Bolzplatz: Für CDU „halbgare Idee“

Sickenhofen (st) - Es soll eine Lösung zugunsten der kickenden Jugend sein, doch fest eingetütet ist es noch nicht: Wegen der erfolgreichen Beschwerde eines Nachbarn über den Geräuschpegel des benachbarten Bolzplatzes ist es für Kinder in Sickenhofen seit Jahren ein Problem, diesen Platz zu nutzen.

Die gerichtlich erwirkten festen Öffnungszeiten schränken die spontane Nutzung ein. Der Magistrat hat nun die Verwaltung mit der Umgestaltung des derzeitigen Bolzplatzes beauftragt. Wie bereits berichtet (OP vom 29. Oktober), könnte auf dem Bolzplatzgelände ein großzügig angelegter naturnaher Spielplatz entstehen mit integriertem Ballspielplatz, der nach Westen verlegt wird. Die an den jetzigen Bolzplatz grenzende Grünfläche eignet sich gut zum Kicken und ist genau so groß. Der gesamte Bereich soll die Qualität eines Spielplatzes haben.

„Damit erreichen wir, dass ältere Kinder und Jugendlichen endlich auch in Sickenhofen zwanglose Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten haben“, sagt Bürgermeisterin Gabi Coutandin über das Vorhaben. Die Verlegung des Ballspielplatzes von der Bebauungsgrenze weg komme den Interessen des damaligen Beschwerdeführers entgegen.

Auch die juristischen Rahmenbedingungen haben sich geändert: Geräusche von Kitas und Spielplätzen sind laut Bundes-Immissonsschutzgesetz in aller Regel keine schädlichen Umwelteinwirkungen mehr. 18.000 Euro soll alles kosten, mit den Kindern und Jugendlichen als künftigen Nutzern sollen – vermutlich noch im November – weitere Ideen erarbeitet werden, ebenso mit dem Ortsbeirat.

Entscheidung ohne jegliche Bürgerbeteilung und ohne den Ortsbeirat

Dass der Magistrat bereits diese Entscheidung gefällt hat, bringt die CDU und Sickenhofens Ortsvorsteher Friedel Sahm in Harnisch. Dieser sieht sich vor allem dadurch brüskiert, dass der Magistrat die Entscheidung ohne jegliche Bürgerbeteilung und ohne den Ortsbeirat „durchgezogen“ habe. Die Antwort von Bürgermeisterin Coutandin dazu lasse aufhorchen: Der Magistrat sei autonom und entscheide, ohne vorher einen Ortsbeirat fragen zu müssen; die Entscheidung werde daher „ohne Diskussion“ umgesetzt. „So viel zum Thema Demokratie und Bürgerbeteiligung“, meint Sahm, der das „Kräfte-Demonstrieren der Verwaltungschefin“ kritisiert.

Coutandin hätte auch Gespräche mit dem Nachbarn führen müssen. Die Pläne seien außerdem unausgereift. Das avisierte Gelände gehöre einer Privatperson und sei nur gepachtet. Der Vertrag könne jederzeit gekündigt werden. Auf dieser wackeligen Grundlage dürfe man keine Steuergelder in die Hand nehmen – für eine Investition, die ohnehin von der Mehrheit im Ortsbeirat gar nicht gewünscht werde. Ortsbeirat und die CDU, die das Thema Freizeitangebot für Sickenhöfer Jugendliche in der jüngsten Bauausschusssitzung behandelt haben wollten, hätten bereits andere Möglichkeiten überprüft.

Andauernde Unterversorgung von Freizeitangeboten

Wegen der andauernden Unterversorgung von Freizeitangeboten für die rund 270 Kinder und Jugendlichen in Sickenhofen hatte die CDU vor einem Jahr die Errichtung eines knapp 6 000 Quadratmeter großen Geländes neben der Bahnlinie geprüft und beantragt. Im Haushalt von 2011 und 2012 sollten dafür jeweils 45 000 Euro eingestellt werden; allerdings wollte man nach einem geeigneteren Grundstück suchen. Mit dieser Änderung wurde der Antrag im Februar von den Stadtverordneten mit Mehrheit beschlossen. Nach der Kommunalwahl 2011 kippte die neue Allianz im Juni diesen Beschluss wieder, weil im Haushalt kein Geld dafür bereit gestellt werden könne, wollte aber im Bauausschuss nochmal beraten - mit dem bekannten Ergebnis.

Sahm werde die „Bolzplatz-Lösung“ nicht akzeptieren, wie er sagt. Laut „Allianz“ stünden die 18 000 Euro doch gar nicht bereit; außerdem werde das Geld wohl nicht reichen. „Die Bürgermeisterin übergeht und erzürnt Bürger und Ortsbeirat und will halbgare Ideen auf Biegen und Brechen umsetzen.“

Quelle: op-online.de

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