Bewerbungsworkshop

„Zigarettenqualm geht gar nicht“

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Um einen Weg aus der Arbeitslosigkeit zu finden, ist die richtige Bewerbung entscheidend. Was ansprechend ist und was nicht, erläutern Experten beim Workshop. Hayat Allous (links) gab den Arbeitssuchenden wertvolle Tipps, um im Berufsleben Fuß zu fassen. Sylvia Kloetzel von der städtischen Wirtschaftsförderung und Roman Gebhardt vom Kommunalen Jobcenter standen ihr dabei hilfreich zur Seite.

Babenhausen - Arbeitslosigkeit – dieses Wort scheint vielen ganz fern zu sein, kann aber schneller relevant werden als gedacht. Von Corinna Hiss 

Da ist eine dreißigjährige Frau mit Berufsausbildung, die ihre Arbeit der Kinder wegen unterbrochen hat und nun händeringend ins Berufsleben zurückfinden will. Eine andere war jahrelang als Bürokauffrau tätig, eine dritte im Vertrieb, träumt aber schon lange von der Selbstständigkeit.

Eine ausgewählte Gruppe Arbeitssuchender traf sich gestern zum Bewerbungsworkshop, der von der städtischen Wirtschaftsförderung organisiert war. Der Workshop war Teil des Projekts „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“, das eng mit dem Kommunalen Jobcenter zusammenarbeitet. Erstmals wurden dabei Arbeitnehmer und Arbeitgeber direkt zusammengeführt: Zwei Babenhäuser Firmen gaben den Teilnehmern aus erster Hand Tipps für die richtige Bewerbung. Auch Rosemarie Lück, Erste Kreisbeigeordnete, lobte die „optimale Zusammenarbeit von Kreis und Kommune vor Ort“ und auch Bürgermeisterin Gabi Coutandin freute sich über das Engagement der arbeitssuchenden Babenhäuser. „Unser Ziel ist es, dass Sie hier in der Stadt Arbeit finden“, machte sie Mut. Dass das Konzept funktioniert, konnte die Rathauschefin gleich bekräftigen: „Aus dem letzten Projekt wurde die Hälfte der Teilnehmer erfolgreich vermittelt.“

Wie bewerbe ich mich richtig?

Wie bewerbe ich mich richtig? Was sind Ausschlusskriterien? Und wie schaffe ich es dann, im Vorstellungsgespräch einen positiven Eindruck zu machen? All das waren Fragen, die die Teilnehmer im Vorfeld erarbeitet hatten und nun gemeinsam mit den Experten durchgingen. Hayat Allous, Personalleiterin von ACC Aviator Cabin, konnte mit ihrer Erfahrung im Einstellungsbereich aufwarten und davon berichten, welche Bewerbungen bei dem Luftfahrtunternehmen Erfolg haben und welche nicht. Klaus-Dieter Stork, Chef der Automatendreherei Stork, ermutigte die Teilnehmer zu beruflich hoch gesteckten Zielen. „Ich bin auch nicht als Unternehmer auf die Welt gekommen“, sagt er und verdeutlichte damit, dass alles möglich ist.

Wie aus einer Bewerbung eine Einstellung wird, beschrieben Allous und Stork dann im Wechsel. Dabei ergänzten sich beide Experten gut mit ihrem Erfahrungsschatz. „Wir haben extra zwei unterschiedliche Betriebe gewählt“, erläuterte Projektleiterin Manuela Stumm. Sie hatte im Vorfeld mit den Teilnehmern gesprochen und nach deren Berufswünschen gefragt. „Es ist schwierig eine Arbeit zu finden ohne konkrete Vorstellungen“, mahnte sie. „Ich bin offen für alles“ sei dabei ein beliebter Satz, der aber nicht immer zum Ziel führe. Besser sei es, sich klar zu machen, welche Bereiche einem liegen. „Ich mag den Umgang mit Menschen“ oder „Ich bin handwerklich geschickt“ seien da geeignetere Aussagen.

Top Ten der unbeliebten Berufe

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Der Workshop zeigte, dass Arbeitslosigkeit jeden treffen kann: Menschen, die noch Probleme mit der deutschen Sprache haben, Mütter, die der Kinder wegen aufgehört haben zu arbeiten, oder Akademiker, die jetzt Hartz IV beziehen, weil ihre vorherige Arbeitsstelle insolvent gegangen ist. Sie alle versuchen, aus dem Berg von Bewerbungen mit ihrer Mappe herauszustechen. „Der erste optische Eindruck einer Bewerbung ist entscheidend“, betonte Allous. Ohne den Inhalt gelesen zu haben, sei eine richtige Gestaltung wegweisend dafür, ob die Bewerbung intensiv studiert oder zur Seite gelegt werde.

„Ein Anschreiben, das nach Zigarettenqualm riecht, bekommt kaum eine Chance“, urteilte sie. Weitere Fehltritte: Rechtschreibfehler, unseriöse E-Mail-Adressen oder standardisierte Anschreiben, die auf mehrere Unternehmen zutreffen. „Ich mag das Wort Job nicht“, brachte es Stork auf den Punkt, „das klingt wie eine kurzfristige Beschäftigung. Beruf bedeutet aber etwas Langfristiges, das Qualifikationen erfordert und das will ich in der Bewerbung sehen.“

Quelle: op-online.de

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