Blicke in den Untergrund

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Die Wanderer auf ihrer Tour.

Babenhausen ‐ „Einige hatten ja vermutet, dass es beim Thema Babenhäuser Bodenschätze um den Spargel geht“, scherzte Wilfried Fassing, der Spaziergänger zum dritten Gemarkungsrundgang des Wanderklubs „Berg auf“ begrüßte. Von Petra Grimm

Aber nein, nicht das königliche Gemüse stand im Mittelpunkt der etwa elf Kilometer langen Tour am Samstag, die er gemeinsam mit Günter Berz, Joachim Ewert und Helmut Schroth vorbereitet hatte, sondern der Sand- und Kiesabbau.

„Schon in den 20er Jahren begann der kommerzielle Kiesabbau in Babenhausen, der zurzeit von drei größeren Betrieben durchgeführt wird“, informierte Fassing. Sande seien ein begehrtes Rohmaterial nicht nur für den Bau, sondern auch beispielsweise für die Keramikherstellung. „Sogar bei der Produktion von Mikroprozessoren werden hochwertige Quarze benötigt“, sagte Fassing, bevor die gut gelaunte Truppe bei sonnigem Wetter am Wanderheim losmarschierte, wo die Küchencrew der Freiwilligen Feuerwehr ihre Feldküche aufgebaut und mit dem Gemüse Schnippeln für den Eintopf begonnen hatte.

Gut dreistündige Wanderung

Aber vor der geselligen Abschlussrast lag eine gut dreistündige Wanderung, die natürlich nicht an allen Kiesgruben in der Gemarkung vorbeiführen konnte. Auf einer Karte waren aber die wichtigsten zu sehen. Im Flächennutzungsplan der Stadt ist auch die Nachnutzung der Kiesabbauflächen festgelegt. „Da stehen an erster Stelle Naturschutz, Erholung und Wassersport“, so Fassing.

Am Hexenturm, der Stadtmühle und der Stadthalle vorbei ging es über die Harreshäuser Allee Richtung Tierheim. Unter den Bahndämmen der Eisenbahnlinien hindurch spazierte die rund 100 Personen starke Gruppe zum Hasselsee. Bei Harreshausen ging es am Gelände der Recycling-Firma Vepro vorbei.

Bei ihrer Tour kamen die Wanderer auch am Gedenkstein für Johann Ehrwein Harsckerl vorbei, der 1728 von Wilderern ermordet wurde. Seine Geschichte erzählte Helmut Schroth.

„Heute wird Recyclingmaterial auch für den Unterbau von Straßen benutzt“, wusste Fassing, der die Teilnehmer dann zum Abbaugebiet der Firma Kaspar Weiß, dem eigentlichen Ziel, führte. Die Ausdehnung dieser Fläche in westöstlicher Richtung beträgt etwa 1,2 Kilometer. Neben der schon bestehenden gibt es einige Meter weiter im Wald auch eine neue Auskiesungsfläche. Diese etwa 20 Hektar große Erweiterungsfläche ist weitgehend gerodet. Eine Grube mit Schwimmbagger ist zu sehen. Seit November vergangenen Jahres wird hier Kies abgebaut und auf einem langen Förderband zur Aufbereitungsanlage gebracht.

Bevor die Wanderer dann durch die Harreshäuser Felder - auf denen Rollrasen den Anbau von Getreide, Kartoffeln und Mais abgelöst hat - Richtung Eintopf zurückliefen, ging es im Wald um ein ganz anderes Thema.

Hier erläuterte Helmut Schroth, was es mit einem alten, kaum noch lesbaren Gedenkstein auf sich hat. Er soll an Johann Ehrwein Harsckerl erinnern, der an dieser Stelle im Jahre 1728 durch Wilderer ermordet wurde. Der Babenhäuser Weißgerber war mit seinem Schwager - wie es damals üblich war zu Fuß - unterwegs nach Aschaffenburg, um ein Geschäft abzuschließen, als er die vier „Wildbretschützen“ entdeckte. Er lief zurück nach Harreshausen, um den Förster zu holen und im dann folgenden Gerangel mit den Wilderern wurde er erstochen. Der couragierte Mann starb noch im Wald.

Heute wohl eher undenkbar sind die Worte des damaligen Pfarrers. Denn wie Helmut Schroth in den alten Kirchenbüchern nachlas, stand im Beerdigungstext, wer den Sonntag nicht heilige und Geschäfte machen wolle, müsse mit so etwas rechnen.

Quelle: op-online.de

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