Blasorchester sinfonisch

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Der Schlosshof bietet eine angenehme Akustik. Davon ließen sich auch die vielen Zuhörer überzeugen.

Babenhausen - Das Babenhäuser Schloss wird nicht nur innig von Geschichtsfreunden geliebt, sondern auch von Musikern. „Die Akustik ist hier einfach hervorragend“, schwärmt der Vorsitzende des Babenhäuser Blasorchesters, Klaus Mohrhardt. Am Sonntagabend trat das Große Orchester des Vereins zum festlichen Serenadenkonzert im Schlosshof an. Von Michael Just

Zu feiern gab es sowohl das 60-jährige Bestehen des Blasorchesters als auch das zehnjährige der Nachwuchsabteilung, besser bekannt als „Jumbos“. Die musikalische Leitung der über zweistündigen Aufführung hatte Christoph Bernius.

Normalerweise finden solche Konzerte auf dem Marktplatz oder in der Stadtmühle statt. Für unser Jubiläum haben wir uns aber überlegt, ins Schloss zu gehen“, erzählt Mohrhardt. Durch die Umbauten sei hier derzeit eigentlich kein Konzert möglich. „Aber durch unser Versprechen, dass sich niemand auf die Baustelle schleicht, haben wir die Erlaubnis vom Schlossherren bekommen“, fügt der Vorsitzende schmunzelnd hinzu.

Der Schlosshof bietet eine angenehme Akustik. Davon ließen sich auch die vielen Zuhörer überzeugen.

Als Grundlage für die Zusage sieht Mohrhardt den besonders guten Kontakt zum neuen Schlossbesitzer Spartak Arushanyan. Den hat er als zweiter Vorsitzender der Schlossfreunde nachhaltig mit aufgebaut und dann auf das Orchester übertragen. Für ihn wäre es fahrlässig gewesen, das nicht zu tun: „Dieser Aufführungsort ist einzigartig, was Akustik und Ambiente angeht.“ Insgesamt kamen am Sonntagabend rund 250 Besucher in den Schlosshof, die alle Stühle und Bänke besetzten. Vortrefflich zeigte sich die Möglichkeit, Musik und die laue Sommernacht mit einem leichten Wein zu genießen. Beim Jubiläum erwartete die Besucher ein besonders Programm.

So unternahmen die 50 Musiker eine Reise durch die Stile, die von Jazz, Oper über Musical bis hin zu Glenn Miller reichte. Eine besondere Herausforderung stellte das Stück „El Camino Real“ dar, bei dem man in die Rolle eines sinfonischen Blasorchesters schlüpfte.

Da ein Blasorchester im Gegensatz zu einem Sinfonieorchester keine Streicher besitzt, müssen deren Stimmen alleine über die Klarinetten laufen. An dieser schwierigen Satzaufteilung zeigte sich die ganze Klasse des Babenhäusers Blasorchesters: Die unterschiedliche Instrumentierung zum Sinfonieorchester wurde so gekonnt wett gemacht, dass all jene, die nur ihren akustischen Sinnen vertrauten, nicht den Eindruck hatten, dass ausschließlich Bläser den Schlosshof füllten.

So zog Mohrhardt nach mehreren Zugaben ein positives und begeistertes Fazit des Abend. Dabei schimmerte auch ein wenig der Traum durch, dass das Serenadenkonzert zur Institution und zum „Klassiker“ an diesem historischen Ort wird. Dennoch schwangen auch ein paar Zweifel mit: „Wenn das Luxushotel in Betrieb ist stellt sich die Frage, ob wir dann noch erwünscht sind und ob sich dieses Konzept mit Blasmusik deckt“, sagt der Vorsitzende nachdenklich, um kurz danach doch wieder positiv anzumerken: „Andererseits bieten wir mit unserer sinfonischen Blasmusik ein Konzertereignis, das so nicht in jedem Hotel stattfindet.“

Quelle: op-online.de

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