„Blick auf künftige Standards“

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Noch liegt alles brach auf dem künftigen Kita-Gelände. Der politische Streit geht indes weiter.

Babenhausen (st) - Die Diskussionen um den Neubau der Kindertagesstätte Kunterbunt reißen nicht ab. Besonders die Kosten von 5,2 Millionen Euro sorgen für Debattenstoff. „Diese Summe ist hoch.

Dass dieses Großprojekt für insgesamt 130 Kinder nicht teurer werden darf, wissen alle Beteiligten“, sagt Bürgermeisterin Gabi Coutandin, die wie die „Allianz“ das Projekt verteidigt. Zur teilweise Gegenfinanzierung werden der Verkauf der Grundstücke in der Heinrich-Heine-Straße und von zwei Grundstücken im Westring herangezogen.

Im eigenen Interesse hatte die Verwaltung nun recherchiert, wie sich die Neubau-Kosten in anderen Kommunen entwickeln. Dabei sei schnell deutlich geworden, dass die Kosten von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedlich sind, so Coutandin in einer Stellungnahme. Auch mache es einen großen Unterschied, ob in einer Einrichtung ausschließlich Kindergartenkinder (drei bissechs Jahre) oder auch Krippenkinder (unter drei Jahre) betreut werden, ob das Grundstück vorhanden ist oder noch angekauft werden muss. Die Anzahl der Geschosse und die Beschaffenheit des Bodens seien weitere Eckpunkte, die über die erforderliche Investitionshöhe entscheiden.

Eine Vergleichbarkeit lässt sich nach Meinung von Coutandin dann herstellen, wenn ausschließlich die Kosten für das Bauwerk und die Gebäudetechnik pro Quadratmeter miteinander verglichen werden. Hier liefere der Baukosteninformationsdienst (BKI) statistische Daten und verlässliche Zahlen aus dem Bundesgebiet: Das BKI setzt bei der geplanten Bauweise der Kita im Bundesdurchschnitt einen Wert von etwa 1700 Euro pro Quadratmeter an. Die umbaute Fläche des Kindergartens liegt bei rund 1790 Quadratmetern. Somit belaufen sich die Bruttokosten laut BKI für Bauwerk und Technik auf etwa drei Millionen Euro.

Die vom Büro Ecker-Architekten berechneten Bruttokosten für den Neubau der Kita Kunterbunt liegen bei 3,5 Millionen. Die Mehraufwendungen von etwa 16 Prozent seien der neuen Energiesparverordnung 2009 (Enev) und den erhöhten Kosten für die Gründung geschuldet.

Ausbau der Krippenplätze kostspielig

In den statistischen BKI-Zahlen seien die Zusatzkosten, die sich aus der neuen Enev 2009 ergeben, noch nicht enthalten: eine effektivere Wärmedämmung, Energie- und Betriebskosten sparende Haus- und Lüftungstechnik. „Ein Kindergarten wird zwar nicht für die Ewigkeit gebaut, aber wir berücksichtigen heute schon, welche Standards auch noch in 20 Jahren Bestand haben.

Wenn man dann noch die Kosten für den Grundstückskauf, den Abriss des alten Kindergartens, die Kosten für Ausstattung und Außenanlagen, weitere Baunebenkosten wie die Leistungen für Ingenieure, Baugenehmigungen, Versicherungen und die Mehrwertsteuer berücksichtige, komme man dann schnell auf die 5,2 Millionen.

Der Ausbau der Krippenplätze – bundesweit von allen Parteien gewollt und auch gesetzlich verpflichtend vorgegeben – sei ganz besonders kostspielig: Die Kleinsten werden von jeweils zwei Erzieherinnen in Gruppen von maximal zehn Kindern betreut. Sie haben den gleichen Platzbedarf wie eine Kindergartengruppe von 25 Kindern. So rechne man mit 2,5 bis dreifach so hohen Kosten wie für einen reinen Kindergartenbau.

„Die Stadt Babenhausen steht zu diesen Kosten: Gerade den Bereich für die Krippenkinder will und muss die Stadt ausbauen, um Entwicklungschancen der Kleinsten zu sichern und Eltern, insbesondere Alleinerziehenden, die Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit zu geben“, äußert sich Coutandin.

Ziel sei es, bis Ende 2013 für 35 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsplätze anzubieten, die Angebote der Tagesmütter eingerechnet. Dann nämlich besteht für jedes Kind ab einem Jahr ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Die Opposition bleibt bei ihrer Kritik.

Quelle: op-online.de

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