Urabstimmung zum Verhandlungsergebnis nächste Woche

Schlucken Conti-Mitarbeiter in Babenhausen die „bittere Pille“ ?

Mit Warnstreiks unterstützten im Dezember Conti-Mitarbeiter die Forderungen der IG Metall.
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Mit Warnstreiks unterstützten im Dezember Conti-Mitarbeiter in Babenhausen die Forderungen der IG Metall.

Nehmen die IG-Metall-Mitglieder bei Continental in Babenhausen das in einem Eckpunktepapier zusammengefasst Verhandlungsergebnis zwischen Gewerkschaft und Unternehmen an?

Babenhausen - „Ein ganz kleines Stück Krümel vom verschimmelten Kuchen“, „ein Schlag ins Gesicht“ oder „das Angebot ist so lächerlich“ – drei Meinungen aus der Facebook-Gruppe des „Aktionsbündnisses Conti Babenhausen“ zum Verhandlungsergebnis, das die IG Metall mit Continental erzielt hat.

In erster Linie geht es den Kritikern um die Höhe der Abfindungen im geplanten Sozialtarifvertrag. Zum anderen ist es die Erkenntnis, dass in Babenhausen trotz einer um drei Jahre verlängerten Laufzeit für das Werk (anstatt 2025 nun 2028) bis Ende 2025 1 900 Stellen wegfallen werden. Statt derzeit etwa 3 300 Arbeitsplätze sollen es Ende 2025 eben nur noch 1 400 sein, davon 430 in der Produktion selbst. So lauten zumindest die Zahlen in der Stellungnahme von Continental zum Eckepunktepapier mit der IG Metall.

Der Unmut etlicher rührt dabei offenbar von deutlichen Differenz zwischen den hoch angesetzten Gewerkschaftsforderung und dem Verhandlungsergebnis. Ursprünglich forderte die IG Metall für ihre Mitglieder unter anderem eine Sockelabfindung von 25 000 Euro plus 2,5 Bruttomonatsentgelte pro Beschäftigungsjahr. Herausgekommen sind für diesen Teilaspekt ein Sockelbetrag für alle in Höhe von 10 000 Euro und eine Treueprämie von 3  750 Euro für je fünf vollendete Beschäftigungsjahre. Hinzu kommt eine tarifliche Zusatzabfindung von 2 500 Euro je unterhaltspflichtigem Kind, was mit der Leistung aus dem bestehenden Rahmensozialplan 5 000 Euro wären.

Die IG Metall macht auch keinen Hehl daraus, dass das Ergebnis nur die „zweitbeste Lösung“ sei. „Es enthält, wie jeder Kompromiss, auch bittere Pillen für uns. Wir alle hätten uns gewünscht, mehr Arbeitsplätze abzusichern, den ein oder anderen Euro mehr an Abfindungen herauszuholen“, heißt vonseiten der Gewerkschaft. Mit dem längeren Erhalt von Produktionsarbeitsplätze seien die Gewerkschaftler allerdings auch über ihre eigenen Erwartungen hinausgewachsen: „Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie haben wir Arbeitslosigkeit verhindert oder zumindest deutlich hinausgeschoben.“

Die Mehrheit der Belegschaft sei indes „einfach nur sauer auf die IG-Metall und den Arbeitgeber“, heißt es hingegen in den sozialen Medien. Besonders deutlich ein Beitrag: „Angebot ablehnen und ab in den Streik! Wir müssen kämpfen, entweder für unseren Arbeitsplatz oder einer gerechten Abfindung. Der Betrieb schuldet uns das!“

Ob es jeweils nur Einzelmeinung sind, wird sich in der kommenden Woche zeigen. Wie die IG Metall auf Nachfrage mitteilt, beginnt dann die Urabstimmung. Die Gewerkschaftsmitglieder, nur für sie gilt die ausgehandelte Vereinbarung, können dann dem Kompromiss zustimmen – oder ablehnen. (Norman Körtge)

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