Bildung im Kreativquartier

+
So könnte es aussehen in der Kaserne: ein „Kreativquartier“ mit Büros, Kultur, Dienstleistungen und Bildung im historischen Teil, Gewerbe im ehemaligen technischen Bereich, Wohnungen in der früheren Housing Area und dazwischen ein Freiraum als Landschaftspark.

Babenhausen ‐ „Wir haben fast ein Jahr Gespräche mit Fachleuten geführt. Ist das, was wir wollen, auch machbar? Die Experten meinen ja“, sagte Bürgermeisterin Gabi Coutandin in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung zum Thema Kaserne. Von Stefan Scharkopf

Das 60 Hektar große Areal soll neu geordnet und über qualitative Entwicklungsziele zu einem nach hohen ökologischen Standards zertifizierten Modellquartier umstrukturiert werden. Um einen weiteren Schritt auf dieses Ziel zuzugehen, hat die Stadtverordnetenversammlung mit großer Mehrheit einem Rahmenplan zugestimmt. Der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Besitzerin des Geländes wird vorgeschlagen, den Rahmenplan bis zum 7. April bei der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) zur Zertifizierung einzureichen. Nur FDP und FWB stimmten dagegen.

„Der Rahmenplan“, so steht es in dem Papier, „möchte wesentliche städtebauliche Entwicklungen ordnen und neues Leben in Form von Arbeiten, Dienstleistungen, Wohnen und Freiraumangeboten ermöglichen“. Grundlage ist der preisgekrönte Entwurf „Grünkern“ der Arbeitsgemeinschaft Metris Architekten Stefan Werrer aus dem Europan-Wettbewerb (wir berichteten).

Die Stadt möchte mit einem Modellprojekt gleichzeitig ein regionales Alleinstellungsmerkmal ausbilden, um neue Zielgruppen sowohl für gewerbliche Ansiedlung als auch Wohnen zu werben. Dieses Alleinstellungsmerkmal wiederum soll sich positiv auf die Gesamtstadt und ihr Image auswirken.

Das Nutzungskonzept sieht eine Gliederung der Fläche in vier Teilbereiche vor: ein Schwerpunkt Büro, Kultur, Bildung und Dienstleistung in der historischen Kaserne („Kreativquartier“), ein Areal mit Arbeiten und Gewerbe im technischen Bereich, ein Quartier mit Wohnen bei der ehemaligen Housing Area sowie einen neuen zentralen Freiraum in der Mitte als Herzstück des südlichen Stadtgebiets, der als Landschaftspark Dreh- und Angelpunkt des neuen Quartiers werden soll. Alles in allem könnten so 18,6 Hektar für Arbeiten und Gewerbe abfallen, 11,5 Hektar für Wohnen.

In der Parlaments-Debatte sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Friedel Sahm, dass es gut sei, dass aus der Kaserne „etwas ganz Besonderes“ werde und die Bima hinter den Plänen stehe. „Wir wollen ein bestimmtes Klientel gewinnen, und das gibt es auch“, meinte Frank Ludwig Diehl (Grüne). Die Rahmenplanung, die von der Bima auch zur Hälfte gezahlt werde, sei eine „faire Grundlage für die nächste Runde“ der Konversion.

Angesprochen wurde auch das Thema Wohnen. Während Ingrid Schumacher („Bürger“) von einem Kompromiss sprach, „aber so wenig Wohnen wie möglich“, wollte, lehnt Andrea Möbius (FDP) ein Wohnquartier auf dem Kasernengelände mit „um die 350 Wohneinheiten“ ab; dafür gebe es keinen Bedarf. Das Gebiet könnte zu einem sozialen Brennpunkt werden, außerdem gebe es laut Raumordnungsplan keine Möglichkeit für Wohnbebauung auf den Lachewiesen, auf dem Elb-Schliffgelände und in den Stadtteilen.

Beim Thema Wohnen habe sich die SPD bewegt, um die Entwicklung der Kaserne voranzutreiben, sagte Wulf Heintzenberg, wenn auch Gewerbe übergeordnet sei. Wichtig sei eine breite Mehrheit für den Rahmenplan. Wie Bürgermeisterin Gabi Coutandin sagte, werde der Prozentsatz an Wohnen im neuen Quartier geringer sein als in anderen Gewerbegebieten.

Ablehnung kam von den Freien Wählern: Wie Kurt Lambert und Frank Bornschlegell sagten, brauche man keine Zersiedelung in Babenhausen. Außerdem wäre es sinnvoller gewesen, zuerst nach Investoren zu suchen und mit ihnen eine Planung voranzutreiben. Potenzielle Investoren würden durch allerlei Vorgaben in ein zu enges Korsett gezwungen.

Quelle: op-online.de

Kommentare