Bier gehört zur Hochzeit

Neue „Jahresgabe“ des Geschichtsvereins: Bier – Brauereien – Babenhausen

Joachim Heizmann und sein Brauereienbuch.
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Joachim Heizmann und sein Brauereienbuch.

Im 40. Jahr seines Bestehens hatte der Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen – wie alle kulturtragenden Vereine – sein jährliches Programm mit Vorträgen, Führungen und Exkursionen radikal kürzen müssen. Die traditionelle „Jahresgabe“, nämlich eine gedruckte Schrift zu einem heimatkundlichen Thema, ist aber verwirklicht worden. Dieser Tage wurde das neue Buch mit dem Titel „Bier – Brauereien – Babenhausen“, verfasst von Joachim Heizmann, von der Druckerei ausgeliefert.

Babenhausen – Mitglieder erhalten die „Jahresgabe“ kostenlos, was allerdings in Corona-Zeiten länger dauern kann. Interessenten können das Buch für acht Euro in der Buchhandlung „auslese“ in Babenhausen erwerben.

Der vorliegende Band beschäftigt sich hauptsächlich mit der gräflichen Brauerei sowie mit der Michelsbräu. Er stellt gleichzeitig Band 2 einer Trilogie dar, die unter dem Titel „Hopfen und Malz – Babenhausen erhalt’s“ 2016 begann. Ein dritter Band, der sich mit den Gastwirtschaften beschäftigen wird, wird folgen.

Urkunden beweisen es: Bier hat in früheren Zeiten auch zu einer Hochzeit gehört. Im Jahr 1582 gaben sich im Wörth im Elsass Heinrich Gayling von Altheim und Anna Maria Brömser von Rüdesheim ihr Ja-Wort. Dazu wurde laut eines im Staatsarchiv Marburg verwahrten Schriftstückes der Burgvogt zu Babenhausen angewiesen, „Einbeckiges Bier“ und einen Bierkessel zum Hof nach Wörth zu liefern. Und auch Babenhäuser Wildbret stand auf der Lieferliste. Übrigens hatte schon Martin Luther auf dem Wormser Reichstag das Einbecker Bier mit den Worten „Der beste Trunk, den einer kennt“ gelobt. Die Einbecker beherrschten zu dieser Zeit die Kunst des Bierbrauens hervorragend. Durch eine hohe Hopfenbeigabe entstand so ein lange haltbares Gebräu.

Der genaue Ursprung der gräflichen Brauerei in Babenhausen wird wohl für immer im Dunkeln der Geschichte bleiben, da entsprechende Urkunden vor dem Dreißigjährigen Krieg die Zeit nicht überdauert haben. Es gibt aber Schilderungen über die gräfliche Brauerei aus der Zeit mitten im Dreißigjährigen Krieg, wie Autor Heizmann schreibt.

So kam im Jahre 1636 der Brauer Johann Jakob Ritter von Windecken nach Babenhausen. Ihm wurde das alte gräfliche Brauhaus für eine Jahrespacht von 36 Reichstalern übertragen. Ritter unterhielt auch eine eigene Schankwirtschaft.

Im Sommer 1710 wurden die Vorbereitungen für ein neues gräfliches Brauhaus an der Ecke Fronhof/Schlossgasse getroffen. Der Bauplatz lag an der Ecke Fronhof/Schlossgasse, wo seither die Stallungen des alten Brauhauses standen. 1711 war der Bau des neuen Brauhauses vollendet, die Arbeiten am dazugehörigen Wohnhaus erst ein Jahr später.

Ein weiteres Kapitel beginnt sechzig Jahre später, als das Brauhaus in den „Alten Altdörfer Schafhof“ verlegt wird. 1779 wurde der Schafhof wegen des schlechten Zustandes umgebaut, 1781 konnte das neue Brauhaus in Betrieb genommen werden.

Damit war auch der Beginn der Michelsbräu eingeläutet worden. Joachim Heizmann schreibt dazu: „Im Jahre 1783 übernahm Georg August May aus Groß-Umstadt den Altdörfer Hof als Pächter. Nachkommen von ihm errichteten vor dem Hanauer Tor einen Braubetrieb, aus welchem sich später die Michelsbräu entwickeln sollte.“

Umfangreiches Material hat der Autor über die Michelsbäu und ihrer 200-jährigen Geschichte zusammengetragen. Da wurden nicht nur Urkunden und alte Geschäftsberichte ausgewertet, auch die einzelnen Besitzer und ihre Familien werden vorgestellt. Und natürlich gehören Sammelobjekte wie Bierdeckel oder Biergläser dazu. Heute wird in der Michelsbräu kein Bier mehr gebraut. Aus einer Brauerei wurde ein medizinisches Vorsorgezentrum.

Für den Autor selbst war die Recherche zu dem 200 Seiten starken Buch eine Zeitreise, da er während seiner Kinder- und Jugendzeit in der Michelsbräu lebte. „Durch die Betriebswohnung wurde die Brauerei ein großer Abenteuerspielplatz“, sagt er heute mit einem schelmischen Lächeln. (Von Georg Wittenberger)

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