„Er hat uns weit vorangebracht“

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Das Blasorchester spielte einige seiner größten Erfolge.

Babenhausen - „Das ist ein Schnitt in der Orchesterentwicklung. Vor allem vor einem Jahr hat es uns hart getroffen, als er uns seine Entscheidung mitgeteilt hat“, sagt Klaus Mohrhardt, Vorsitzender des Babenhäuser Blasorchesters, zum Abschied des musikalischen Leiters und Dirigenten Christoph Bernius. Von Michael Just

Am Samstagabend stand in der Stadthalle für die rund 60 Musiker mit ihrem Jahreskonzert nicht nur der Höhepunkt für 2011, sondern auch eine Zeitenwende an: 15 Jahre lang gab Bernius bei rund 220 hochrangigen Konzerten für sie den Takt an – die Ära des 38-Jährigen ging nun mit seinem letzten Auftritt und der großen Verabschiedung zu Ende.

Der letzte Schritt auf eine Babenhäuser Bühne erwies sich für den Dirigenten als schwer, auch deshalb, weil sich Bernius und sein Orchester stets einer großen Unterstützung durch die Bevölkerung sicher sein konnten. Das war am Wochenende nicht anders: Die 600 aufgestellten Stühle und die Logen zeigten sich vollbesetzt. Die Eröffnung des Abends gestaltete wie gewohnt das Jugendorchester mit Stücken aus „Wallace und Gromit“, „Robinson Crusoe“ und „Cars“. Schon nach den ersten Stücken hallte dem Nachwuchs frenetischer Applaus entgegen. Da konnten sich die Jungmusiker fast wie kleine Stars fühlen und eine große Portion Selbstvertrauen mitnehmen.

Bunte Mischung aus Oper, Musical und Filmmusik

Ende einer kleinen Ära: Christoph Bernius gab am Wochenende sein letztes Konzert als Dirigent des Babenhäuser Blasorchesters.

Wie gewohnt hatte das große Orchester dann eine bunte Mischung aus Oper, Musical und Filmmusik parat, die von Moderator Jens Kutscher angesagt wurde. Das Repertoire hatte der Dirigent in Anbetracht seines letzten Auftritts selbst zusammen gestellt und dabei jene Highlights herausgesucht, die die letzten Jahre das Publikum begeisterten. Darunter waren die Ouverture zur Oper „Der Barbier von Sevilla“, „Tirol 1809“, eine symphonische Suite aus „Robin Hood - König der Diebe“ und ein Abstecher in das Musical „Chess“, das die ABBA-Männer Benny Andersson und Björn Ulvaeus komponierten. Als neu offenbarte sich das „Concerto Grosso“, ein Saxophon-Solo für Orchesterbegleitung.

Das letzte Stück - ein fünfteiliges Medley der Hits von Frank Sinatra - durfte man dann als besonderes Geschenk an den scheidenden Dirigenten sehen, besonders als der Klassiker „My Way“ erklang. Nach einem langanhaltenden Applaus hielt Vorsitzender Klaus Mohrhardt für Christoph Bernius eine Laudatio und gleich mehrere Geschenke parat. Darunter waren eine Aufnahme aus dem Jahreskonzert 2009 mit den Unterschriften aller Musiker, ein Kalender für 2012 mit gemeinsamen Fotos, sämtliche Originalprogramme aller Jahreskonzerte, ein Bildband über Babenhausen sowie ein großer Präsentkorb.

Abschied mit Wehmut

Laut Mohrhardt ist es ein Abschied mit Wehmut. „Er hat uns geprägt und weit vorangebracht“, so der Vorsitzende, dessen Worte nicht von ungefähr kommen. So führte Bernius, der Jugend-musiziert-Preisträger war, alle Fortbildungen für die Orchesterleitung absolvierte sowie Klarinette, Saxofon und Schlagzeug spielt, das „BB“ von der Mittel- zur Oberstufe und damit zur höchsten Stufe in dieser Klasse.

Vor allem berufliche Gründe führten zur Abgabe des Dirigats durch den 38-Jährigen, der derzeit als Informatiker im Rhein-Main-Gebiet wohnt und arbeitet. Dazu hat er die Leitung der Stadtkapelle Bad Vilbel übernommen, was eine erheblich kürzere Fahrstrecke als die wöchentlich 100 Kilometer nach Babenhausen bedeutet.

Suche nach einem Nachfolger

Auf der Suche nach einem Nachfolger ist das „BB“ bereits fündig geworden: Es ist der Roßdörfer Dominik Thoma. „Wir haben es uns dabei nicht leicht gemacht“, erzählt Ausbildungsleiter Werner Kunkel. So wurde extra ein Komitee aus Vorstand und Musikern gebildet. Nach der Ausschreibung der Stelle kamen von den 15 Bewerbern vier in die engere Auswahl und wurden zum „Vordirigieren“ eingeladen. Dort galt es, den Taktstock bei einem Pflichtstück und einem Stück nach Wahl zu schwingen. Basisdemokratisch wurde dann über den neuen Dirigenten abgestimmt.

Mit Thoma ist man sich sicher, dass dieser als Berufsdirigent in die großen Fußstapfen von Bernius treten kann. „Er studiert Blasorchester-Direktion. Das merkt man in jeder Beziehung“, sagt Kunkel. Gerne hätten die Bläser am Samstagabend eine feierliche Übergabe des Taktstocks gehabt. Thoma war jedoch bei einem anderen Konzertauftritt gebunden. Deshalb wird er am vierten Advent im Rahmen des Adventsgottesdienstes in der Stadtkirche vorgestellt. Offiziell übernimmt er sein Amt im Januar. Die Zeit bis dahin überbrücken Vizedirigent Robin Wukits und Werner Kunkel.

Quelle: op-online.de

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