen organisieren, die Demenz-Erkrankte berücksichtigen. Dabei sollen die Erkrankten nicht isoliert werden. Im Gegenteil: Es gilt, dass Gesunde und Kranke zusammen trainieren und so ein möglichst breites Spektrum an älteren Menschen mit unterschiedlichen Auffassungsgaben vereinen. Dazu kann die Teilnahme bei den Pflegekassen angemeldet und abgerechnet werden.

Quelle: op-online.de

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