Babenhausen

Es bleibt der „Stolz auf das Geleistete“

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Hat jetzt mehr Zeit fürs Reisen: Reinhard Rupprecht.

Babenhausen -Interview mit Ex-Bürgermeister Reinhard Rupprecht über seine Bilanz: Altstadtsanierung, Schloss, Situation im Parlament.

Nach sechs Jahren endete am Wochenende die Amtszeit von Reinhard Rupprecht als Bürgermeister. 107 Stimmen gaben in der Stichwahl gegen Gabi Coutandin den Ausschlag für die Herausforderin. Im Gespräch mit der OFFENBACH-POST blickt der 62-Jährige auf seine Zeit zurück. Das Gespräch führte Redakteur Stefan Scharkopf.

Ist Ihnen der Abschied aus dem Rathaus schwer gefallen?

Rupprecht:Ja. Ich hatte ein gutes Team um mich herum, mit dem ich sehr gern zusammengearbeitet habe. Ich glaube auch, dass es umgekehrt so war. Ich habe meine Mitarbeiter immer ausführlich unterrichtet und versucht, auch Spaß bei der Arbeit zu vermitteln. Auch der Abschied aus dem Magistrat war würdig.

Was bleibt? Was gehört zu den Verdiensten Ihrer Amtszeit?

Die seit 22 Jahren laufende Altstadtsanierung ist nun fertig...

...da gab es ja einige Kritik...

Ich gebe gerne zu, dass die Arbeiten zeitweise eine schwere Belastung für Bürger und Geschäftsleute war. Besonders dann, wenn Vollsperrungen notwendig wurden. Aber jetzt haben die Babenhäuser 50 Jahre Ruhe, und die Altstadt ist nach meinem Empfinden ein Vorzeigeobjekt, auch wenn bei zwei oder drei Häusern noch etwas zu tun ist. Ich bin sehr froh, dass es beim Schloss einen guten Schlusspunkt gab. Das war ja das beherrschende Thema in der ersten Hälfte meiner Amtszeit. Dadurch, dass die früheren Eigentümer beim Notar nicht zur Unterschrift unter den Kaufvertrag mit der Stadt erschienen waren, ging das Schloss dann an Alfa Consulting. Zuerst hatte ich Bauchschmerzen dabei. Aber es hat sich gezeigt, dass die neuen Besitzer sehr viel Geld investieren. Das kommt auch dem Babenhäuser Gewerbe zugute. Und sie haben die ausstehenden Rechnungen der Handwerker übernommen und beglichen. Auch die Schlossfreunde haben die neuen Herren akzeptiert. Hergershausen hat Vorbildcharakter bei der Dorferneuerung, die Brücken in der Kernstadt sind saniert - auch das hatte für so manchen Unmut gesorgt - und die Vorarbeiten für die Kasernenkonversion sind erledigt.

Für absolut richtig halte ich nach wie vor die Übertragung der Kindergärten auf den ASB. So gibt es nun auch Platz für Ein- bis Zweijährige. Außerdem bin ich stolz darauf, den niedrigsten Schuldenstand erreicht zu haben, den es je gegeben hat.

Was ist aus Ihrer Sicht weniger geglückt?

Es ist leider nicht gelungen, mehr Gewerbe nach Babenhausen zu holen. Nachbarkommunen wie Münster, Dieburg und Eppertshausen mit dem neuen Gewerbegebiet waren da erfolgreicher. Ich glaube auch, dass wir zu sehr auf die Kaserne gesetzt haben. Das Gewerbesteueraufkommen ist im Vergleich zu anderen Städten unterdurchschnittlich...

...womöglich liegt es auch daran, dass die Gewerbesteuer in Babenhausen so hoch ist.

Nach Weiterstadt haben wir die zweithöchsten Gewerbesteuern im Landkreis, das stimmt. Aber das hat auch mit der Kommunalaufsicht zu tun, die uns zu diesem Schritt geraten hat. Hätten wir das nicht umgesetzt, wäre vielleicht kein Haushalt mehr genehmigt worden. Aus meiner Sicht ist es die Hauptaufgabe der neuen Bürgermeisterin Gabi Coutandin, mehr Gewerbe anzusiedeln. Nach der Übernahme der VDO durch Schaeffler sind in den nächsten fünf Jahren keine Gewerbesteuern zu erwarten.

Sie sind vor sechs Jahren als „Mann des Ausgleichs“ angetreten, mittlerweile ja ein geflügeltes Wort. Das Parlament ist nach wie vor zerstritten. Einen konnten Sie das Gremium nicht.

Ich habe nicht den Erfolg erzielt, den ich wollte. Die Realität hat mich in dem Punkt eingeholt. Schwierig war es schon mit der Ampelkoalition. Das lag damals und liegt heute aber an wenigen handelnden Personen, die ihr persönliches Ego immer wieder über das Wohl der Stadt stellen. Da wird vieles auf der zwischenmenschlichen Ebene ausgetragen und oft sehr unversöhnlich. Vielleicht sollten auch mal neue Leute ran.

Was waren die Gründe für Ihre Abwahl? Es war ja knapp.

Letztlich hat der Einsatz der FWB den Ausschlag gegeben. Die haben sich für meine Abwahl ja sehr engagiert...

... und eigene Fehler?

In Bezug auf den Wahlkampf gibt es Leute, die meinen, ich hätte mehr angreifen müssen, ich hätte einen Kuschelwahlkampf geführt.

Haben sie recht?

Wenn man das Ergebnis sieht, vielleicht ja. Aber ich wollte gegenüber Frau Coutandin fair bleiben. Die Wähler wollen keine Brutalitäten. Ich habe nie agitiert.

Welche Projekte hätten Sie gerne noch weitergeführt?

Die Projekte rund um die B 26 und Bouxwiller Straße vorangetrieben, die Entlastung des Erlochs und natürlich die Entwicklung der Kaserne und damit zusammenhängend der Lachewiese begleitet. Bei der Westumgehung halte ich die Tunnellösung nach wie vor machbar. Warum sollte in Babenhausen nicht klappen, was woanders auch geht?

Sehen wir Sie als Kandidaten bei der Kommunalwahl 2011?

Das lasse ich mir offen. Ich bin ja noch im Kreistag aktiv. Ob ich für Babenhausen noch mal antreten werde, entscheide ich nicht allein. Da hat die Partei mitzureden. Ich sage nicht von vornherein nein aber ich dränge mich auch nicht auf. Den CDU-Stadtverband werde ich aber weiterhin beraten.

Und beruflich?

Da brauche ich erst eine Gedankenpause. Vorstellen könnte ich mir eine beratende Tätigkeit auch vielleicht in meinem früheren Beruf als Vermessungsingenieur. Mit Politik wird das aber nichts direkt zu tun haben.

Quelle: op-online.de

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