Wo die Blumenfarbe zum Sandstein passt

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Sie fanden auf ihrem Rundgang nicht immer grüne Häuserzeilen (Foto links): Wilfried Müller, Reinhold Gottstein, Silvia Schroth und Wilhelm Spiehl (von rechts).

Babenhausen - Manchmal kommen die guten Ideen nicht aus der Politik, sondern von Bürgern: Im vergangenen Herbst hatte Wilhelm Spiehl den Vorschlag, dass man die frisch sanierte Altstadt aufwerten könnte, indem möglichst viele Anwohner Pflanzen und Blumen vor ihr Haus stellen. Von Michael Just

Geboren war der Wettbewerb „Blühende Altstadt“. Beim Ortsbeirat eingereicht stieß die Idee sofort auf offene Ohren. Es folgte die Unterstützung der Stadtverordneten, der städtischen Wirtschaftsförderung und der AG Stadtmarketing.

Am Freitag zog Ortsvorsteher Reinhold Gottstein mit drei Jurymitgliedern aus, um jene Häuser zu küren, deren Bewohner sich durch einen besonders grünen Daumen hervortaten. Die Jury bildeten Ideengeber Wilhelm Spiehl, Wilfried Müller (AG Stadtmarketing) und Silvia Schroth, die einen der schönsten Rosengärten in Babenhausen besitzt und Mitglied bei den deutschen Rosenfreunden ist.

Bevor die Jury sich aufmachte, gab es noch ein dickes Lob von Bürgermeisterin Gabi Coutandin: „Es macht Spaß, die bunten Farben zu sehen. Sie vermitteln Lebendigkeit und Lebensfreude und bilden einen Kontrast zum grauen Pflaster. Die Stadt hat dazugewonnen“, konstatierte die Verwaltungschefin. Wie sie betonte, beteilige sich auch die Stadt an der Aktion. So zierten bereits zwei neue große Blumentöpfe den Rathaus-Eingang und weitere Blumenbehältnisse seien bestellt, deren Anlieferung in den nächsten Tagen erwartet wird. Coutandin gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Initiative weitergeht und im nächsten Jahr eine Neuauflage erfährt: „Dann machen vielleicht noch mehr mit.“

Die Bewertungskriterien

Es geht nicht darum, alles vollzupflastern“, beschreibt Spiehl die Bewertungskriterien der Jury. Auch zwei Kästen mit Geranien wären nicht das Ei des Kolumbus. Stattdessen sei Ideenreichtum gefragt, der sich etwa durch unterschiedliche Pflanzen ausdrückt. Wer eine Bank oder andere Accessoires dazu stelle, habe den Dreh raus.

Auch der Zustand der Pflanzen erweise sich als wichtig: „Nur etwas vorm Haus zu postieren, aber es nicht zu pflegen ist zu wenig.“ Spiehl machte dies am „Blauen Männertreu“ fest: „Der blüht im Frühjahr. Jetzt ist er braun und hängt runter. Da muss man ihn ausmachen oder es gibt Punktabzug.“

Pro Haus wurden maximal 30 Punkte vergeben. Nicht immer war der Blumenschmuck neu und schon vor der Ausschreibung des Wettbewerbs an gleicher Stelle zu finden. Was der Jury „gar nicht schmeckte“ waren künstliche Blumen. Ein Haus in der Sackgasse wartet gleich zu Beginn der Tour mit einer Mischung aus künstlichen und echten Blumen auf. Zuerst will es die Jury gar nicht in die Wertung aufnehmen, dann gibt es doch noch fünf Punkte.

Da blüht die Altstadt: Bei dem Objekt auf dem Foto oben lautete das Jury-Urteil „Zielvorgabe erfüllt“.

Dass sich der Ortsbeirat für die Bewertung viel Mühe gibt wird daran deutlich, das Gottstein noch ein kleine Foto-Sammlung dabei hat. Sie zeigt so manche bunte Pracht der vergangenen Monate, die bereits verblüht ist. „Ich bin die letzten Wochen schon zweimal durch die Altstadt gelaufen, um den verschiedenen Blütenphasen und damit einem fairen Wettbewerb gerecht zu werden“, hebt er heraus. „Da müssen wir schon die Hosentaschen mit unseren Punkten aufmachen“, sagt Spiehl bei einem Haus am Anfang der Neugasse, wo im Untergeschoss die Blütenfarbe mit dem Sandstein und im Obergeschoss mit der Holzverkleidung korrespondiert. Dazu ergibt die Weihnachtsbeleuchtung am Dachkannel als „vorbildliche Eigeninitiative“ einen Bonuspunkt. Positiv wird beim nächsten Haus aufgrund der erkennbaren Grundsanierung der Erhalt des alten Weinstocks quittiert. „Da siehst du kein trockenes Blättche“, stellt die Gruppe am nächsten Objekt neben dem Hexenturm fest, wo sich ein Haus mit Dutzenden Blumen- und Pflanzenkübeln als besonders naturnahes und gepflegtes Kleinod präsentiert.

Ziel: kleine Konkurrenz mit dem Nachbarn

Am Ende der Tour finden sich rund 30 Häuser mit einem mehr oder weniger großen Blumenschmuck im Bewertungsbogen der Jury. Das hört sich stattlich an, ist für die Größe der Altstadt aber bescheiden. „Manche Straßenzüge weisen überhaupt nichts auf“, äußert sich Spiehl zu der Tatsache, dass der Wettbewerb höchst unterschiedlich angenommen wurde. „Es ist mehr als vorher, aber immer noch nicht die Welt“, bilanziert der Ortsvorsteher.

Gewinner

Die Gewinner des Wettbewerbs „Blühende Altstadt“ werden beim Babenhäuser Altstadtfest (12./13. September) ausgezeichnet. Die vier Erstplazierten erhalten Geldpreise, dazu bekommt der Sieger eine repräsentative Plakette für seine Hauswand oder das Eingangstor.

Auch über die Gründe macht man sich Gedanken. „Einig sind schon bei der Grunderneuerung ihrer Straße zur Kasse gebeten worden. Die wollten nicht zum zweiten Mal etwas bezahlen“, lautet eine Antwort. Auch Angst vor Sachbeschädigung mit umgeworfene Kübel wird genannt sowie die Tatsache, dass oft Vorsätze Vorsätze blieben („Wir warten nur noch die Eisheiligen ab, dann geht’s los“).
So hofft das Quartett, dass 2010 die Altstadt noch stärker aufblüht - oder, wie Gottstein formuliert: „Das Beste wäre eine kleine Konkurrenz mit dem Nachbarn, wer was rausstellt.“

Quelle: op-online.de

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